# taz.de -- Letzte Worte des Bundestrainers: Von nun an Fan
       
       > Bei Joachim Löws Rückblick auf seine Zeit als Bundestrainer menschelt es.
       > DFB-Direktor Bierhoff macht klar, was der Nachfolger liefern soll:
       > Erfolg.
       
 (IMG) Bild: Abgang: Joachim Löw verlässt Wembley und die Nationalmannschaft
       
       Berlin taz | Viel passiert ja für gewöhnlich nicht auf so einer
       Pressekonferenz der Nationalmannschaft. Da sitzt jemand am Podium und es
       wird immer dann ein wenig laut im Raum, wenn einer oben auf dem Podium den
       Arm bewegt oder seinen Kopf ein wenig neigt. Dann sorgen die
       Verschlussgeräusche der Fotokameras für einen ganz speziellen Sound. In
       Zeiten von Video-PKs gibt es nicht einmal diese Geräusche. Umso intensiver
       kann das Gesagte wirken. Umso genauer hört man hin, wenn der Bundestrainer
       spricht. Zumal wenn es seine letzte Pressekonferenz als Angestellter des
       DFB ist.
       
       Und kaum hatte Löw Platz genommen, fiel wirklich ein Satz, der eigentlich
       gar nicht zu ihm, der jedes Pathos immer gemieden hat, passt. Ein Satz, den
       er sich gewiss zurechtgelegt hat: „Mein Herz schlägt weiterhin
       schwarz-rot-gold!“ Es war in die Zukunft gerichtet, für die er nun ja nicht
       mehr verantwortlich ist. Da bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu
       beobachten, was sein Nachfolger Hansi Flick aus den Spielern machen wird,
       denen Löw wünscht, dass sie all das erreichen mögen, was sie sich wünschen.
       
       Sonst betrieb Löw [1][bei seinem letzten Auftritt] im Home Ground der
       DFB-Elf in Herzogenaurach am Tag nach der 0:2-Niederlage im EM-Achtelfinale
       gegen England natürlich vor allem Vergangenheitsbewältigung. Mehrere Male
       sagte er, dass er die volle Verantwortung für das [2][Ausscheiden der
       Deutschen bei diesem Turnier] übernehme. Was sonst?
       
       Und natürlich schaute er auch weiter zurück in die 15 Jahre seiner
       Amtszeit. Er erinnerte an die Anfänge, als es sein Ziel gewesen sei, für
       die deutsche Mannschaft eine eigene Spielkultur zu entwickeln, einen
       Schritt über das hinaus zu wagen, was gemeinhin als deutsche Tugenden
       bezeichnet wird. Und ein wenig stolz blickte er drein, als er meinte, das
       sei eine ganz besondere Erinnerung.
       
       ## Dankbarer Trainer
       
       Und auch als er über die vielen Bilder erzählte, die er aus seinen Jahren
       beim DFB im Kopf habe, von den vielen Gesprächen mit Spielern und Betreuern
       in erfolgreichen und weniger erfolgreichen Jahren, fiel ein Wort kein
       einziges Mal: Weltmeister. Seinen großen Titel erwähnte er nicht. Dafür
       sagte er in typischer Löw-Diktion, bei der sich die Stimme kaum hebt: „Für
       mich persönlich war der Weg, den ich mit den Menschen gegangen bin, mit den
       Spielern, mit den Betreuern, das Wichtigste. Wir sind einen langen Weg
       gegangen. Das sind die Momente, die in Erinnerung bleiben, diese
       menschliche Seite.“
       
       „Wahnsinnig dankbar“ sei er, dass er das erleben konnte. „Für diese Momente
       ist man gerne Trainer.“ Man glaubt ihm das glatt, auch wenn man sich denkt,
       dass ihm der WM-Titel gewiss auch gut gefallen hat.
       
       Neben Löw saß Oliver Bierhoff in Herzogenaurach. Während Löw noch einmal
       seine Zeit Revue passieren ließ, kam dem DFB-Direktor für die
       Nationalmannschaften die Aufgabe zu, in die Zukunft zu blicken. Da wurde
       schnell klar, was der DFB von seiner Nationalmannschaft erwartet. „Wir
       haben immer den Anspruch, vorne mitzuspielen“, sagte er, als er gefragt
       wurde, ob die Männernationalmannschaft nun nur noch Außenseiter im
       Weltfußball sei. Hansi Flick wird also keine Zeit gegeben, bis zur
       Europameisterschaft 2024 im eigenen Land eine neue Mannschaft aufzubauen.
       Er soll möglichst schon bei der WM 2022 in Katar liefern. „Am Ende lautet
       der Auftrag, erfolgreich zu sein.“ Das ist die Ansage.
       
       Dass Flick möglichst nebenbei auch noch junge Spieler entwickelt, auch das
       wünscht sich Bierhoff. Wie schwer das ist, zeigt die Geschichte der
       U21-Nationalmannschaft. Die hat 2017 den EM-Titel geholt. Und doch hat es
       mit Serge Gnabry nur ein Einziger davon in die erste DFB-Elf geschafft. Ob
       den aktuellen U21-Europameistern da mehr gelingt? Schwierig.
       
       All das sind Dinge, die Joachim Löw nicht mehr zu organisieren braucht. Was
       er in nächster Zukunft machen wird, weiß er noch nicht. Vielleicht komme ja
       mal eine Aussprache mit Mesut Özil zustande, sagte er. Der sei so wichtig
       gewesen für die Mannschaft und habe ihn mit seinem Rücktritt dann doch so
       enttäuscht. Und sonst? Da ist nicht viel. Joachim Löw ist mit sich im
       Reinen, wie er sagt. Seine Zeit als Bundestrainer ist vorbei. „Jetzt werde
       ich Fan sein“, sagte er.
       
       30 Jun 2021
       
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