# taz.de -- Handball: Anekdoten im Akkord
       
       > Bob Hanning managt nicht einfach nur die Füchse Berlin, er erschließt
       > Märkte. Seine Strategie der gekonnten Penetranz hat den Handballklub in
       > die Bundesliga geführt.
       
 (IMG) Bild: Als CO-Trainer der deutschen Handball-Elf baute Hanning (re.) oftmals Stefan Kretzschmar wieder auf
       
       BERLIN taz Bob Hanning ist in den letzten Monaten zur leibhaftigen Jukebox
       geworden. Allerdings bekam man von ihm keine Musik, sondern kleine
       Geschichten zu hören. Anekdoten vom Triumphzug der Füchse Berlin, die heute
       Abend zum ersten Saison- und Heimspiel in der Handball-Bundesliga gegen HSG
       Nordhorn antreten. Nach 16 Jahren Zweit- und Drittklassigkeit ist ein
       Hauptstadtverein wieder in der Eliteliga dabei. Dass es so kommen wird,
       hatte Hanning, der Manager der Füchse, bereits bei seinem Amtsantritt vor
       zwei Jahren angekündigt.
       
       Die Journalisten gaben sich bei ihm zuletzt die Klinke in die Hand und
       stellten Fragen über Fragen, um ihm vielleicht einen Schwank zu entlocken,
       den noch kein anderer für seine Erfolgsstory zum Besten gegeben hatte. Aber
       bereits nach kurzer Zeit war allen das ganze Repertoire bekannt.
       
       Jede Geschichte folgt dem gleichen Grundmuster. Hanning erzählt, wie es
       war, als er bei den Füchsen anfing und wie es heute ist. Damals rangierten
       die Füchse mit einem Etat von 100.000 Euro in der unteren Hälfte der
       zweiten Liga und mussten um ihre Lizenz bangen. Heute starten sie in die
       erste Liga mit einem Budget von 2,7 Millionen Euro. Ein himmelweiter
       Unterschied, den Hanning anhand seiner Anekdoten noch imposanter erscheinen
       lässt.
       
       Meist steigt der 39-Jährige mit der Geschichte vom Schuhkarton voller
       Rechnungen ein, den er im Jahre 2005 vorfand. Für das muffige Vereinsbüro
       im Bezirk Lichtenberg musste er sich sogar ein Telefon und Faxgerät leihen.
       Inzwischen logieren die Füchse bestens ausgestattet am Gendarmenmarkt in
       Mitte, an einem der prestigeträchtigsten Plätze der Stadt. Oder Hanning
       erinnert sich daran, wie sich in der Aufbauphase des Projekts seine Eltern
       für 2 von insgesamt 17 Dauerkarten erbarmten. Vor dem heutigen Spiel haben
       die Füchse bereits 1.250 Abos verkauft. Zum Klassiker geworden ist die
       Geschichte von der ersten Weihnachtsfeier, zu der keiner kommen wollte,
       obwohl man für 10 Euro Spaghetti und Bier in unbegrenzten Mengen zu sich
       nehmen konnte. Zwölf Monate später traten sich 600 Leute gegenseitig auf
       die Füße.
       
       All diese Anekdoten verbreitet Hanning unermüdlich. Er stellt mit Bedauern
       fest, dass man den Markt noch nicht komplett durchdrungen habe. "Jeder
       Taxifahrer in der Stadt muss wissen, dass es uns gibt, dann weiß es auch
       jeder Berliner", sagt er. Die Botschaft von Hanning lautet: Ich werde nicht
       ruhen, solange nicht jeder die Füchse kennt.
       
       Hanning als Öffentlichkeitsarbeiter zu bezeichnen, wäre eine maßlose
       Untertreibung. Er ist vielmehr ein Öffentlichkeitsbelagerer. Er ist
       überall. Und nebenbei schließt er einen Sponsorenvertrag nach dem anderen
       ab. Gerade, so Hanning, stünde er mit drei potenziellen Geldgebern kurz vor
       der Einigung. Die Partner wollten den Füchsen jeweils einen sechsstelligen
       Betrag zur Verfügung stellen. Einer dieser Sponsoren hat es Hanning ganz
       besonders angetan. Er verrät zumindest so viel: Es handle sich dabei um
       eine Lebensmittelkette, in deren Geschäfte man neben Butter und Milch auch
       Eintrittskarten für die Bundesligaspiele in der Schmeling-Halle erstehen
       könnte.
       
       Es ist auffällig, wie wenig bislang über die Leistungen des Füchse-Teams
       auf dem Feld geredet wurde. Trainer Jörn-Uwe Lommel behauptet, ihm sei das
       egal. "Ich möchte nur meine Arbeit machen." Die Sache beginnt also erst
       jetzt so richtig interessant zu werden. Die Füchse befinden sich in der
       ersten Liga finanziell und sportlich mit fünf bis sechs Teams auf
       Augenhöhe. Um in der weltbesten Liga mithalten zu können, haben sich die
       Füchse branchenüblich verstärkt: Sie holten unter anderem einen
       holländischen, norwegischen und einen ägyptischen Nationalspieler: Marc
       Bult, Kjetil Strand und Hany El Fakharany. Hanning sagt, er sei sehr
       gespannt.
       
       29 Aug 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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