# taz.de -- Burschtyn in der Ukraine: Leise rieselt der Dreck
       
       > In der ukrainischen Stadt Burschtyn ist der Schnee schwarz. Verdächtigt
       > wird ein Kohlekraftwerk, die Betreiber weisen jede Verantwortung von
       > sich.
       
 (IMG) Bild: Burschtyn gilt als das größte und schmutzigste Kohlekraftwerk der Ukraine
       
       Kiew taz | Die Menschen in der Nachbarschaft des Kohlekraftwerkes in der
       [1][westukrainischen Stadt Burschtyn] im Gebiet Iwano-Frankiwsk sind
       wütend. Seit Tagen hat der Schnee eine [2][schwarze Schicht], aber niemand
       will es gewesen sein.
       
       „So was Schwarzes habe ich in der Natur noch nicht gesehen“, zitiert das
       ukrainische Portal [3][Suspilne.media] Roman Ziniak, einen Bewohner von
       Burschtyn. „Ich bin vorgestern aus dem Krankenhaus entlassen worden. Dort
       kann man nicht aus dem Fenster sehen. Nein, so etwas habe ich noch nicht
       gesehen“, sagt er.
       
       Ganz im Gegensatz zu Ziniak wundert sich eine Nadeschda, die nicht mit
       Nachnamen genannt werden will, überhaupt nicht über den schwarzen Schnee.
       „Der Schnee ist jeden Winter schwarz in unserer Stadt“, so Nadeschda zu
       [4][Suspilne.media].
       
       Sie vermutet, dass das Kraftwerk einfach nachts die Filter abgeschaltet
       habe. Ständig müsse sie die Fenster putzen. Lange schon habe sie aufgehört,
       ihre Wäsche vor dem Haus aufzuhängen. „Die Bäume sind alle gestresst – die
       Apfelbäume, Kirschbäume, Pfirsichbäume, Aprikosenbäume. Und dann diese
       Schwärze unten im Brunnen. Und niemand fühlt sich dafür zuständig“,
       schimpft sie.
       
       ## Burschtyn gilt als schmutzigstes Kraftwerk in der Ukraine
       
       Beim Betreiber des Kraftwerkes, der Firma DTEK des Oligarchen Rinat
       Achmetow, weist man jegliche Schuld von sich. Man habe keine Verletzung der
       Vorschriften in den letzten Tagen feststellen können, heißt es in einer
       Presseerklärung zu den Meldungen über den schwarzen Schnee. Alle
       Kraftwerksblöcke in Burschtyn seien mit Elektrofiltern ausgestattet. Man
       achte darauf, dass die zugelassenen Höchstwerte nicht überschritten werden.
       Schmutziger Schnee, so der Konzern, entstehe beim Heizen von festen
       Brennstoffen wie Kohle, Holz oder Pellets aus Heizkesseln, Fabriken und
       anderen Gebäuden der Region.
       
       Unterdessen hat der ukrainische Premierminister Denys Schmyhal eine
       Bestrafung der Schuldigen des Unfalls im Kohlekraftwerk Burschtyn
       gefordert. Dort waren am 28. November 2021 bei einem Rohrbruch heißer
       Dampf, ein Wassergemisch und Gase ausgetreten. Ein Mitarbeiter starb, drei
       wurden verletzt. Wenig später wurde Kraftwerksdirektor Walerij Chomjakow
       entlassen.
       
       Burschtyn, in den 60er Jahren gebaut, gilt als das größte und schmutzigste
       Kohlekraftwerk der Ukraine. Der derzeitige Premier Denis Schmygal war 2018
       und 2019 Direktor dieses Kraftwerkes. Burschtyn ist das einzige ukrainische
       Kraftwerk, das mit der Energieerzeugung in westlichen Ländern
       synchronisiert ist und Strom nach Rumänien, Ungarn und in die Slowakei
       exportiert und auch von dort importieren kann. Die Ukraine bezieht darüber
       hinaus nur von Russland, Belarus und der Republik Moldau Strom. Spätestens
       2023 mit dem Anschluss der Ukraine an das europäische Netz ENTSO-E soll
       sich das ändern. Die dafür erforderlichen Testläufe sind für 2022 geplant.
       
       In den ersten acht Monaten 2021 ging knapp ein Drittel des in Burschtyn
       produzierten Stroms nach Ungarn, Rumänien und die Slowakei, berichtet der
       betreibende DTEK-Konzern. Im gleichen Zeitraum 2020 war es sogar knapp die
       Hälfte. Das westukrainische Portal varianty.Iviv.ua wartet noch mit anderen
       Daten auf: 2018 habe das Kohlekraftwerk mit seinen 12 Blöcken und einer
       Kapazität von 2.400 MW insgesamt 183.000 Tonnen Schadstoffe in die Luft
       abgegeben.
       
       18 Dec 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kohlekraftwerke-in-der-Ukraine/!5803034
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=F1r3t8Phe68
 (DIR) [3] https://suspilne.media/190185-u-galici-poblizu-burstinskoi-tes-vipav-cornij-snig-golova-gromadi-iniciue-zvernenna-do-zelenskogo/
 (DIR) [4] https://suspilne.media/190185-u-galici-poblizu-burstinskoi-tes-vipav-cornij-snig-golova-gromadi-iniciue-zvernenna-do-zelenskogo/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ukraine
 (DIR) Kohlekraftwerke
 (DIR) Umweltverschmutzung
 (DIR) Emissionen
 (DIR) Schwerpunkt Flucht
 (DIR) Russland
 (DIR) Minsker Abkommen
 (DIR) EU-Osterweiterung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Offener Brief zur Fluchtpolitik der EU: Politisch instrumentalisiert
       
       Die Lage der Geflüchteten an der polnisch-belarusischen Grenze ist inhuman.
       Dieser Brief ist ein Appell an Europa, sich nicht zu einem rechtsfreien
       Raum zu entwickeln.
       
 (DIR) Ukraine-Krise: EU droht Russland mit Sanktionen
       
       Die EU warnt Moskau: Weitere Aggressionen gegen die Ukraine würden „hohe
       Kosten“ haben. Lettland will Nord Stream II als Druckmittel einsetzen.
       
 (DIR) Entwicklungen im Ukraine-Konflikt: Zurück an den Verhandlungstisch
       
       Die EU sichert der Ukraine Solidarität im Konflikt mit Russland zu. Auch
       die USA sollen an einer Friedenslösung mitwirken.
       
 (DIR) Östliche Partnerschaft: Noch viel Spielraum für Reformen
       
       Sehr erfolgreich ist die EU in Sachen Östliche Partnerschaft bislang nicht
       gewesen. Gerade jetzt wäre eine engere Anbindung bitter nötig.