# taz.de -- das wird: „Präsenz, Stärke und Wildheit“
       
       > Die Choreografin Yolanda Morales untersucht mit Tanz die Macht und
       > Symbolik von Pferden in Mexiko
       
       Interview Katrin Ullmann
       
       taz: Frau Morales, mögen Sie Pferde? 
       
       Yolanda Morales: Ja, sehr! Aber ich habe keine Erfahrung im direkten Umgang
       mit diesen Tieren.
       
       Sie reiten nicht … 
       
       Ich kann nicht reiten. Ich bin in einem urbanen Umfeld aufgewachsen, dort
       gab es keine Pferde, als Nutztiere auf dem Land gibt es in Mexico auch
       keine Pferde mehr. Reiten war und ist ein Sport für eine kleine Elite. Auch
       die berühmte „Charreria“ – die „traditionelle Reit- und Cowboykunst
       Mexikos“ – die in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco
       aufgenommen wurde, ist mir fremd, da sie auf dem Land und dort auch nur von
       einer finanziell gut aufgestellten Elite, das heißt von wenigen „Reichen“
       praktiziert wird. Ich gehöre nicht zu dieser Klasse und zu diesem Milieu.
       
       Die ersten Pferde, die in Mexiko ankamen, wurden von den Spaniern während
       der Eroberung im 16. Jahrhundert mitgebracht. Die Tiere mit den Reitern
       versetzten die indigene Bevölkerung in Angst und Schrecken. Wie kamen Sie
       auf das Thema für Ihr Stück? 
       
       Ich sympathisiere sehr mit den aktuellen lateinamerikanischen
       Protestbewegungen, die die patriarchalische, koloniale Gesellschaftsordnung
       benennen und verändern wollen, wie zum Beispiel der Yeguada
       Latinoamericana. Das ist für mich erst mal eine politische
       Auseinandersetzung. Es geht mir um eine Dekonstruktion der Bilder, von
       patriarchalen Bildern der Macht. Choreografie und Tanz ist meine Sprache,
       eine Sprache der Körper, der anderen Körper, die andere Bilder erzeugen
       können.
       
       Was ist daran für eine Zuschauer*in interessant, der die Geschichte
       Mexikos nicht vertraut ist? 
       
       Im historischen Kanon Lateinamerikas ist das „Ankommen“ der
       „conquistadores“ auf ihren Pferden von vielen Geschichten und Mythen
       umzingelt. Für uns sind in dieser Arbeit diese Mythen nur eine Referenz, um
       unsere Gegenwart zu verstehen. Wir kehren nicht zurück, um eine Geschichte,
       die uns nicht gehört, zu erzählen, sondern entwickeln eine eigene
       Perspektive auf die Vergangenheit. Wir „erklären“ aber dem Publikum unsere
       Kontexte nicht, sondern kreieren durch die performative Gesamtsituation
       assoziative Bilder und Stimmungen.
       
       Was macht das Pferd für den Tanz interessant? 
       
       Das „Pferd“ steht symbolisch für vieles, was für den Tanz interessant ist.
       Vor allem die physische Präsenz, die Stärke, die Wildheit, die mit diesen
       Tieren assoziiert wird. Aber gleichzeitig auch Kontrolle, Disziplin und
       Domestizierung.
       
       In Ihrer Arbeit geht es auch um „den Versuch einer alternativen
       feministischen Erzählung, in der mit Hilfe der schillernden Symbolik der
       Pferde, stetig oszillierende, sich verändernde Perspektiven eingenommen
       werden“. Wie kann man sich das vorstellen? 
       
       Wir setzen auf choreografische, musikalische und den Raum bespielende
       Impulse, die mit Transformation und Empowerment zu tun haben. Und auf die
       Freude, die wir empfinden, wenn wir, trotz der Widrigkeiten an diesem Ort,
       Momente der Gemeinschaft herstellen.
       
       22 Oct 2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katrin Ullmann
       
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