# taz.de -- Sarah Wiener Die Zutat: LebenslangGrün-Weiß
Lauch ist eines der wenigen in Österreich weit verbreiteten Wörter, das
sich gegen den deutschen Begriff Porree langsam durchzusetzen scheint.
Selbst auf Schulhöfen beleidigt man mit „Du Lauch!“ und nicht mit „Du
Porree!“. Dabei gibt es gerade in Deutschland so schöne Synonyme für Lauch:
Bolle, Burri, Fristlich oder auch Läuchel (was mein Wiener Ohr besonders
erfreut) sind nur einige der wunderbaren Begriffe.
Der Lauch ist ein Zivilisations-Urgemüse, das schon vor Tausenden Jahren in
der Stadt ur-angebaut wurde. Er half den Pyramidenbauarbeitern länger
durchzuhalten und machte Nero glauben, dass er nach dem Verzehr besser
werde singen können. Was natürlich Blödsinn ist. Lauch kann viel, aber das
nicht.
Dafür hilft er bei entzündlichen Krankheiten, bei Arterienproblemen, bei
Herzschwäche und bei Pilzinfekten. Er enthält viel Vitamin K, viel Vitamin
C und sekundäre Pflanzenstoffe, wie zum Beispiel Kaempferol: Dieser Stoff
kann freie Radikale neutralisieren, Tumorzellen abtöten und Innenwände von
Blutgefäßen schützen. Lauch ist besonders gut für den Darm. Als
Zwiebelgemüse kann er allerdings blähen. Da hilft dann etwas Kümmel oder
Fenchel.
Dünn geschnitten kann man Lauch sehr gut roh essen. Dann hat er auch die
meisten Inhaltsstoffe. Geschmacklich ist der Sommerlauch gefälliger und
milder als der Winterlauch, der sogar bei Frost geerntet werden kann. Das
Weiße schmeckt milder und süßer als das würzige, manchmal auch scharfe
Grün. Das hat dafür bis zu 300-mal mehr Beta-Carotin. Man sollte das Grüne
also unbedingt immer mitessen.
Gut passt Lauch gedünstet, gekocht oder geschmort zu Kartoffeln, Karotten
und Hirse. Eine Rindssuppe ohne Lauch ist für mich nicht vorstellbar,
ebenso kleine Quiches und natürlich der Flammkuchen. Ich gebe Lauch auch in
fast jede Fleischsauce, oft tausche ich einen Teil der Zwiebel damit aus.
Lauch und Pilze sind ebenfalls eine sehr gute Kombination. Dazu passt
hervorragend ein Süßkartoffelpürree.
Besonders mag ich gedämpfte lauwarme Lauchrollen mit Schinken oder
Parmesan. Manchmal mariniere ich Lauch auch einfach mit etwas Essig, Chili
und Sojasauce und streue gerösteten Sesam und Petersilie darüber.
Und natürlich: Lauch und Eier. Der Klassiker! Ein kleines angeschmortes
Lauchgemüse in Schwarzkümmelöl und Senfmarinade mit einem pochierten Ei
darauf und ein paar Kressesamen drübergestreut, mmmhmmm … Ich denke, das
werde ich heute für mich kochen.
10 Mar 2018
## AUTOREN
(DIR) Sarah Wiener
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