# taz.de -- Nato-Gipfel in Bukarest: Bündnis will langsamer wachsen
       
       > Zu Beitrittsgesprächen will die Nato zunächst nur Kroatien und Albanien
       > einladen. Frankreich kündigt an, weitere Soldaten nach Afghanistan zu
       > schicken.
       
 (IMG) Bild: Will weitere Truppen für den Afghanistan-Einsatz stellen: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (l.) mit seinem Außenminister Bernard Kouchner.
       
       BUKAREST ap/rtr Die Nato hat ihr Erweiterungstempo beim Gipfel in Bukarest
       deutlich gebremst. Am Donnerstag sollten lediglich Kroatien und Albanien zu
       Beitrittsgesprächen eingeladen werden. Mazedonien muss zunächst den
       Namensstreit mit Griechenland lösen, bevor es zu den anderen beiden
       Balkan-Staaten aufschließen kann. Außerdem rangen die Nato-Chefs um eine
       Formulierung, wie der Ukraine und Georgien eine Beitrittsperspektive
       eröffnet werden kann. Eine Aufnahme in das offizielle Anwartschaftsprogramm
       gibt es voraussichtlich nicht.
       
       Gleichwohl erklärte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer zur
       Eröffnung der Sitzung am Donnerstag: "Wir werden sicherstellen, dass die
       Nato-Familie weiter wächst." Europa müsse geeint und sicher sein.
       
       Die ursprünglich ebenfalls geplante Einladung an Mazedonien zur Aufnahme
       von Beitrittsgesprächen scheiterte am Mittwochabend am Veto Griechenlands.
       Die Regierung in Athen bekräftigte ihre Forderung, dass die frühere
       jugoslawische Republik auf die Bezeichnung Mazedonien im Staatsnamen
       verzichtet. Griechenland befürchtet territoriale Ansprüche der Nachbarn auf
       die nordgriechische Region Makedonien.
       
       Auf die von US-Präsident George W. Bush geforderte Aufnahme der beiden
       ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien und Ukraine in das
       Nato-Anwartschaftsprogramm konnten sich die Gipfelteilnehmer am
       Mittwochabend nicht einigen. Dagegen hatte sich unter anderem
       Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgesprochen. Sie hält den Zeitpunkt für
       verfrüht. Aus deutschen Regierungskreisen verlautete am Donnerstag, die
       Diskussion dazu sei recht einvernehmlich verlaufen.
       
       Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, sagte in einem
       Radio-Interview, Moskau könnte eine Aufnahme dieser Länder als Provokation
       verstehen. Das wäre keine kluge Politik: "Es hat genug Spannungen mit
       Moskau gegeben, beispielsweise beim Thema Raketenabwehr. Jetzt haben wir
       dort auch noch eine schwierige Lage durch den Machtwechsel."
       
       Die Nato-Staaten näherten sich am Mittwochabend auch einer Einigung über
       ein Abwehrsystem gegen Kurzstreckenraketen. Ein Sprecher erklärte, das
       System solle den von den USA entwickelten strategischen Raketenschild
       ergänzen, der in Polen und Tschechien stationiert werden soll.
       
       Am Nachmittag stand die weitere Militärstrategie für Afghanistan auf der
       Tagesordnung. Daran sollten alle 40 Truppenstellerstaaten teilnehmen sowie
       UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der afghanische Präsident Hamid Karsai
       sowie EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso. Der französische Präsident
       Nicolas Sarkozy kündigte am Mittwochabend die Entsendung von mehreren
       hundert zusätzlichen Soldaten nach Afghanistan an. Frankreich hat derzeit
       etwa 1500 Soldaten in der Hauptstadt Kabul stationiert.
       
       Nach Angaben des Bündnisses sollen die Soldaten im Osten des Landes
       stationiert werden. Damit können US-Truppen von dort abgezogen und zur
       Verstärkung der Kanadier in Kandahar im umkämpften Süden Afghanistans
       eingesetzt werden.
       
       Im Gespräch ist ein französisches Bataillon, was normalerweise eine
       Truppenstärke von 700 bis 800 Soldaten umfasst. Kanada hatte damit gedroht,
       seine Truppen komplett abzuziehen, falls es keine Verstärkung erhalte. Die
       Zahl der zusätzlichen Soldaten werde nun aber ausreichen, damit Kanada
       seinen Einsatz fortsetze, sagte ein Nato-Sprecher in der Nacht zum
       Donnerstag. Neben Frankreich hätten auch einige andere Staaten angedeutet,
       dass sie ihre Truppen am Hindukusch aufstocken könnten.
       
       3 Apr 2008
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Streit um den Namen Mazedoniens: Griechenland droht mit Nato-Veto
       
       Athen verlangt von der exjugoslawischen Republik Mazedonien, ihren Namen zu
       ändern. Denn ein Teil Griechenlands heisst genauso.
       
 (DIR) Beitritt von Georgien und Ukaine: Bush will Nato vor Russlands Haustür
       
       Der Streit über die Osterweiterung beherrscht das Nato-Treffen in Bukarest.
       Die Europäer, allen voran Deutschland, verlangen von den USA mehr Rücksicht
       auf russische Interessen.