# taz.de -- Südamerikas Fußball-Teams: "Wir machen Europas Ligen stark"
> Während der WM-Qualifikationsrunde in Südamerika waren auch die kleineren
> Teams stark. Bei der Weltmeisterschaft fühlt sich der Kontinentalverband
> unterrepräsentiert.
(IMG) Bild: Starke Stürmer: Juan Román Riquelme feiert ein argentinisches Tor in einem WM-Qualifikationsspiel gegen Bolivien
JOHANNESBURG taz | Leo Beenhakker ist sich sicher. Der Weltmeister wird aus
Südamerika kommen. Beenhakker, der Weltreisende in Sachen Fußball, der vor
vier Jahren Trinidad und Tobago zur WM geführt hat, ist als Experte für das
niederländische Fernsehen in Südafrika. Er sei erstaunt, sagt er, über den
guten Zustand, in dem sich die Mannschaften aus Südamerika befinden würden.
Die großen zwei, Argentinien und Brasilien, dazu Chile, Uruguay und
Paraguay. Alle fünf südamerikanischen Teams hatten sich für die K.o.-Runde
qualifiziert. Das gab es noch nie. Uruguay, Argentinien und Brasilien
stehen gar schon im Viertelfinale, Chile [1][fiel gegen den Konkurrenten
vom eigenen Kontinent heraus].
Leo Beenhakker hat das erwartet. Noch nie sei die Qualifikationsrunde in
Südamerika so ausgeglichen gewesen. "Früher gab es die großen
Überraschungen nur dann, wenn eine Mannschaft aus Brasilien oder
Argentinien im Hochland von Bolivien spielen musste." Das sei vorbei. Zwar
hat am Ende mit Brasilien doch der große Favorit die Qualirunde gewonnen.
Doch lange hat Paraguay die Rangliste angeführt. Und die Qualifikation
Chiles war auch beinahe nie gefährdet.
Beenhakker hat hier keinerlei Verständnis für die oft zu hörenden Klagen
der europäischen Vereins- und Nationaltrainer, die sich über den dichten
Terminkalender im internationalen Fußball beschweren. Die Südamerikaner,
meint er, seien auch deshalb taktisch so diszipliniert und aufeinander
abgestimmt, weil sie 18 Spiele in der Qualifikation zu spielen hatten,
während die Europäer nur zehn Mal antreten mussten.
Auch Sven-Göran Erikson, der ehemalige englische Nationaltrainer, der mit
der Auswahl der Elfenbeinküste bei diesem Turnier früh gescheitert ist, ist
erstaunt über die starken Auftritte der Südamerikaner. Auch er erklärt das
mit der harten Qualifikation. Früher seinen die Teams oft ohne besondere
Vorbereitung in die Spiele in großer Höhe gegangen.
"Die Vorbereitung ist inzwischen viel professioneller geworden, beinahe
wissenschaftlich", sagt er. Die Höhenunterschiede in Südafrika, wo ein
Spiel auf Meereshöhe stattfindet und das nächste in einer Höhe von 1.500
Metern, seien im Vergleich dazu beinahe "lächerlich". Dass Argentinien in
der Quali gegen Bolivien in La Paz auf 3.600 Meter Höhe mit 1:6 verloren
hat, wäre demnach so etwas wie die Ausnahme von der Regel.
Stolz präsentiert sich in diesen Tagen der südamerikanische Fußball. Die
Pressevertreter aus aller Welt wurden vom Kontinentalverband Conmebol mit
dicken Bildbänden beschenkt, in denen die fußballerischen Erfolge des
Kontinents gefeiert werden. Nicolaz Leoz, der Präsident von Conmebol,
fordert nun fünf feste Qualifikationsplätze für Südamerika.
Bis jetzt sind es nur viereinhalb. Der Fünfte der Südamerika-Qualifkation
musste sich in der Relegation gegen einen Vertreter aus Nord- und
Mittelamerika für die WM qualifizieren. Uruguay musste diesen Umweg gehen
und Costa Rica aus dem Weg räumen. Daran erinnert man sich im Team gar
nicht mehr gerne.
Diego Forlán, Uruguays Starstürmer findet seinen Kontinentalverband
jedenfalls unterrepräsentiert bei der Fifa-WM. "Mindestens fünf"
Mannschaften aus Südamerikas fordert er für die nächsten
Weltmeisterschaften. "Wir sind es doch, die die europäischen Ligen so stark
machen", sagt er.
In der Tat stehen auch in den Kadern der kleineren südamerikanischen Teams
immer mehr Spieler, die in Europa unter Vertrag stehen. 12 der 23 Spieler,
die der argentinische Trainer der chilenischen Nationalmannschaft, Marcelo
Bielsa, für die WM nominiert hat, spielen in Europa. Uruguay bietet 15
Europäer auf, Paraguay immerhin neun. Auch Carlos Dunga, Brasiliens
Trainer, hat das registriert. "Die großen Namen haben schon lange nicht
mehr automatisch auch die großen Mannschaften."
Das Ausschwärmen der besten Spieler nach Europa befreit die Spieler aus
Südamerika zudem von den notorisch schwierigen Verhältnissen in den
Heimatligen. Der Streit um die Vergabe der TV-Rechte hätte in Argentinien
und Uruguay beinahe zur Absage der gesamten Saison geführt. In Argentinien
sorgte am Ende der Staat dafür, dass die Liga dann doch im Fernsehen
gezeigt wurde. Die wichtigsten Spieler der Nationalmannschaften blieben
unberührt von solchen Diskussionen. Sie gingen ihrer Arbeit ja in Europa
nach. Dort verdienen sie so gut, dass auch die früher immer so peinlichen
Prämienstreitigkeiten ausblieben.
Auch Leo Beenhakker führt den südamerikanischen Sweep auf die
Europäisierung der Mannschaften zurück. "Die Spieler kommen taktisch gut
ausgebildet zu den Nationalmannschaften", sagt er. So gebe es immer mehr
Spieler, die mit dem sicheren Wissen um die eigene Stärke zur WM fahren als
früher.
Das sei auch, so Beenhakker, der Grund dafür, warum Mannschaften wie Chile,
Paraguay oder Uruguay sich nicht mehr einmauern, sondern auch mal drei
Stürmer aufs Feld schicken. Sie stürmen, weil sie sich stark fühlen.
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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