# taz.de -- Israel und Libanon: Acht Tote im Grenzgebiet
       
       > Israel und Gruppierungen im Libanon haben sich erneut gegenseitig
       > beschossen. Auf libanesischer Seite tritt eine wenig bekannte Miliz in
       > Erscheinung.
       
 (IMG) Bild: Sanitäter untersuchen einen schwer beschädigten Krankenwagen in Hebbarijeh
       
       Beirut taz | Im Libanon sind durch israelische Luftangriffe sieben Menschen
       getötet worden. In der Nacht auf Mittwoch seien sieben freiwillige
       Sanitäter im Büro des Islamischen Notfall- und Hilfskorps in der Stadt
       Hebbarijeh getötet worden, so der libanesische Rettungsverband und die
       [1][staatliche Nachrichtenagentur NNA]. Das israelische Militär dagegen
       sagte, es habe ein militärisch genutztes Gebäude getroffen und Extremisten
       getötet.
       
       Bei einem Gegenangriff der schiitischen Hisbollah kam ein Mensch ums Leben.
       Laut der Miliz richtete sich der Angriff gegen einen Militärstützpunkt in
       Kirjat Schmona. Ein 25-Jähriger sei getötet worden, teilte der israelische
       Rettungsdienst Magen David Adom mit. Laut israelischem Militär wurden etwa
       30 Raketen auf Nordisrael abgefeuert.
       
       Die Grenze zwischen Libanon und Israel ist seit Jahrzehnten umstritten.
       Seit Jahren kommt es zu sporadischen Angriffen. Seit dem Überfall auf
       Israel am 7. Oktober beschießen sich das israelische Militär und
       propalästinensische Gruppierungen, darunter vor allem der militante Arm der
       Hisbollah sowie der libanesische Arm der Hamas, fast täglich. Mehr als 200
       Hisbollah-Kämpfer und rund 40 Zivilist*innen wurden auf libanesischer
       Seite getötet, während in Israel 9 Zivilist*innen und 11
       Soldat*innen bei Angriffen starben. Die Gefechte können als sehr
       kalkuliert eingestuft werden. Bisher wurden keine großen
       Bevölkerungszentren angegriffen, [2][doch auf beiden Seiten der Grenze sind
       Tausende geflohen].
       
       Bei den Opfern des jüngsten Angriff handelt es sich laut israelischem
       Militär um Mitglieder der sunnitischen Miliz Dschamaa Islamijah, die
       ideologisch der Muslimbruderschaft nahesteht. Die Gruppe hat sich in den
       letzten Jahren politisch zurückgehalten und ist aktuell mit einem
       Abgeordneten im Parlament vertreten. Während im Grenzgebiet die Hisbollah
       die Macht hat, gibt es dort auch sunnitische sowie christliche Dörfer. Der
       Krieg hat die sunnitischen Islamisten der Hisbollah näher gebracht. Am
       Dienstag sagte der Anführer der Dschamaa Islamijah, man koordiniere
       Angriffe mit der Hisbollah. Am Mittwoch erklärte die Gruppe, das
       angegriffene Notfallzentrum in Hebbarijeh sei nicht mit ihr verbunden.
       
       Auch Angehörige der getöteten Sanitäter bestritten die angebliche
       Verbindung gegenüber Al Jazeera. Demnach war das Gebäude kein militärisches
       Ziel. Die Opfer seien Sanitäter, Freiwillige und Studierende. Es war das
       erste Mal, dass das Dorf getroffen wurde, doch es wäre nicht das erste Mal,
       dass Zivilist*innen durch israelische Angriffe getötet wurden. Bisher
       gab es vier Angriffe auf medizinische Einrichtungen und Sanitäter im
       Südlibanon. Die Mehrheit der Ersthelfer*innen dort sind [3][Mitglieder
       medizinischer Organisationen der Hisbollah und ihrer Verbündeten], der
       Amal-Bewegung. Die Organisation ist oft eng mit der Zivilbevölkerung
       verwoben.
       
       Israel möchte, dass sich die Hisbollah rund 30 Kilometer hinter die Grenze
       zurückzieht, und verweist auf die UN-Resolution 1701, die 2006 angenommen
       wurde. Unter anderem sollte eine entmilitarisierte Zone entstehen. Die
       Hisbollah verweist darauf, dass auch Israel sich aus umstrittenen Gegenden
       zurückzuziehen müsse. Generalsekretär Hassan Nasrallah hat erklärt, dass
       der Beschuss Nordisraels anhalten werde, bis der Gazakrieg beendet sei.
       
       Im Libanon möchten Bevölkerung und Regierung einen umfangreichen Krieg
       vermeiden. Ministerpräsident Nadschib Mikati hat jedoch klargemacht, dass
       man auf die Hisbollah keinen großen Einfluss habe. Die Amal-Bewegung soll
       diese Woche ihre Kämpfer aus dem Süden abgezogen haben. Das [4][berichtete]
       die Plattform Ici Beyrouth mit Verweis auf einen Amal-Abgeordneten. Dieser
       soll gesagt haben, die Konfrontationen hätten eine inakzeptable Wendung
       genommen.
       
       Nach inoffiziellen Angaben sind mehr als 15.000 Häuser im Südlibanon ganz
       oder teilweise zerstört. Mikati sagte der Zeitung al-Akhbar, die Regierung
       werde Entschädigungen für die Familien der Opfer sowie für den Wiederaufbau
       von Häusern und Tabakfeldern zahlen. Woher das Geld kommen soll, ließ er
       offen. Das Land befindet sich seit 2019 in einer Wirtschaftskrise. Laut
       Regierung braucht es [5][46 Millionen] US-Dollar für die Entschädigung und
       den Wiederaufbau. Iran, Hauptfinanzier der Hisbollah, hat bereits gesagt,
       man werde dieses Mal nicht für den Wiederaufbau zahlen.
       
       27 Mar 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.nna-leb.gov.lb/en/justice-law/683479/corrected-israeli-airstrike-on-emergency-center-i
 (DIR) [2] /Verlassene-Nordgrenze-Israels/!5985566
 (DIR) [3] https://today.lorientlejour.com/article/1370400/what-are-the-hezbollah-and-amal-health-associations-being-targeted-in-south-lebanon.html
 (DIR) [4] https://thisisbeirut.com.lb/lebanon/238384
 (DIR) [5] https://today.lorientlejour.com/article/1408040/mikati-diplomacy-ongoing-toward-peace-in-the-south.html
       
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