# taz.de -- Fluchtreflexe von Reiner Haseloff: Es nützt der AfD
       
       > Regierungschef Haseloff denkt darüber nach, Sachsen-Anhalt bei einem
       > AfD-Sieg zu verlassen. Dieses Signal verstärkt eher die Mutlosigkeit.
       
 (IMG) Bild: Ein Ministerpräsident mit Fluchtreflexen: Reiner Haseloff, Sachsen-Anhalts Regierungschef
       
       Sachsen-Anhalt wählt im nächsten Jahr einen neuen Landtag.
       CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte nun der Bild-Zeitung: „Wenn die
       AfD zur Macht käme, dann wäre für mich wirklich die Grundsatzüberlegung, ob
       ich nach 72 Jahren meine Heimat verlassen würde“. Das ist ein menschlich
       verständlicher Gedanke: Wer möchte schon gern in einem Land leben, in dem
       die AfD Regierungspolitik macht?
       
       Die CDU steht in Sachsen-Anhalt in Umfragen bei rund 30 Prozent, praktisch
       gleichauf mit der AfD. Ob Grüne und Linke es im Herbst 2026 in den Landtag
       schaffen, ist nicht ausgemacht. Regierungsoptionen ohne die AfD werden dann
       dünn. Wenn man angesichts dieser Ausgangslage Fluchtreflexe bekommt, ist
       das, wie gesagt, aus menschlicher Sicht verständlich. Als amtierender
       Ministerpräsident sollte man sich die aber nicht leisten.
       
       Das Signal, dass der Kapitän fluchtartig das Schiff „Demokratie“ verlässt,
       sollte es kommendes Jahr auflaufen, ist kein mutmachendes. Für
       zivilgesellschaftliche Initiativen, die unter rechten Anfeindungen und
       Bedrohungen unverdrossen Veranstaltungen organisieren wie zuletzt den
       [1][CSD in Wernigerode], ist es ein Schlag ins Gesicht. Im
       brandenburgischen Bad Freienwalde hatte es erst am Sonntag einen Angriff
       auf das [2][Stadtfest „Freienwalde bleibt bunt“] gegeben.
       
       Im Mai ließ der [3][Generalbundesanwalt junge Neonazis festnehmen], der
       Vorwurf: Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung. Es gibt eine
       [4][junge, gewaltbereite Szene,] welche offensichtlich die jetzt wieder
       öfter zitierten Baseballschlägerjahre zurück will. Das ist beängstigend.
       Umso mehr kommt es nun auf eine gewisse Breitschultrigkeit der
       demokratischen Parteien und ihrer Vertreter*innen an. Schwierig genug,
       dass das schwarz-rote Bekenntnis zu (linken) Demokratieförderprojekten im
       Koalitionsvertrag kein ganz eindeutiges ist.
       
       Verzagtheit und Mutlosigkeit, das Gefühl, dass sich ein amtierender
       Ministerpräsident im Zweifel vor allem für sich selbst interessiert und
       nicht für sein Bundesland, das nützt am Ende vor allem: der AfD.
       
       16 Jun 2025
       
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