# taz.de -- Verspätungschaos bei der Bahn: Mehr Service statt Pünktlichkeit
       
       > Die Bahn setzt auf mehr Mitarbeiter:innen in Zügen und ehrlichere
       > Fahrplanauskünfte. Längere Umsteigezeit soll verspätete Reisende gnädig
       > stimmen.
       
 (IMG) Bild: Warten auf den Zug: Szene vom Frankfurter Hauptbahnhof Ende Juni
       
       Berlin taz | Die [1][Deutsche Bahn] reagiert auf die Unzufriedenheit wegen
       Verspätungen und Zugausfällen, indem sie 980 zusätzliche Servicekräfte im
       Fernverkehr einstellt. Außerdem verlängert sie die eingeplanten
       Umsteigezeiten bei Buchungen und digitaler Abfrage des Fahrplans.
       
       Derzeit haben außergewöhnlich viele Fernzüge Verspätung, etliche fallen
       ganz aus. Verantwortlich dafür sind unter anderem Baustellen auf vielen
       wichtigen Strecken. [2][Der Unmut darüber bei Kund:innen ist groß, aber
       auch bei Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP)]. Wissing hat auf den
       Missstand beim Staatskonzern reagiert, indem er eine Steuerungsgruppe in
       seinem Ministerium eingerichtet hat, um die Entwicklung enger zu
       kontrollieren.
       
       „Wir bieten unseren Fahrgästen zurzeit nicht, was sie erwarten“, sagte der
       für den Personenfernverkehr verantwortliche Vorstand der Deutschen Bahn,
       Michael Peterson, vor Journalist:innen in Berlin. Um die Begleitung der
       Reisenden zu verbessern, stockt das Unternehmen die bislang 8.000
       Servicekräfte im Fernverkehr in den kommenden Monaten um 980 weitere auf.
       
       750 sollen in der Bordgastronomie und als Zugbegleiter eingesetzt werden.
       100 neue Gästebetreuer:innen sollen Fahrgästen beim Ein- und
       Aussteigen, dem Finden eines Sitzplatzes oder dem Verstauen von Gepäck
       helfen. Weitere 130 neue Mitarbeiter:innen werden in großen Bahnhöfen
       zur Unterstützung von Fahrgästen eingesetzt.
       
       ## Run auf die Schiene
       
       Auf die [3][vielen Verspätungen] reagiert die Deutsche Bahn mit einer
       Verlängerung der Umsteigezeiten. „Damit Anschlusszüge zuverlässiger
       erreicht werden, achten wir in den Fahrplanmedien ab sofort auf
       großzügigere Umsteigezeit“, sagte Peterson. Das gilt zum Beispiel für die
       App DB Navigator. „Knappe Anschlüsse, die in der aktuellen betrieblichen
       Lage schwer erreicht werden können, zeigen wir jetzt schon bei der Planung
       und Buchung nicht mehr an“, sagte Peterson. Davon betroffen sind rund 800
       Verbindungen. Statt 8 Minuten beträgt die Umsteigezeit nun bis zu 14
       Minuten. Sollten Kund:innen mit einem Sparticket, das eine feste
       Zugbindung auch bei Anschlüssen vorsieht, einen früheren Zug erreichen,
       können sie den nehmen, sagte Peterson. Die Zugbegleiter seien angewiesen,
       das zu akzeptieren.
       
       In den vergangenen Monaten habe es im Fernverkehr einen „historischen Run
       auf die Schiene“ gegeben, berichtete Peterson. „Noch nie sind so viele
       Menschen so viele Kilometer ICE und Intercity gefahren wie in den
       vergangenen drei Monaten von Mai bis Juli 2022.“ Auch der
       grenzüberschreitende Bahnverkehr hat sich im ersten Halbjahr fast
       verdoppelt auf 19 Millionen Fahrgäste.
       
       10 Aug 2022
       
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