# taz.de -- Nachruf Kabarettist Heinrich Pachl: Schnell und unbarmherzig
       
       > Heinrich Pachl war mehr als ein Kabarettist. Wortreich mischte er auf der
       > politischen Bühne mit und konnte brillante Ideen aus dem Ärmel zaubern.
       
 (IMG) Bild: Heinrich Pachl 2007 in einer Bar
       
       Seit Mitte der achtziger Jahre kenne ich Heinrich Pachl. Ich traf ihn das
       erste Mal auf irgendeiner politischen Versammlung, auf der er sich
       lautstark zu Wort meldete. Als sich die taz im Jahr 2000 entschloss, eine
       eigene Ausgabe für Köln herauszugeben, war es für uns keine Frage, dass wir
       ihn als Kolumnisten gewinnen wollten. Es war ein kurzer Anruf, und ich
       hatte seine Zusage. Auch nach dem von ihm bitter beklagten Ende der Kölner
       Seiten ein paar Jahre später blieb er der taz mit großer Sympathie
       verbunden.
       
       Obwohl nicht groß gewachsen, war der 1943 im baden-württembergischen
       Nordach geborene „Agent für vertrauenstörende Maßnahmen“ weder zu übersehen
       noch zu überhören. Wenn sich irgendetwas in der Domstadt bewegte, war
       Heinrich Pachl stets nicht weit. In Köln kam man einfach nicht an ihm
       vorbei. Immer wenn es gegen die Mächtigen in Politik und Gesellschaft, wenn
       es gegen den „kölschen Klüngel“ ging, mischte er sich wortreich ein.
       
       Was in seiner Wahlheimatstadt schieflief, dass wusste er immer als einer
       der Ersten. Der Begriff „Kabarettist“ umschreibt sein Berufsbild denn auch
       nur höchst unzureichend. Dafür war Heinrich Pachl viel zu engagiert – als
       Regisseur, Schauspieler, Filmemacher, Theaterautor oder Journalist und
       nicht zuletzt als politischer Aktivist. Am Anfang von Heinrich Pachls
       kabarettistischer Laufbahn steht Polit- und Straßentheater. Bekannt wird er
       in den siebziger Jahren mit der Theatertruppe „Der wahre Anton“.
       
       ## Gegen „kölschen Klüngel“
       
       Ab 1979 tritt er zusammen mit Richard Rogler im Duo auf. Für ihr Programm
       „Absahnierung“ erhalten sie 1982 den Deutschen Kleinkunstpreis. Später
       tourt Pachl mit Matthias Beltz und dann mit Arnulf Rating über Deutschlands
       Kleinkunstbühnen, dann folgen die legendären „Reichspolterabend“-Auftritte
       – fünf scharfzüngige Weltverbesserer, die die Chronik des laufenden
       Schwachsinns fortschrieben.
       
       Daneben war Heinrich Pachl auch als Filmemacher aktiv. Für seinen Film
       „homo blech“ erhielt er 1986 den Adolf-Grimme-Preis. Auch als Schauspieler
       stand er vor der Kamera – etwa 2007 in dem Zweiteiler „Teufelsbraten“. Er
       schrieb Bücher, Kolumnen, Features und erfolgreiche Theaterstücke wie „Köln
       ist Kasse“, eine Realsatire auf den Kölner Klüngel.
       
       Nebenbei gehörte er zu den Gründern des Dachverbands der Kritischen
       Aktionäre und trat auf Hauptversammlungen als scharfer Kritiker von
       Großkonzernen auf.
       
       ## „Das überleben wir“
       
       Mit „Nicht zu fassen“ startete Pachl 1994 seine Karriere als
       Solokabarettist. Es war beeindruckend, wie er von dem einen auf den anderen
       Moment brillante Ideen aus dem Ärmel schüttelte. Er liebte es, ohne Punkt
       und Komma zu sprechen, so dass das Publikum kaum mitkommen konnte. Und doch
       verlor Pachl dabei nicht den roten Faden aus dem Auge. Was er sagte, hatte
       Hand und Fuß, war ebenso komisch wie intelligent – und schien bis ins
       letzte Detail durchdacht.
       
       Dabei war manches spontaner, als sein Publikum merken konnte: Als ich für
       die taz über einen Korruptionsprozess berichtete, bat er mich morgens, ihm
       abends eine Zusammenfassung des Prozesstages in seine Garderobe in der
       Comedia Colonia zu bringen. Aus meinen Aufzeichnungen machte er dann in der
       Vorstellung eine kleine Nummer – so als wäre sie schon immer im Programm
       gewesen.
       
       Sein letztes Soloprogramm, das im April 2011 Premiere feierte, hatte den
       Titel „Das überleben wir!“. Es war leider nur ein Wunsch. Seinen letzten
       Kampf hat Heinrich Pachl verloren: Das Krebsleiden, an dem er vor rund zehn
       Jahren erkrankt war, brach wieder aus. Schnell und unbarmherzig. Im Alter
       von 68 Jahren ist Heinrich Pachl in der Nacht zum Sonntag gestorben. Köln
       ist um eine kritische und warmherzige Stimme ärmer.
       
       Er wird uns fehlen.
       
       23 Apr 2012
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pascal Beucker
       
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