# taz.de -- Kolumne Nebensachen aus Santo Domingo: Das Gift des Rotfeuerfischs
> Der Red Lionfish ist wunderschön, schmackhaft und sehr giftig. Jetzt soll
> er vermehrt verzehrt werden. Denn der Raubfisch frisst den Fischern den
> Fang weg.
(IMG) Bild: Ganz schön giftig: Der aus dem Pazifik stammende Rotfeuerfisch frisst sich durch das karibische Meer
Garfene Grandison weiß, wie man an das weiße Fleisch des Rotfeuerfischs
nach dem Fang kommt: Ein kurzer Schlag auf den Fischkopf, rät die
Kochjournalistin der jamaikanische Tageszeitung The Gleaner ihren Lesern,
danach „fixiert man den Kopf mit einer Zange“, schneidet ihn und die
Stachelflossen ab, dann könne man ihn einfach filetieren. Aber Vorsicht,
warnt Grandison, die stacheligen Rückenflossen können auch noch eine Stunde
nach dem Tod ein für Menschen unangenehmes, gefährliches und bei falscher
Behandlung sogar tödliches Gift übertragen.
Nachhilfe bei der Zubereitung des schmackhaften, wunderschön aussehenden,
aber mit giftigen Stacheln ausgerüsteten Red Lionfish ist in Jamaika
inzwischen Staatsangelegenheit. Die Regierung hat die Fischer aufgefordert,
ihm die Fischhaut über die Filets zu ziehen. Hausfrauen werden animiert,
ihn, weil reichlich vor den Küsten vorhandenen, verstärkt beim Essen zu
servieren. Denn der Pterois volitans, so der wissenschaftliche Name des
stacheligen Meeresbewohners, sei dafür verantwortlich, dass den Fischern
immer seltener einheimische Fische in die Netze gehen. „Der frisst uns
alles weg“, klagt Fischer Floyd am Strand von Parottee an der Südküste.
Wie der pazifische Raubfisch in die Karibik gelangt ist, darüber streiten
die Wissenschaftler. Die Brut könnte in den Ballasttanks von Großschiffen
aus dem Indopazifik bis vor die Küsten der Großen und Kleinen Antillen
gereist sein. Andere glauben, dass die sechs Exemplare der Meeresspezies,
die 1992 nach dem Hurrikan Andrew aus einem Aquarium in Miami verschwunden
waren, die Ursache für die Rotfeuerfischinvasion sind. Zuerst tauchte der
ehemalige Pazifikbewohner 2006 vor den Küsten der Bahamas auf. Heute sollen
hohe Kilopreise die Jagd auf ihn anregen, weil der bis zu 40 Zentimeter
große Saugschnapper nicht nur der heimischen Fischwelt den Garaus macht,
sondern auch die im Restaurant teuer verkaufte Langusten- und
Krabbenpopulation in die Enge treibt, um sie dann blitzschnell einzusaugen.
Dem 2007 vor den Turks- and Caicos-Inseln gesichteten Red Lionfish wird mit
Fangprämien an die Kiemen gegangen. Jetzt soll eine Karibikallianz ein
Aktionsprogramm entwickeln, denn auch die Dominikanische Republik und schon
die ersten Inseln der Kleinen Antillen, wie St. Lucia und Trinidad und
Tobago, klagen über den Raubfisch, der zweimal im Jahr bis zu 30.000 Eier
ablegt und kaum einen natürlichen Feind hat. Den Zackenbarsch, der ihm
wirklich gefährlich werden könnte, gibt es kaum noch in der Inselwelt. Der
ist schon vor Jahren auf den Grills der Restaurants gelandet.
19 Nov 2012
## AUTOREN
(DIR) Hans-Ulrich Dillmann
## TAGS
(DIR) Fische
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