# taz.de -- Reaktion auf Silvesterausschreitungen: „Wenn einschränken, dann jetzt“
       
       > Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel drängt auf ein Böllerverbot und will
       > Anhörungen mit Polizei, Feuerwehr und Krankenhäusern im Abgeordnetenhaus.
       
 (IMG) Bild: Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel drängt zur Eile, um zu Beschränkungen beim Böllern zu kommen
       
       taz: Frau Gebel, Sie sind eine von denen, die seit vielen Jahren ein
       Böllerverbot fordern – bislang vergeblich. Wird jetzt nach den
       erschreckenden Bildern von Silvester etwas draus? 
       
       Silke Gebel: Als ich 2013 das Thema als ganz frische Abgeordnete forciert
       habe, habe ich noch in der Morgenpost die Kopfnote 6 bekommen. Jetzt aber
       sagt sogar die B.Z., dass wir unbedingt ein Böllerverbot brauchen. Da hat
       sich tatsächlich was gedreht. Meine Erfahrung ist aber: Wenn wir das
       Böllern einschränken wollen, dann müssen wir das jetzt im Januar machen.
       
       Die Debatte geht nach den Angriffen auf Feuerwehrleute und Polizisten
       allerdings gerade in die Richtung Jugendgewalt. Droht da das Thema
       Böllerverbot nicht gleich wieder in den Hintergrund zu geraten? 
       
       Es gibt tatsächlich diejenigen, wie zum Beispiel CDU-Chef Kai Wegner, die
       einfach nur das Recht der Stärkeren verteidigen wollen. Frei nach dem
       Motto: Je größer das Geschoss, desto größer die Freiheit. Das machen sie in
       der Verkehrspolitik, das machen sie jetzt eben auch hier beim Böllern an
       Silvester.
       
       Was meinen Sie mit „Recht des Stärkeren“? Wegner fordert, friedlich
       knallende Familien nicht mit einem Böllerverbot für die Aggressivität
       anderer zu bestrafen. 
       
       Schauen Sie doch mal in die Bilanz, die das Unfallkrankenhaus Berlin jetzt
       getwittert hat: Da mussten bei Kindern Gliedmaße, also Finger, amputiert
       werden. Das sind genau die Schwächeren, die wir mit einem Böllerverbot
       schützen wollen. Für die Familien, mit denen Wegner argumentiert, setzen
       wir Grüne uns dafür ein, dass es eben zentrale Feuerwerke gibt, die sich
       die Familien dann auch unbesorgt anschauen können – und alle anderen auch,
       die Spaß an Feuerwerk haben. Vielleicht kann es auch den einen oder anderen
       Abbrennplatz für Knaller geben – aber eben auch weit genug weg von allen
       vulnerablen Gruppen.
       
       Mit dieser Haltung machen Sie sich nicht nur Freunde. 
       
       Es ist doch ganz einfach: Wenn wir keine Böller an Silvester in diesem
       Ausmaße haben, dann gibt es auch einfach nicht diese Ausschreitungen, weil
       es niemanden gibt, der Böller schmeißen kann.
       
       Manche scheinen eher zu meinen, angesichts von Angriffen mit Stangen und
       Steinen auf Feuerwehrleute seien Böller das geringste Problem 
       
       Wir haben ja in den letzten zwei Jahren gesehen, wie friedlich Silvester
       ablaufen kann, wenn es eben nicht diese Unmengen an Böllern gibt. Dann kann
       die Polizei auch viel besser Herrin der Lage sein und Ausschreitungen viel
       besser im Griff behalten.
       
       Was soll aus Ihrer Sicht nun konkret im Abgeordnetenhaus passieren, um
       möglichst schnell zu einem Böllerverbot zu kommen? 
       
       Wir werden jetzt auf jeden Fall Anhörungen auf den Weg bringen und im
       Innenausschuss Polizei und Feuerwehr zu Wort kommen lassen. Gut wäre auch,
       im Gesundheitsausschuss noch mal die Krankenhäuser anzuhören. Wir haben als
       Berlin außerdem eine Bundesratsinitiative, mit der wir ein bundesweites
       Verkaufsverbot von Böllern erreichen wollen. Das wird jetzt forciert werden
       müssen. Da rufe ich auch alle anderen Bundesländer auf, dem zuzustimmen.
       
       Diese Initiative ist ja nicht gerade neu. 
       
       Die haben wir schon 2019 in den Bundesrat eingebracht. Allerdings war es
       bislang schwierig, eine Mehrheit zu bekommen. Aber wenn man sich jetzt mal
       in ganz Deutschland umschaut, dann gibt es ja schon eine erschreckende
       Bilanz, nicht nur in Berlin. Außerdem müssen wir schnell weitere
       Böllerverbotszonen für Silvester 2023 festlegen.
       
       Das klingt so, als ob Sie noch nicht davon ausgehen, dass es bis dahin ein
       bundesweites Böllerverbot gibt. 
       
       Die Erfahrung der Böllerdiskussion lehrt, dass man zweigleisig fahren kann.
       Die FDP hat ja schon gesagt, dass ihr Verständnis von Freiheit ist, dass
       alle Leute wild um sich böllern dürfen. Insofern haben ich wenig Hoffnung,
       dass die Ampelregierung sich zu einem Verkaufsverbot durchringen kann.
       
       3 Jan 2023
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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