# taz.de -- Fraktionsspitze der Linkspartei: Richtung Abgrund
       
       > Die alte Fraktionsspitze der Linken ist auch die neue. Das ist ein
       > Fehler. Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali hätten Platz machen müssen.
       
 (IMG) Bild: Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch bei der Fraktionssitzung der Linken am 25. Oktober
       
       Die Linken sind wie Lemminge. Auch nach dem Schock der Bundestagswahl ist
       keine echte Richtungsänderung erkennbar. Nun also die Wiederwahl von
       Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali als Fraktionsvorsitzende. Keine
       personelle Erneuerung, sondern Kontinuität ist angesagt.
       
       9,2 Prozent erreichte die Linkspartei bei der Bundestagswahl 2017. Zwei
       Jahre später bei der Europawahl noch 5,5 Prozent. Aktuell sind es [1][4,9
       Prozent]. Im kommenden Jahr wird in vier Ländern gewählt, darunter in
       Nordrhein-Westfalen. Autsch. Wahlniederlagen sind sicher nie allein
       einzelnen Personen anzulasten. Hinter der Misserfolgsserie der Linken
       stecken auch strukturelle Gründe: Die [2][demografische Talfahrt im Osten],
       die fehlende kommunale Verankerung im Westen.
       
       Manche Strukturen sind aber dennoch mit Personen verknüpft. So hat es vor
       allem [3][Bartsch als Fraktionschef] nicht vermocht, die mit Geld und
       Personal vergleichsweise üppig ausgestattete Fraktion zu einem Leuchtturm
       auszubauen. Stattdessen hat er ein fragiles Machtkonstrukt aus Pragmatikern
       und Orthodoxen gepflegt, die oft gegensätzliche Haltungen vertraten, etwa
       bei der Rolle Deutschlands in internationalen Konflikten oder der
       Positionierung zur EU. Getreue wurden in diesem Bündnis mit Posten belohnt,
       Widerspenstige kaltgestellt.
       
       Die Ex-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht werkelte derweil unbehelligt
       an ihrem Konkurrenzprojekt „Aufstehen“ und veröffentlichte Bücher, die
       angeblich niemand in der Fraktionsspitze las. Das Ergebnis: dissonante
       Vielstimmigkeit, inhaltliche Lähmung. Mohamed Ali kam zwar erst 2019 als
       Kompromisskandidatin ins Amt. Sie hat dieses Spiel jedoch mitgespielt und
       versäumt, sich mit eigenen Themen zu etablieren. Anfangs machte sie sich
       als Sprecherin für Landwirtschaftspolitik noch für Klimathemen stark,
       später warb sie für Dieselautos.
       
       Beide hätten Platz für einen Neuanfang machen müssen. So marschieren die
       Lemminge einfach weiter und die Fraktion hinterher. Wenn sich nichts
       ändert: Richtung Abgrund.
       
       26 Oct 2021
       
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