# taz.de -- Rücktritt nach versuchter Beeinflussung: Politiker faken Leserbriefe
       
       > Grünen-Politiker in Schleswig-Holstein schrieben unter falschem Namen an
       > die „Kieler Nachrichten“. Nun sind sie zurückgetreten.
       
 (IMG) Bild: Der Bürger von nebenan? Oder doch ein Lokalpolitiker unter Vorspiegelung falscher Tatsachen?
       
       Rendsburg taz | Das Freibad, Baumfällaktionen am Flüsschen Schwentine, die
       WLAN-Abdeckung im Ort: Lauter Themen, zu denen Bernd Seiler und Walter
       Stängel Leserbriefe an die Kieler Nachrichten und ihrer Online-Ausgabe
       schickten.
       
       Fünf Briefe der beiden offenbar so engagierten Einwohner der Kleinstadt
       Schwentinental, die dicht bei Kiel liegt, hat die Zeitung zwischen Mai 2018
       und Juli 2109 abgedruckt. Nun ergab eine [1][Recherche der Lokalredaktion]:
       Hinter „Bernd Seiler“ und „Walter Stängel“ stecken zwei hochrangige
       Lokalpolitiker der Grünen. Am Mittwochnachmittag verkündeten beide ihren
       Rücktritt.
       
       „Uns ist mit Erschrecken klargeworden, dass wir im Moment der Täuschung und
       Intransparenz selber zu etwas wurden, was wir niemals sein wollten und bei
       anderen kritisiert hatten“, schreiben sie in einer [2][Erklärung auf der
       Homepage der Grünen].
       
       Mihlan war seit 2018 Bürgervorsteher des Ortes. In dieser Funktion leitete
       er die Sitzungen des Stadtrates und übernahm in Absprache mit dem
       hauptamtlichen Bürgermeister repräsentative Termine für den Ort. Müller war
       Fraktionsvorsitzender der Grünen, die aktuell mit acht Personen
       [3][stärkste politische Kraft in der 13.000-Einwohner*innen-Stadt] sind.
       Beide behalten ihre Kreistagsmandate und bleiben in der Grünen-Fraktion.
       
       ## Identität verschleiert
       
       „Unsere Absicht war, Vorgänge und Themen in unserer Stadt auf zusätzlichem
       Wege nochmals in der Öffentlichkeit zu beleuchten“, heißt es in der
       Erklärung weiter. Demnach hätten beide „unabhängig voneinander“ die
       Leserbriefe geschrieben.
       
       In den Schreiben gaben sie sich große Mühe, ihre wahre Identität zu
       verschleiern: „Ich bin gerne auch mal offline, wenn ich zum Beispiel mit
       meinen Enkeln im Tiergarten spazieren gehe“, heißt es in einem der
       [4][gefakten Briefe] – das klingt nach einem gemütlichen Rentner, nicht
       nach dem 38-jährigen Mihlan oder dem Mittfünfziger Müller.
       
       Mihlan und Müller hätten „großen Schaden angerichtet“, sagt Volker Sindt,
       Fraktionsvorsitzender der örtlichen SPD. „Noch nie ist die politische Moral
       in Schwentinental so tief gesunken.“ Er und Herbert Steenbock von der
       Wählergemeinschaft SWG hatten die beiden Politiker zum Rücktritt
       aufgefordert. „Eine Entschuldigung reicht nicht.“
       
       Mihlan und Müller räumen in ihrer Rücktrittserklärung ein, Schaden
       angerichtet zu haben und entschuldigten sich. Der Kreisvorsitzende Martin
       Drees äußerte Erleichterung.
       
       28 Aug 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.kn-online.de/Lokales/Ploen/Schwentinental-Gruenen-Politiker-schrieben-Leserbriefe-unter-falschem-Namen
 (DIR) [2] https://gruene-schwentinental.com/blog/
 (DIR) [3] https://www.schwentinental.de/politik/die-stadtvertretung/
 (DIR) [4] https://dennismihlan.files.wordpress.com/2019/08/leserbriefe-2.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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