# taz.de -- Grenzschließung wegen Coronavirus: Als vereintes Europa gegen Corona
       
       > Um sich vor Corona zu schützen, machen EU-Staaten die Grenzen dicht. Die
       > Abschottung kann auf lange Sicht schwere Folgen haben.
       
 (IMG) Bild: Deutschland macht ab Montag die Grenzen dicht. Polen lässt schon niemanden mehr rein
       
       Es ist atemraubend, wie die [1][Grenzen in Europa] im Zuge der Corona-Krise
       hochgezogen werden, wie sich ein Staat nach dem anderen abschottet. Die
       Pandemie zeigt, wie fragil die Europäische Union ist. Ist diese Abschottung
       wirklich so alternativlos, wie es scheint? Viren scheren sich nicht um
       Grenzen, das ist eine Binsenweisheit. Die Reaktion, Grenzen zu schließen,
       folgt in vielen Ländern dem Wunsch, sich durch Isolieren zu schützen. Das
       funktioniert gebietsweise, aber eben nicht in nationalen Grenzen.
       
       Es scheint sinnvoller, Kontrollen zwischen [2][Nordrhein-Westfalen] und
       Niedersachsen einzuführen als zwischen Deutschland und der Schweiz. Das
       derzeitige Abschotten und vor allem das Tempo ist beklemmend. Wird nach
       Abklingen der Pandemie alles sein wie zuvor, als sei nichts gewesen? Die
       Frage ist, wie weit die [3][Coronakrise] geeignet ist, in langen Jahren
       langsam gewachsenes europäisches Bewusstsein bei den Menschen in den
       Mitgliedsländern ad hoc zu zerstören.
       
       Viel wird auch davon abhängen, wie die Krise bewältigt wird. Doch dass die
       Rückkehr ins Nationale einmal rasch und rigide vollzogen wurde, wird bei
       GegnerInnen der europäischen Vereinigung Begehrlichkeiten wecken. Was
       einmal geht, geht immer wieder. Deshalb müssen die Regierungen in den
       EU-Staaten und die EU-Kommission jetzt Signale gegen nationale Egoismen
       senden. Das ist so wichtig wie nie zuvor in der Geschichte der europäischen
       Gemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.
       
       Die deutsche Regierung ist mit ihrem Exportverbot von Corona-Schutzmitteln
       auch in die europäischen Nachbarstaaten genau gegensätzlich vorgegangen. So
       etwas darf sich nicht wiederholen. Gerade die Pandemie zeigt, wie wichtig
       ein vereintes Europa ist, in dem die gleichen Standards gelten und in dem
       Schutzmaßnahmen grenzüberschreitend und mit Blick auf die Auswirkungen in
       allen Ländern veranlasst werden.
       
       Es gibt keine europäische Gesundheitspolitik, sie ist allein Sache der
       Mitgliedstaaten. Das muss sich ändern. Wir brauchen mehr Europa, nicht
       weniger.
       
       15 Mar 2020
       
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 (DIR) Anja Krüger
       
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