# taz.de -- Australiens konservative Regierungspartei: Malcolm Turnbull stürzt Tony Abbott
       
       > Der erzkonservative Abbott verliert das Vertrauen der Liberalen Partei.
       > Das Amt des Regierungschefs geht an den moderaten Malcolm Turnbull.
       
 (IMG) Bild: Turnbull wird Australiens neuer Premier, nachdem er in einer parteiinternen Abstimmung über Tony Abbott siegte.
       
       Canberra taz | Australiens Premierminister Tony Abbott wird nach nur zwei
       Amtsjahren abgelöst. Die konservative Liberale Partei wählte am Montagabend
       den 60-jährigen Exinvestment-Banker und Anwalt Malcolm Turnbull zum neuen
       Vorsitzenden.
       
       Damit übernimmt der bisherige Kommunikationsminister Turnbull nach
       Vereidigung durch den Generalgouverneur am Dienstag automatisch auch das
       Amt des Regierungschefs. Abbott unterlag Turnbull mit 44 zu 54 Stimmen
       
       Abbott scheiterte an seinen schlechten Umfragewerten, die auf eine
       Niederlage bei den 2016 anstehenden Wahlen deuteten. Beobachter machten
       seinen aggressiven Stil für seine schwindende Beliebtheit verantwortlich.
       
       Auch Kabinetts- und Parteikollegen beschwerten sich regelmäßig über seinen
       autokratischen und gelegentlich erratischen Führungsstil. Im Januar hatte
       Abbott ohne Konsultation den britischen Prinzen Philip, Gatten von Königin
       Elisabeth II., zum australischen Ritter ernannt. Kurz darauf hielt die
       Partei eine erste Vertrauensabstimmung, die Abbott noch gewann.
       
       ## Abbott wurde immer unbeliebter
       
       Eingeläutet hatte Abbotts Niedergang der im Mai 2014 veröffentlichte
       Haushaltsplan, den weite Teilen der Bevölkerung als ungerecht empfanden.
       Vor allem wohlhabende Personen und Firmen sollten profitieren, während
       Sozialhilfeempfänger und Lehrstätten ihre Unterstützung gekürzt sahen.
       
       Mit Turnbulls Wahl dürfte sich Australiens Politik verändern. Der
       Multimillionär gilt als wesentlich moderater als sein Vorgänger. Turnbull
       befürwortet im Gegensatz zum erzkonservativen Katholiken Abbott die Homoehe
       und will, dass Australien eine Republik wird.
       
       Vor allem im Bereich der Umweltpolitik dürfte er eine neue Richtung
       einschlagen. Turnbull hält anders als Abbott den Klimawandel für eine
       ernsthafte Bedrohung.
       
       Im Vorfeld der Abstimmung hatte Turnbull darauf hingewiesen, dass die
       Wirtschaft das Vertrauen in die Regierung verloren habe. „Wir brauchen mehr
       als Parolen. Wir müssen die Intelligenz der Leute akzeptieren“, so der
       designierte Premier mit einem Seitenhieb auf Abbott.
       
       ## Vorerst keine Änderung der Flüchtlingspolitik erwartet
       
       Dieser hatte noch vor Tagen gemeint, die größte Leistung seiner Regierung
       sei gewesen, die Flüchtlingsboote zu stoppen, die von Indonesien nach
       Australien kommen wollten.
       
       Kommentatoren glauben, Turnbull werde in absehbarer Zeit kaum die von
       Amnesty International als „unmenschlich“ verurteilte Flüchtlingspolitik der
       Abschreckung mildern, um den einflussreichen rechten Flügel seiner Partei
       nicht noch mehr zu verstimmen.
       
       14 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Urs Wälterlin
       
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