# taz.de -- Isolationspflicht bei Corona: Vier Bundesländer kippen Isolation
       
       > Wer Corona-positiv ist, muss sich in manchen Bundesländer künftig nicht
       > isolieren, aber Maske tragen. Lauterbach hält das für verantwortungslos.
       
 (IMG) Bild: In manchen Bundesländern soll die Isolationspflicht für positiv Getestete aufgehoben werden
       
       Berlin taz | Zwei Streifen auf dem Corona-Test, das hieß bisher: zu Hause
       isolieren, jegliche Kontakte meiden und frühestens nach fünf Tagen
       freitesten. In Baden-Wüttemberg, Hessen und Schleswig-Holstein sollen
       künftig andere Regeln gelten, in Bayern sogar schon ab diesem Mittwoch. Die
       [1][vier Bundesländer heben die Isolationspflicht für Corona-Positive auf.]
       
       Die Gesundheitsminister:innen der vier Länder begründen den Schritt
       mit der durch Impfungen und durchgemachte Infektionen gestiegenen
       Basisimmunität in der Bevölkerung, mit den vergleichsweise milden Verläufen
       bei der vorherrschenden Omikron-Variante, mit den zuletzt sehr kurzen
       Infektionswellen und mit den guten Erfahrungen aus anderen europäischen
       Ländern.
       
       Abgeschafft ist die Isolationspflicht bereits in Spanien, Dänemark und
       Österreich. Eine hohe Zahl von Neuinfektionen blieb etwa in Österreich
       bislang aus. Regelmäßige anlasslose Tests gibt es dort aber auch kaum
       noch.Ähnlich wie in Österreich werden auch in den vier Bundesländern nicht
       alle Regeln aufgehoben.
       
       So muss sich zwar ab dem Wegfall der Isolationspflicht niemand mehr zu
       Hause absondern. Aber es soll eine Pflicht zum Tragen eines
       [2][Mund-Nasen-Schutzes] gelten, die nur im Freien bei Wahrung des
       Mindestabstands von 1,5 Metern wegfällt. Wer Symptome zeigt, soll sich
       krankschreiben lassen und zu Hause bleiben. Symptomfreie Menschen dürfen
       trotz positivem Test zur Arbeit, es sei denn sie arbeiten in medizinischen
       oder Pflegeeinrichtungen oder Massenunterkünften.
       
       ## Lauterbach verurteilt das Vorpreschen
       
       Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) erklärte, man
       habe diesen Schritt gehen müssen, weil „[3][sich die Bundesregierung]
       bislang einer gemeinsamen Lösung in der Isolationsfrage verweigert“.
       
       Die Entscheidung sei im Einvernehmen mit Gesundheitsexpert:innen
       gefallen. Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt,
       erklärte die Aufhebung am Dienstag für „medizinisch vertretbar“. Er
       appellierte an die Eigenverantwortung, damit Erkrankte wirklich zu Hause
       bleiben.
       
       Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Markus Beier, sagte der
       Rheinischen Post, es sei letztlich eine politische Entscheidung, ob es eine
       gesetzlich verankerte Isolationspflicht gebe oder nicht. Der
       Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald
       Gaß, forderte eine grundsätzliche Debatte über das Ende der Pandemie, bevor
       Schutzmaßnahmen vereinzelt aufgehoben werden.
       
       Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verurteilte das Vorpreschen
       der Landespolitiker:innen zu Beginn der Wintersaison als
       verantwortungslosen Fehler, der vor allem [4][vulnerable Personen]
       gefährde. Er verwies darauf, dass es in der Bevölkerung eine breite
       Zustimmung zur Isolationspflicht gebe. Tatsächlich hatten sich Mitte
       Oktober in einer Befragung des ARD-Deutschland-Trends 69 Prozent der
       Befragten gegen eine Aufhebung der Isolationspflicht ausgesprochen.
       
       Auch bei Virologen gibt es unterschiedliche Ansichten zur Abschaffung der
       Isolationspflicht. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische
       Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, schrieb bei Twitter, es gebe
       politische und gesellschaftliche Argumente dafür und dagegen. „Was mir
       dabei wichtig zu betonen ist: Keine Isolationspflicht mehr zu haben
       bedeutet nicht, dass Covid-19 für jeden ab jetzt völlig harmlos und nur ein
       Schnupfen ist.“
       
       15 Nov 2022
       
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