# taz.de -- Menschenrechtler empört: Janjaweed-Führer wird befördert
> Die sudanesische Regierung ernennt einen Verantwortlichen für
> Kriegsverbrechen in Darfur zum Berater des Präsidenten.
(IMG) Bild: Soll einer der Hauptverantwortlichen für die ethnischen Säuberungen sein: Musa Hilal
BERLIN taz Menschenrechtler weltweit haben mit Empörung auf die Ernennung
eines Hauptverantwortlichen für ethnische Säuberungen in Darfur zum Berater
des sudanesischen Präsidenten Omar Hassen al-Beshir reagiert. Musa Hilal,
der als Mitgründer und Führer der regierungstreuen Janjaweed-Milizen in
Darfur gilt, wurde letzte Woche per Präsidialdekret zum Sonderberater der
Regierung für Darfur ernannt.
Die Beförderung des "Kriegsverbrechers" Hilal sei "die neueste
Herausforderung der sudanesischen Regierung gegen die internationale
Gemeinschaft", sagte ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch (HRW).
Nach HRW-Angaben war der 43-jährige Hilal zu Beginn des Krieges in Darfur
2003 aktiv am Aufbau von Trainingslagern für Janjaweed-Milizen beteiligt -
Milizen arabischer Volksgruppen in der westsudanesischen Region, die mit
Unterstützung und Ausrüstung von Sudans Regierungsarmee die Vertreibung
schwarzafrikanischer Ethnien in Darfur durchgeführt haben.
Erst kurz zuvor war er aus der Haft freigekommen; er hatte wegen Bankraubs
in Darfur eingesessen. Als Milizenführer war er dann aber einer der
wichtigsten Ausführenden des Krieges in Darfur. Seit April 2006 ist Hilal
mit UN-Reisesanktionen belegt.
HRW forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf, bei seinem bevorstehenden
Treffen mit Sudans Präsident am Rande des Staatengipfels der Afrikanischen
Union (AU) nächste Woche die Entlassung Hilals zu fordern. Sudans Regierung
müsse auch die zwei vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen
Kriegsverbrechen in Darfur gesuchten sudanesischen Politiker ausliefern.
Die Ernennung Hilals zum Präsidentenberater wird von Beobachtern als
Versuch der sudanesischen Regierung gewertet, die Loyalität der arabischen
Bevölkerungsgruppen Darfurs zu bewahren, die sich für ihre
Kriegsanstrengungen nicht ausreichend belohnt sehen und von denen sich
inzwischen schon einige den Darfur-Rebellen angeschlossen haben sollen. Der
Schritt kommt aber auch zu einer Zeit, da sich der Kurs Sudans gegenüber
der UNO verhärtet. Seit zum 1. Januar offiziell die gemeinsame
Friedensmission von UNO und AU die bisherige AU-Friedenstruppe abgelöst
hat, weigert sich Sudan, UN-Soldaten aus nichtafrikanischen Ländern ins
Land zu lassen, um aus der AU-Truppe tatsächlich eine UN-AU-Truppe zu
machen.
Gespräche zwischen UNO und Sudans Regierung über die Zulassung
skandinavischer Ingenieure und Blauhelme aus Thailand und Nepal sollen
diese Woche fortgesetzt werden, damit beim AU-Gipfel eine Einigung darüber
verkündet werden kann.
21 Jan 2008
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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