# taz.de -- Sinkende Impfbereitschaft: Den Stoff in der Kneipe
       
       > Die Zahl der täglichen Impfungen in Deutschland geht zurück. Doch nur mit
       > einer hohen Geimpftenquote ist ein guter Schutz gegen die Delta-Variante
       > zu erreichen.
       
 (IMG) Bild: Überall sollte geimpft werden, z.B. in Kneipen, wie hier bei einem Pilotprojekt in Berlin Ende Mai
       
       Die Delta-Variante grassiert, die Impfstoffmengen steigen, aber die Zahl
       der täglichen [1][Impfungen] geht zurück. Ob es das Gefühl ist, angesichts
       niedriger Inzidenzen nicht mehr bedroht zu sein, oder ob es sich um ein
       urlaubsbedingtes Impf-Sommerloch handelt, ist offen. Fest steht: Die
       Impfbereitschaft in der bundesdeutschen Bevölkerung lässt nach. Das ist
       beunruhigend.
       
       Wenn das Tempo der deutschen Impfkampagne nicht wieder an Fahrt gewinnt,
       dürfte die Pandemie noch lange dauern. So forderte Jens Spahn, es müsse
       „[2][ein Impfruck durch Deutschland gehen]“. Das ist richtig. Doch dafür
       braucht es ein viel niedrigschwelligeres Impfangebot.
       
       Das [3][Robert Koch-Institut] hat kürzlich das Ziel für einen guten Schutz
       vor einer neuen Welle nach oben korrigiert. Während bisher von einer Quote
       zwischen 70 bis 80 Prozent die Rede war, müssen der neuen Einschätzung
       zufolge 90 Prozent der über 60-Jährigen und 85 Prozent der 12- bis
       59-Jährigen geimpft sein. Gerade bei den Jüngeren zwischen 18 und 59 Jahren
       sind es bisher aber nur gut 55 Prozent.
       
       Eine verstärkte und gezieltere Öffentlichkeitsarbeit, wie sie einige
       Bundesländer planen, ist sicherlich wichtig, kann aber nicht die einzige
       Strategie sein. Das Impfen muss einfacher werden, gerade wenn mehr
       Impfstoff verfügbar ist. Statt einen Termin machen zu müssen, sollte man
       sich [4][spontan impfen lassen] können. Statt zu einem Impfzentrum fahren
       oder einen Arzt aufsuchen zu müssen, sollte überall geimpft werden: in
       Fußballstadien oder bei Demos, in Einkaufsstraßen und Bahnhöfen, vor Clubs
       und Kneipen.
       
       Die Devise: Wenn die Menschen nicht zur Impfung kommen, kommt die Impfung
       zu den Menschen. Auf diese Art wird man vor allem die Jüngeren erreichen,
       die sich aus Trägheit nicht haben impfen lassen, weil der Urlaub
       verlockender oder die Sorge um Nebenwirkungen zu nervig ist. Einen Impfruck
       kann es jedenfalls nur geben, wenn das Impfen noch leichter wird – überall.
       
       8 Jul 2021
       
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