# taz.de -- „Sex Education“ und „Goop Lab“: Vulva – was war das nochmal?
       
       > Immer mehr TV-Serien beschäftigen sich mit weiblicher Sexualität. Doch
       > den Unterschied zwischen Vagina und Vulva scheinen sie nicht zu kennen.
       
 (IMG) Bild: Auf dem Bild hinter Jean (G. Anderson) ist übrigens keine Vulva zu sehen, sondern ein Maiskolben
       
       Die [1][Netflix-Serie „Sex Education“] ist die, die man sich als
       Teenager*in gewünscht hätte. Mit sympathischen Charakteren und viel Humor
       behandelt sie Themen wie Selbstbestimmung, Liebe, Coming-out und – wie der
       Titel verrät – sexuelle Aufklärung.
       
       Im Mittelpunkt stehen der Schüler Otis Milburn (Asa Butterfield) und seine
       Mutter, die Sexualtherapeutin Jean (Gillian Anderson). Viele Themen, die
       ansonsten in Film und Fernsehen ausgespart werden, finden hier ihren Platz.
       Sei es Vaginismus, Fetische oder Geschlechtskrankheiten.
       
       Gerade deswegen ist es enttäuschend, dass in der gerade erschienen zweiten
       Staffel weibliche Geschlechtsteile falsch benannt werden. In einer ihrer
       Seminare spricht Sextherapeutin Jean über die „Lustpunkte innerhalb der
       Vagina“ – nur um kurz darauf über den „Hauptlustpunkt, die Klitoris“ zu
       referieren. Problem ist nur: [2][Die Klitoris ist kein Teil der Vagina,
       sondern der Vulva].
       
       Ein Fehler, der nicht nur in der Popkultur, sondern auch im allgemeinen
       Sprachgebrauch oft vorkommt. Häufig werden die Begriffe synonym gebraucht –
       viele Männer, aber auch Frauen, können weibliche Geschlechtsteile nicht
       richtig benennen. Doch ohne die richtige Bezeichnung kann eine
       Auseinandersetzung mit dem Organ nicht stattfinden. Dabei ist es nach
       jahrhundertelangem Ignorieren der weiblichen Sexualität wichtig, es ins
       weibliche Selbstbild zu integrieren.
       
       Auch [3][US-Schauspielerin Gwyneth Paltrow] hat nicht sonderlich viel
       Ahnung von dem „da unten“, also der weiblichen Anatomie. In einer Folge
       ihrer neuen Netflix-Dokuserie „The Goop Lab“ (einer neoliberalen
       Selbstoptimierungsendung, die nur dafür da ist, um für Paltrows Firma
       „Goop“ zu werben) erzählt Paltrow lang und breit über die Vagina. Das
       Problem: Sie meint eigentlich die Vulva.
       
       Schließlich wird sie von Betty Dodson, einer 90-jährigen Feministin, die
       seit Jahrzehnten Workshops über weibliches Masturbieren gibt, unterbrochen:
       „Die Vagina ist nur der Geburtskanal. Wenn du über die Vulva sprechen
       willst – das sind die Klitoris, die inneren Schamlippen und der ganze gute
       Scheiß drumrum.“ So einfach ist das nämlich. Spätestens im Jahr 2020
       sollten nicht nur Netflix-Serien, sondern auch die Gesellschaft in der Lage
       sein, die Dinge beim Namen zu nennen.
       
       10 Feb 2020
       
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