# taz.de -- Protest gegen Abholzung: Fecher wird geräumt
       
       > In Frankfurt am Main sollen Hunderte Bäume für zwei Autobahnkilometer
       > fallen. KlimaaktivistInnen protestieren.
       
 (IMG) Bild: Für Fechi: AktivistInnen protestieren in den Bäumen
       
       Frankfurt am Main taz | Gegen 5 Uhr setzten sich erste Bagger und schweres
       Gerät in Bewegung. Unter Polizeischutz räumten Waldarbeiter Barrikaden aus
       der Zufahrt zum [1][Fechenheimer Wald]. Damit begann am Mittwoch im
       Frankfurter Osten der seit Langem erwartete Großeinsatz. Mit den
       Einsatzkräften rückten auch SEK-BeamtInnen und „Höheninterventionsteams“
       an. In den kommenden Tagen sollen in einem Teilstück des „Fechers“ Hunderte
       Bäume fallen, darunter mächtige Eichen.
       
       Mehr als ein Jahr lang hatten Umwelt- und KlimaaktivistInnen hier ein
       Dutzend Baumhäuser und Plateaus [2][in großer Höhe besetzt]. Die Polizei
       forderte nun per Megafon, den Wald freiwillig zu räumen. Seit einer Woche
       gibt es bereits ein Betretungsverbot. Die ersten Baumhäuser fielen schon am
       Vormittag. Ihre BewohnerInnen wurden abgeseilt und aus dem Wald getragen.
       Einzelne „Aktivisti“ kletterten in die Baumwipfel, um die Räumung zu
       verzögern.
       
       Nach Abschluss der Bauarbeiten soll hier die Autobahn A 661 vierspurig
       durch den umstrittenen Riederwaldtunnel an die A66 Richtung Fulda
       angebunden werden. Die Autobahn GmbH will nun zunächst Platz für eine
       Baustraße schaffen. Für den Nachmittag war eine Demonstration auf dem
       Gelände angemeldet.
       
       Seit Tagen hatte das Aktionsbündnis Fecher bleibt! den „Tag X“ vorbereitet.
       Auch der streng geschützte Große Heldbockkäfer, der im vergangenen Jahr in
       dem ehemaligen Auenwald entdeckt worden war, hatte nur für ein paar Tage
       Aufschub sorgen können. Mit Eilanträgen vor den Verwaltungsgerichten
       wollten Umweltverbände und Einzelpersonen die Rodung in letzter Minute
       stoppen.
       
       ## Heldbockkäfer und Eichen sind gefährdet
       
       Ein Baumbesetzer klagte auf Zugang zu seinem Baumhaus, weil sich dort sein
       Hab und Gut befände. Der Verband NaturFreunde Deutschland legte ein
       weiteres Gutachten zum streng geschützten Bestand des Eichenheldbockkäfers
       vor. Nicht nur die mächtigen Eichen, die zunächst stehen bleiben sollen,
       seien für das Überleben des Käfers entscheidend; auch die Rodung kleiner
       Eichen und Buchen gefährde den Bestand, argumentierten die ExpertInnen.
       Doch der hessische Verwaltungsgerichtshof wies die Eilanträge allesamt
       zurück.
       
       Die Landtagsfraktion der [3][Grünen verteidigte] am Mittwoch erneut die
       Rodung des Waldes. Grundsätzlich sei man zwar gegen den Neubau von
       Autobahnen, der Rechtsweg sei aber ausgeschöpft. Kein Gewinnerthema: Im
       Laufe des Tages fanden sich einige FrankfurterInnen am Fecher ein, um den
       GegendemonstrantInnen den Rücken zu stärken. Oder den BeamtInnen – so
       Ministerpräsident Boris Rhein und Landesinnenminister Peter Beuth, beide
       CDU. Rhein nannte den Einsatz „politisch aufgeheizt“, für die „Durchsetzung
       der demokratischen Grundordnung“ jedoch zwingend notwendig. Er lobte die
       insgesamt besonnene und friedliche Auseinandersetzung.
       
       Die Kampagne Fecher bleibt – keine A66! kritisierte dagegen die
       Durchsetzung „einer völlig überholten Bauplanung aus dem vergangenen
       Jahrhundert“. Der Einsatz richte sich gegen engagierte junge Menschen,
       gegen zahlreiche Gruppierungen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung, die
       sich um Artenvielfalt, Klima, Mobilitätswende und um die Lebensqualität
       sorgten, erklärte Simone Kühn vom Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn
       (AUA).
       
       Harry Unger vom Bündnis Wald statt Asphalt nannte die Baustraße
       überflüssig. „Der Baustellenverkehr könnte über die Borsigallee abgewickelt
       werden. Der Wald verliert durch diese Schneisen jedoch seinen ökologischen
       Wert als Erholungsraum, als Lebensraum und als ‚Klimaanlage‘.“
       
       Alexis Passadakis von Attac Frankfurt nannte die Kosten für zwei Kilometer
       Autobahn unverhältnismäßig. „Mit über 270.000 Euro pro Meter Asphaltfläche
       und Tunnel ist dieses Autobahnprojekt schon jetzt das teuerste in ganz
       Deutschland“, so Passadakis. „Die Klimaschädlichkeit dieses Vorhabens steht
       allen nur allzu deutlich vor Augen. Die Pariser Klimaschutzziele werden mit
       Füßen getreten“, bilanziert das Bündnis.
       
       19 Jan 2023
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://frankfurt.de/themen/umwelt-und-gruen/orte/wald/waelder/fechenheimer-wald
 (DIR) [2] /Proteste-gegen-Autobahnbau-in-Frankfurt/!5904817
 (DIR) [3] /Die-Gruenen-und-der-Luetzerath-Protest/!5905434
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christoph Schmidt-Lunau
       
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