# taz.de -- Wo das taz-Klimaabo spendet: Linkes Gewächs, kleine Mangroven
> Unser taz-Klimaabo hilft, wo die Klimakrise schon jetzt besonders hart
> zuschlägt. Etwa an der Küste Mosambiks. Ein Besuch vor Ort.
(IMG) Bild: Hier stand ein Mangrovenwald, dann kamen Zyklon „Idai“ und die Not der Küstenbewohner:innen
Von [1][Theresa Leisgang ]und [2][Raphael Thelen ]
Knorrig ragen die alten Mangroven in die Höhe, ihre Wurzeln tauchen tief
ein in den schlammigen Boden hinterm Strand von Ndajalane, einem kleinen
Küstenort im südostafrikanischen Mosambik. Eine dichte, feste Wand, die
Blätter rascheln im Wind. Samen, lang und dünn wie Stricknadeln, hängen
senkrecht von den Ästen.
Silva Ferrao betrachtet die Fläche davor. Hunderte Baumstümpfe stehen da,
kurz über dem Boden abgeschlagen. Er bleibt ein paar Momente still stehen.
„Der Zyklon hat im Dorf viele Häuser zerstört“, sagt Ferrao. „Eigentlich
ist es verboten, die Mangroven zu fällen, aber nach dem Sturm gab es für
viele keine andere Möglichkeit, ihr Zuhause wieder aufzubauen.“
Er läuft ein Stück weiter. Mehr Stümpfe, die aus dem Schlamm ragen. Aber
dazwischen strebt noch etwas anderes in die Höhe: Samen, feinsäuberlich in
den Boden gesteckt, an ihrer Spitze feine Triebe, manchmal schon ein Blatt
oder zwei, die aussehen wie ein kleines grünes Herz.
## Mangroven bekämpfen Ursache und Auswirkung der Klimakrise
Silva Ferrao erinnert sich genau an jenen Tag im März 2019, der sein Leben
bis heute bestimmt. Morgens war er mit seinem Boot noch aufs Meer
hinausgerudert, niemand hatte die Unwetterwarnungen im Radio sonderlich
ernst genommen. Stürme gehörten zu seinem Leben als Fischer in Mosambik.
Doch Zyklon „Idai“ war anders, er [3][sprengte alle Rekorde seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen] und krachte mit Sturmböen von 200 km/h auf die Küste.
Hunderttausende Häuser wurden zerstört, Ernten vernichtet und unzählige
Menschen verletzt oder getötet. Auch in Ndajalane. Schutz boten jedoch
Mangrovenwälder, die entlang der Küste wachsen. Sie verlangsamen
Sturmwinde, brechen anrollende Wellen.
Und nicht nur das: Mangroven speichern auch große Mengen Kohlendioxid, also
jenen Stoff, der [4][die globale Erwärmung] und damit Unwetter wie Zyklon
„Idai“ verstärkt. Mangroven bekämpfen Ursache und Auswirkung der
Klimakrise.
Keine technische Erfindung schützt Küstenregionen so effektiv vor Erosion
wie die Wurzeln der Mangroven. Das lässt sich als Dienstleistung der Natur
am Menschen verstehen, schreibt die Wissenschaftlerin [5][Maja Göpel] in
ihrem Buch „Unsere Welt neu denken“.
## Neue Mangrovenwälder müssen her
Würde man diese Ökosystemdienstleistung in Geld umrechnen, schätzen Studien
den Wert von Mangroven auf bis zu 1,5 Milliarden Euro – jährlich. Und
trotzdem werden sie überall auf der Welt abgeholzt. Neben Häusern und
Feldern zerstörte der Zyklon in Mosambik auch Fischerboote und vertrieb die
großen Fischschwärme vor der Küste. Viele Menschen sind seitdem in ihrer
Existenz bedroht.
Mit 33 anderen Dorfbewohner:innen wie etwa der Bäuerin Mamma Quitaría
trifft sich Silva Ferrao deshalb im „Comité dos Mangais“. Drei Mal die
Woche sammeln sie ehrenamtlich Samen und ziehen Setzlinge, damit neue
Mangrovenwälder wachsen können.
Der Vorsitzende des Komitees, Vengai Rufu Chikono, hat sich etwas
ausgedacht, um mehr Menschen zu motivieren, die Mangroven aufzuforsten.
Bereits vor dem Zyklon hatte er Bienenstöcke auf seinem Land stehen. Jetzt
hat er angefangen, auch in den Mangroven Bienen zu halten. „Sie helfen bei
der Bestäubung und produzieren gleichzeitig Honig, den wir verkaufen
können“, sagt er. Wenn er erst einmal 100 Bienenvölker in die Mangroven
gebracht hat, will er mit dem Komitee den Honig in kleine Flaschen abfüllen
und auf dem Markt in der Küstenstadt Beira verkaufen. „Alle vier Monate
1.200 Liter – ein gutes Extra-Einkommen für die Frauen.“
Chikono weiß, dass die Zeit drängt. Klimawissenschaftler:innen
prognostizieren, dass es immer öfter zu tödlichen Zyklonen wie „Idai“
kommen wird.
17 Aug 2020
## LINKS
(DIR) [1] /typo3/%3C/b%3E
(DIR) [2] /Raphael-Thelen/!a2772/
(DIR) [3] /Weltmeteorologieorganisation-warnt/!5671345
(DIR) [4] /Schwerpunkt-Klimawandel/!t5008262/
(DIR) [5] /Maja-Goepel-im-Interview/!169655/
## AUTOREN
(DIR) Theresa Leisgang
(DIR) Raphael Thelen
## ARTIKEL ZUM THEMA