# taz.de -- RB Leipzig gewinnt gegen Real Madrid: Wieder Balljäger
       
       > RB Leipzig fügt Real Madrid die erste Saisonniederlage zu. Unter Trainer
       > Rose spielt das Team einen Fußball wie zu seinen besten Zeiten.
       
 (IMG) Bild: Hochgefühle: Timo Werner (r.) freut sich mit seinen Teamkollegen über das vorentscheidende 3:1
       
       In der Schlussphase hatte Mohamed Simakan doch noch einmal die Kraft für
       einen letzten Sprint. Eigentlich schien der junge Franzose schon längst
       ausgepowert zu sein. Doch dieses eine Mal noch zog er an den Gegenspielern
       von Real Madrid vorbei, sah den mitgelaufenen Timo Werner, bediente ihn
       mustergültig, sodass der deutsche Nationalspieler nur noch einschieben
       musste. Der Treffer zum 3:1 ließ das Stadion explodieren und sollte
       entscheidend sein.
       
       „Ich fühle mich müde, aber ich fühle mich sehr, sehr gut“, sagte Simakan
       nach einem Abend in der Champions League, den die rund 45.000 Zuschauer im
       Stadion so schnell nicht vergessen werden. 3:2 (2:0) besiegte RB Leipzig
       den Titelverteidiger Real Madrid. „Ich freue mich für die Fans, für das
       Team. Wir gewinnen zusammen.“ Der Sieg war aus gleich mehreren Gründen
       [1][für den Brauseclub] extrem wichtig: Prestige, Punkte und Prämien.
       
       In den ersten 25 Minuten kamen die Leipziger mit einer Wucht aus der
       Kabine, die Real schier zu überrollen schien. Es war wieder der
       begeisternde Fußball, die nie enden wollende Jagd nach dem Ball, die
       Leipzig vor allem in den frühen Bundesligajahren ausgezeichnet hatte. Josko
       Gvardiol (13.) und Christopher Nkunku (18.) hatten RB früh in Führung
       gebracht. Beide zählen auf ihren Positionen (Innenverteidigung und
       offensives Mittelfeld) zu den begabtesten Spielern Europas.
       
       Diese Form des Spiels war in den vergangenen Jahren etwas verloren
       gegangen. Unter Trainer Domenico Tedesco sollte die Mannschaft mit einer
       Fünferkette in einer Mischung aus Ballbesitz- und Umschaltspielfußball
       agieren. Das führte [2][zum Sieg im DFB-Pokal] und dem ersten Titel in der
       jungen Vereinsgeschichte, mit Beginn der neuen Saison wirkte das Spiel der
       Leipziger aber zu umständlich und kompliziert. Tedesco musste gehen, und es
       folgte der gebürtige Leipziger Marco Rose, der wie kaum ein zweiter Trainer
       die reine RB-Fußballlehre verkörpert: also Balljagd.
       
       ## Sonderlob für Simakan
       
       Real, ersatzgeschwächt angereist, kam erst nach einer halben Stunde in
       Tritt und erzielte durch Vinicius Junior (44.) den Anschluss. In der
       zweiten Halbzeit wirkte es lange so, als könnten die abgezockten Madrilenen
       die Partie noch drehen, ehe Simakan zum letzten Sprint ansetzte. Der
       Treffer zum 3:1 war noch wichtig, denn quasi mit Abpfiff verwandelte
       Rodrygo (90.+3) einen Foulelfmeter.
       
       „In der zweiten Halbzeit haben wir alles wegverteidigt, was es
       wegzuverteidigen gab“, sagte ein stolzer Marco Rose nach der Partie, der
       von seiner Mannschaft ein „sehr gutes Spiel“ gesehen hatte. Sonderlob gab
       es auch vom Trainer für die Leistung von Simakan. „Ich weiß, dass er es
       nicht mag, Rechtsverteidiger zu spielen. Aber er spielt es mit
       hundertprozentiger Überzeugung für die Mannschaft“, sagte Rose über seinen
       Innenverteidiger. „Ein Riesenjunge. Eher ein introvertierter Typ, aber wer
       ihn lachen hört … Da geht dir das Herz auf.“
       
       Mit einem Unentschieden kommende Woche gegen Schachtar Donezk würde RB das
       anvisierte Achtelfinale erreichen. Eine Ausgangslage, die nach dem
       schwachen Saisonstart kaum möglich schien. „Wir sind jetzt acht Spiele
       ungeschlagen und machen es als Mannschaft gut“, zeigte sich Routinier Emil
       Forsberg optimistisch. Das Hinspiel gegen die Ukrainer ging noch 1:4
       verloren und kostete Tedesco den Job.
       
       Die horrenden Einnahmen aus der Champions League sind für den Club heute
       schon wichtig und könnten noch wichtiger werden. Nach [3][dem Tod des
       Red-Bull-Gründers Dietrich Mateschitz] ist offen, wie es mit den
       Sponsoring-Ausgaben des Brauseherstellers weitergeht. Wird in Leipzig
       gekürzt?
       
       Medienberichten zufolge sind die Sponsoringverträge langfristig ausgelegt,
       doch laut Bild-Zeitung wollen die thailändischen Mehrheitseigner
       langfristig den Rotstift ansetzen. Dann wäre RB noch mehr darauf
       angewiesen, junge Talente zu fördern und teuer zu verkaufen. Wie die
       Leipziger Fans zum bisherigen Engagement von Red Bull stehen, zeigten sie
       am Dienstagabend deutlich. Bei einer Gedenkminute für Mateschitz gab es
       lauten und lang anhaltenden Applaus. Viele RB-Anhänger sind froh, in ihrer
       Stadt wieder Weltklassefußball erleben zu können.
       
       26 Oct 2022
       
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