# taz.de -- Sarah Wiener Die Zutat: Mit Pinienkernen vom Sommer träumen
       
       Keine Ahnung, wie es euch geht, aber mir ist dieser Winter zu lang
       geworden. Jetzt, wo endlich wieder ein paar warme Sonnenstrahlen
       hereinblinzeln, nutze ich jede Gelegenheit, um die Fenster aufzureißen, mir
       ein Lüftchen um die Nase wehen zu lassen – und vom Sommer zu träumen. Zum
       Glück gibt es ein paar herrliche Zutaten, mit denen man sich eine Prise
       mediterranen Gefühls schnell ins Zimmer holen kann. Wie die vielseitigen
       Pinienkerne, die neben einem nussig-harzigen Geschmack auch ein ganz
       besonderes Bissgefühl haben.
       
       Allerdings sind Pinienkerne, vor allem die italienischen, ein teurer
       Knabberspaß. Das liegt daran, dass sie traditionell per Hand geerntet
       werden. Um an die kostbaren Zapfen heranzukommen, müssen bis zu zwanzig
       Meter hohe Bäume erklommen werden, die nur alle drei Jahre Früchte in ihren
       Kronen tragen. Die geernteten Pinienzapfen werden getrocknet, so dass die
       länglichen, hellen Samen herausbröseln.
       
       Die Mühe lohnt sich: Pinienkerne enthalten hochwertige ungesättigte
       Fettsäuren, die das Herz-Kreislauf-System unterstützen, sowie Vitamin E –
       und das bringt das Immunsystem so richtig in Schwung! Haltbar sind
       Pinienkerne allerdings nur ein paar Monate. Was einen so hohen Fettgehalt
       hat, wird eben auch schnell ranzig.
       
       Der Rezeptklassiker für diese Zutat ist sicher ein frisches Pesto Genovese,
       das durch sie erst seinen typischen Geschmack entwickelt. Ich benutze
       geröstete Pinienkerne aber auch gern, um Salate aufzupeppen. Mit Rucola,
       etwas Lavendel und Ziegenkäse ergeben sie zum Beispiel ganz wunderbare
       Kombinationen. Oder ich riesele die Kerne über ein (Petersilien-)Risotto
       für ein besseres Bissgefühl.
       
       Am liebsten verfeinere ich aber Süßspeisen damit. Wer kann schon süßen
       Quiches, Galettes und Tartes widerstehen – oder meinen Pignoli-Kipferl?
       Dafür reibe ich 100 g abgezogene Mandeln fein und mahle die Samenkörner von
       drei Kardamonkapseln im Mörser zu einem feinen Pulver. Auch 50 g
       Pinienkerne und 100 g Rohmarzipan werden sorgfältig zerkleinert. Dann
       verschlage ich drei Eiweiß über einem heißen Wasserbad mit 150 g Zucker und
       dem Marzipan. Dazu kommen die geriebenen Mandeln, der Kardamom und die
       Pinienkerne. Schließlich schmecke ich den Teig noch mit der abgeriebenen
       Schale einer halben Bioorange und einem halben Teelöffel Ceylonzimt ab.
       
       Die Nussmasse fülle ich in einen Spritzbeutel, bis zu 50 kleine Bögen
       sollten sich ausgehen. Wer mag, kann die Kekse noch mit den restlichen
       Pinienkernen bestreuen, damit sie noch mehr Struktur bekommen. Dann im auf
       190 Grad vorgeheizten Ofen eine Viertelstunde backen und ja nicht aus den
       Augen lassen – denn sobald der Teig hellbraune Ränder bekommen hat, sind
       die Kekse auch schon fertig.
       
       Ein perfekter kleiner, sommersehnsüchtiger Schmaus für zwischendurch. Guten
       Appetit!
       
       19 Mar 2022
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sarah Wiener
       
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