# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn man gern in der Schlange ansteht
Am Baumschulenweg fühlt sich das hippe Berlin weit weg an. Zwar reiht sich
auch hier, im Südosten der Hauptstadt nahe dem ehemaligen Mauerstreifen,
Altbau an Altbau in breiten Gründerzeitstraßen. Aber für Gentrifizierung
und Szenelokale ist das Viertel zwischen Spree und Verbindungskanal wohl
noch zu verschlafen. Umso überraschender ist da die Warteschlange, die sich
vor einer kleinen Bäckerei gebildet hat. Es geht nur langsam voran, einige
lehnen matt auf ihren Rollatoren. Ein Blick durchs Schaufenster zeigt
Blechkuchen, Schweineohren, Vollkornbrot – und Ostschrippen. Niemand
verlässt den Laden ohne eine pralle Tüte mit den traditionellen
DDR-Brötchen.
Drinnen lassen sich die beiden Verkäuferinnen vom Andrang nicht hetzen.
„Feierabend“, sagt die eine pünktlich um 12. Sie muss das Geld in der Kasse
zählen, bevor ihre Kollegin weitermachen kann. Es herrscht absolute Stille,
niemand will die Konzentration stören, weitere Verzögerungen verschulden.
Schein um Schein wandert in einen Gefrierbeutel. Als sie es nach zähen
Minuten geschafft hat, verschwindet sie in die Backstube, winkt noch mal:
„Für heute Abend Party reicht’s!“ Hanno Fleckenstein
9 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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