# taz.de -- Kommentar Bardot-Urteil: Öfters mal vor Gericht
> Drei Menschenrechtsorganisationen hatten erfolgreich gegen Bardots
> abfällige Äußerungen gegen Muslime geklagt. Verbände in Deutschland sind
> bei so etwas leider eher zurückhaltend.
In Deutschland muss das Urteil erstaunen. Gerade hat ein französisches
Gericht die Exschauspielerin Brigitte Bardot wegen "Volksverhetzung" zu
einer Geldstrafe von 15.000 Euro verurteilt. Die militante Tierschützerin
hatte in einem offenen Brief über die rituelle Schächtung von Schafen beim
islamischen Opferfest geklagt und sich dabei mal wieder abfällig über
Muslime geäußert.
Im Vergleich zu dem, was hierzulande zuweilen über Muslime gesagt und
geschrieben wird, nehmen sich die Äußerungen der Französin, die mit einem
Mitglied der rechtsextremen Front National verheiratet ist, freilich eher
harmlos aus: Muslime würden ihr Land "zerstören" und "uns ihre
Handlungsweisen auferlegen", hatte sie geschrieben.
Bardot ist eine Wiederholungstäterin und schon mehrfach wegen ähnlicher
Delikte verurteilt worden. Das liegt schlicht daran, dass es in Frankreich
eine kritische Öffentlichkeit gibt, die solchen Salonrassismus nicht
einfach goutiert: Gleich drei Menschenrechtsorganisationen hatten diesmal
gegen sie Klage eingereicht.
Muslimische Verbände in Deutschland sind in dieser Hinsicht wesentlich
zurückhaltender. Sie halten es für kontraproduktiv, gegen jede
unqualifizierte "Islam-Kritik" vor Gericht zu ziehen, weil sie fürchten,
sich damit nur den Ruf als notorische Querulanten einzuhandeln oder diesen
noch zu verstärken. Sie setzen auf den Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft
und appellieren an die Vernunft, um Vorurteile aus der Welt zu räumen. Sie
sind vermutlich auch schlicht überfordert, um sich gegen jede einzelne
Anfeindung zur Wehr zu setzen.
Diese Zurückhaltung ist falsch. Denn es hätte eine zivilisierende Wirkung,
wenn muslimische Verbände häufiger vor Gericht ziehen würden, um gegen
Beleidigungen und Diffamierungen ihrer Glaubensgemeinschaft zu klagen. Wenn
Prominente mit Vorbildcharakter nicht in der Lage sind, zwischen sachlicher
Kritik und übler Nachrede zu unterscheiden, dann können ihnen vielleicht
die Gerichte dabei helfen. Noch besser wäre es natürlich, würde die
deutsche Öffentlichkeit die Muslime damit nicht alleine lassen.
4 Jun 2008
## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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