# taz.de -- Junge Malerei damals und in der Gegenwart
       
       > In Berlin ist wieder einmal Art Week. Zwei Messen, 16 institutionelle
       > Partner, 15 Privatsammlungen und 20 Projekträume sind dabei. Aber auch
       > die Galerienlassen sich was einfallen. Crone etwa zeigt junge Kunst aus
       > den 80er Jahren und von heute
       
 (IMG) Bild: Walter Dahns „großnasiger Mann“ starrt an die Wand, links dahinter ein Gemeinschaftsgemälde von Albert Oehlen und Georg Herold. In der Tür Emmanuel Bornsteins „Run VII“
       
       Von Brigitte Werneburg
       
       Es ist verrückt. Aber noch immer überraschen die Berliner Galeristen zu
       Anlässen wie dem Gallery Weekend und jetzt bei der Berlin Art Week mit
       neuen, extravaganten Räumlichkeiten. Diesmal ist es die Galerie Crone, die
       sich im zweiten und im vierten Stock eines der bombastischen Rundbauten am
       Tempelhofer Platz der Luftbrücke weitläufige Zimmerfluchten von wenigstens
       300 Quadratmeter gesichert hat. Und damit Platz genug für eine Ausstellung
       von Museumsformat.
       
       „Zwei Alter: Jung“ zeigt Kunst aus den 80er Jahren und von heute, unter der
       Fragestellung, wie sich Jungsein jeweils in der Malerei äußert. 25 Arbeiten
       von in den 80er Jahren jungen Künstlern und Künstlerinnen und 25 Arbeiten
       ihrer heutigen jungen Kollegen und Kolleginnen sind zu sehen. Wie
       unterscheiden sich die Herangehensweisen, wo mit Leinwand, Farbe und Pinsel
       noch immer auf der gleichen Grundlage argumentiert wird?
       
       Es geht also um Gestik und Form, vor allem aber Motive und Narrative der
       Bilder im Kontext der Zeit. Und da fragt man sich, bevor man noch den
       Rundgang antritt, ob der Vergleich nicht zu Ungunsten der heute jungen
       Leute ausfallen muss? Denn sind nicht die Zeiten für junge MalerInnen heute
       schwieriger, als es die 80er für ihre Vorgänger waren?
       
       Damals kamen Ronald Reagan, Margaret Thatcher und die Postmoderne an die
       Macht. Kunst wurde zu einem richtigen Geschäft, nicht zuletzt dank der
       Renaissance der Malerei durch neoexpressiv und gerne auch figurativ
       arbeitende junge KünstlerInnen. Die sogenannten Neuen Wilden, Heftige
       Malerei und Bad Painting wurden in Frontstellung gegen den
       Neokonzeptualismus gesehen, wie ihn etwa die sogenannte Pictures Generation
       mit Richard Prince, Louise Lawler und Robert Longo repräsentierte. Großes
       Dokument dieses Streits um die Leitherrschaft ist Craig Owens’ Essay
       „Honor, Power and the Love of Women“, 1983 in Art in America erschienen.
       
       Heute wäre ein solcher Streit, vor allem in der damaligen diskursiven Form
       undenkbar. Man argumentiert mit Likes und Dislikes und ansonsten gilt
       „anything goes“ – es sei denn, man wittere moralisch oder politisch
       anstößige Thesen. Da muss man sich in künstlerischer Hinsicht schon etwas
       allein gelassen fühlen, zumal auch der Galerienboom vorbei ist und es um
       Konsolidierung geht. Aber gut, Jan Zöller, der in Karlsruhe und an der
       Ecole des Beaux Arts in Paris studiert hat, meint mit der geometrisch
       reduzierten Figur eines 2019 entstandenen Gemäldes: „It’s ok to walk home
       alone“.
       
       Und ja, sein Bild hält etwa mit Werner Büttners „Frühling noch …“, 1981,
       gut mit. Die Jungen aus den achtziger Jahren sind ja heute samt und sonders
       bekannte, wenn nicht weltberühmte Künstler. Da muss es sich schon speziell
       – und sicher auch, aber nicht nur speziell gut – anfühlen, neben Martin
       Kippenberger und Albert Oehlen zu hängen. Dessen „Kampf dem gemeinen
       Rebrüssler“ von 1980 ist natürlich unschlagbar, so extrem komisch und
       malerisch so extrem instinktsicher, wie der Black Hawk Down auf die
       Leinwand gesetzt ist.
       
       Toll ist auch Walter Dahns „Mann mit großer Nase“, 1982, der ein bisschen
       wie der störende Schüler in die Ecke gestellt, also gehängt wurde und nun
       verblüfft auf die Wand zustarrt. Auch Rosemarie Trockel sieht sich in „Ich
       als Clown“, 1984, mit großer Nase. Sie ist rot und korrespondiert bestens
       mit dem Rot der Lippen von Amoako Boafos in Schwarz in Schwarz gemalter
       „Sleepy Lady“, 2019, mit der Trockels Clown den Raum teilt. Es
       korrespondiert vor allem aber die Auseinandersetzung mit der eigenen
       Identität, bei Trockel der als Frau, bei Amoako Boafa, der in Wien an der
       Kunstakademie bei Kirsi Mikkola studiert, der als Schwarzafrikaner.
       
       Interessant die Gegenüberstellung von Kippenbergers dreiteiligem
       „Gruga-Bad“, 1982, und Jenny Brosinskis Großformat „Untitled (Cool, Fool,
       Pool)“ aus diesem Jahr. Brosinskis Leinwand, die reichlich Platz an der
       Wand einnimmt, dabei aber nur durch eine zarte flächige Geometrie und ein
       bisschen Farbe markiert ist, steht gegen die knallige Farbgeometrie von
       Kippenbergers Freibad.
       
       Dass sich die Malerei und mehr noch aber die Zeiten ändern, zeigt sich
       gerade hier. Denn Jenny Brosinski hat sich mit ihren Bildern über Instagram
       selbst bekannt gemacht. 2015 hatte sie ihren ersten Like von Jerry Saltz
       und wenig später kam Klaus Biesenbach und die Galerien sowieso. Dass sie
       nachzogen, heißt nicht, dass der Galerieraum jungen Künstlern nicht noch
       ganz andere, überraschendere Möglichkeiten bietet, ihre Arbeiten öffentlich
       zu machen und zu debattieren. „Zwei Alter: Jung“ belegt das aufs Schönste.
       Wie überhaupt die Art Week diesen Beweis antreten will (Programm siehe
       taz-plan).
       
       Bis 10. November, Crone Side, Tempelhofer Damm 2, Mi.–Sa. 11–18 Uhr
       
       12 Sep 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Brigitte Werneburg
       
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