# taz.de -- Kommentar Sitz im UN-Sicherheitsrat: Deutschland ist drin - na und?
> Deutschland wollte in den Sicherheitsrat, weil es schick ist, im
> Sicherheitsrat zu sein. Ein politisches Projekt aber, eine Idee ist nicht
> zu erkennen.
Die UN-Vollversammlung hat Deutschland im ersten Wahlgang in den
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gewählt. Was wie ein großer Erfolg
der schwarz-gelben Regierung und des Außenministers Guido Westerwelle
aussieht, ist bei Licht betrachtet nicht so mehr ganz so toll. Wenn von
drei Ländern - Kanada, Portugal, Deutschland - zwei gewählt werden, warum
sollte dann ausgerechnet Deutschland, drittwichtigster Geldgeber der UN,
herausfallen? Vor allem aber: Was macht Deutschland eigentlich in dem
Gremium?
Die anstehende Reform der Vereinten Nationen, allen voran des
Sicherheitsrates, wird Deutschland nicht wirklich voranbringen. Mit
Frankreich und Großbritannien ist Westeuropa unter den ständigen
Mitgliedern überrepräsentiert, die G-20-Staaten, die mehr Einfluss erlangen
sollten, sind nach wie vor zu wenig vertreten. Wer braucht da Deutschland?
Das Auswärtige Amt hat schon innerhalb der Bundesregierung unter Führung
des schwächsten Außenministers, den die FDP je gestellt hat, an Einfluss
und Kompetenz verloren - warum sollte also ein deutscher Sitz für die
kriselnden Vereinten Nationen gut sein?
Zu den wichtigen Fragen, die von den Vereinten Nationen in den nächsten
Jahren zu beantworten sind, hat die schwarz-gelbe Regierung wenig
beizutragen. UN-Reform, Millenniumsziele, Konflikt- und Krisenmanagement?
Eine deutsche Linie ist nicht zu erkennen. Der Versuch einer gemeinsamen
europäischen Interessendefinition - immerhin sind alle Länder Kerneuropas
gleichzeitig konservativ regiert - Fehlanzeige.
Deutschland wollte in den Sicherheitsrat, weil es schick ist, im
Sicherheitsrat zu sein. Ein politisches Projekt aber, eine Idee ist nicht
zu erkennen. Das war bei der letzten deutschen Mitgliedschaft 2003/04
anders: Bei aller Kritik am Außenminister Joschka Fischer muss doch
konzidiert werden, dass er gemeinsam mit Frankreich den USA und
Großbritannien im Vorfeld des Irakkrieges die Stirn bot. Zugegeben: Von den
damaligen Träumen, Europa unter deutsch-französischer Führung zur zivilen
Gegenmacht aufbauen zu können, ist nichts geblieben. Aber es war wenigstens
eine Idee. Von schwarz-gelb ist Ähnliches nicht zu erwarten, weder in
Richtung USA, noch Russland, noch China. Deutschland ist als Mitläufer
gewählt worden. Das schadet nichts - im Gegenteil, wie der Berliner sagt,
es nutzt auch nichts.
12 Oct 2010
## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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(DIR) UN-Sicherheitsrat: Deutschland sitzt mit drin
Gleich im ersten Wahlgang votierte eine Zwei-Drittel-Mehrheit der
UN-Vollversammlung für Deutschland. Für zwei Jahre ist es nun Mitglied im
wichtigsten Gremium der Vereinten Nationen.