# taz.de -- Kommentar Tilo Jung: Immer noch blind
       
       > Tilo Jung hat aus der Aufregung um seine sexistischen Fotos nichts
       > gelernt. Stattdessen hat er ein neues Opfer: eine Regierungssprecherin.
       
 (IMG) Bild: Lernfrage, Herr Jung: Sind Sie wirklich so sexistisch?
       
       Tilo Jung hat turbulente Monate hinter sich. Zum Weltfrauentag am 8. März
       postete er bei Instagram eine Bilderserie, auf der ein Männerbein eine Frau
       in den Rücken tritt und zu Fall bringt. Die Bilder verbreiteten sich rasend
       schnell in den sozialen Netzwerken und mit ihnen der Hass, der Jung
       entgegenschlug: Er sei ein Sexist, Gewaltverherrlicher, Idiot. Es ging so
       weit, dass seine Heimatredaktion der Krautreporter ihn vorübergehend
       beurlaubte. In einem [1][Facebook-Post] ging Jung öffentlich auf die Knie,
       schrieb von seinem „blinden Fleck“ und davon, jetzt beweisen zu wollen,
       dass er verstanden habe, dass die Bilder ein Fehler gewesen seien.
       
       Das ist ein knappes halbes Jahr her – aber gelernt hat Jung offenbar nicht
       viel.
       
       Dreimal pro Woche sitzt er in der Bundespressekonferenz, stellt naive
       Fragen und lädt die Videos dazu später ins Netz. Er führt dabei
       Verschiedenes vor. Etwa, wie doof die da vorne auf dem Podium sind. Doch
       auf eine scheint er es ganz besonders abgesehen zu haben: Sawsan Chebli.
       
       Chebli ist seit anderthalb Jahren die stellvertretende Sprecherin des
       Auswärtigen Amts. Eine studierte Politikwissenschaftlerin, jünger als ihre
       KollegInnen. Das merkt man: Die Selbstsicherheit, mit der
       RegierungssprecherInnen sonst ihre Allgemeinplätze formulieren, hat sie
       noch nicht drauf. Sie stammelt, stottert und eiert. Wenn Jung sie
       anspricht, schickt er gern ein „Frau Chebli, Lernfrage“ vorweg – und es
       bleibt offen, wer in seinen Augen den Lernbedarf hat, er oder sie. Der
       Sound seiner Fragen ist stets: Das weißt du doch sowieso nicht.
       
       Auf seiner Facebook-Seite wird Chebli besonders häufig [2][mit
       Extrafilmchen] bedacht. Tilo Jungs erregungsbereite Fans schreiben dann
       Sätze wie: „Rolle als Schaf“, „Süss ist die ja, aber das Sprachmodul ist
       noch immer kapput“, oder: „Die sieht echt sehr gut aus – leider redet die
       nur Scheiße.“ Jung fängt solche sexistischen Ausfälle nicht ein, obwohl er
       sich in andere Diskussionen gern einmischt. Es klickt sich halt besser,
       wenn man eine Frau mit palästinensischen Wurzeln zum medialen Abschuss
       freigibt – und der blinde Fleck, der ist eh längst vergessen.
       
       7 Aug 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.facebook.com/tilo.jung/posts/10153990134444572
 (DIR) [2] http://www.facebook.com/tilo.jung/posts/10154440040049572?pnref=story
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Fromm
       
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 (DIR) was fehlt ...: ...Tilo Jung
       
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