# taz.de -- Das Ding, das kommt: Auf die Kunst geschissen
       
 (IMG) Bild: Am Klo führt für die Kunst seit Duchamps kein Weg vorbei. In Hamburg bespielt Andreas Slominski jetzt mit über 100 Plastikklos die Deichtorhallen
       
       Einfach runterspülen geht nicht: Seit Marcel Duchamps Urinal-Readymade
       „Fountain“ bereitet das Klo der Kunst Verdauungsprobleme. Vor allem
       Männern: Mit einem phallischen Hammer hat Pierre Pinoncelli drauf
       eingeschlagen. Kendell Geers hat in Venedig reingepisst, Björn Kjelltoft in
       Stockholm. Brian Eno hat seinen Urin durch eine Spalte im schützenden
       Glaskasten laufen lassen, die chinesischen Performancekünstler Yuan Chai
       und Jian Jun Xi hingegen sind am Überzug aus Polymethylmethacrylat
       gescheitert.
       
       Ein ganzes Genre von Klo-Kunst gibt’s heute: Toiletten werden in Kunstwerke
       oder Ausstellungsräume verwandelt; Kunst wird in Schulklos gehängt, um
       Vandalismus zu verhindern; Kunstprofessorinnen ahmen auf Flugzeugtoiletten
       mit Papier-Sitzüberzügen Vermeer-Gemälde nach. Oder man bietet
       Künstlerscheiße in Konservendosen an. Und wenn einem gar nichts einfällt,
       verkauft man dem Guggenheim-Museum ein 18-karätiges Goldklo, damit jeder
       auf die Kunst scheißen kann, wie gerade eben der italienische Künstler
       Maurizio Cattelan.
       
       Ein bisschen schlauer macht’s Andreas Slominski. Der hat in Berlin vor vier
       Jahren ein rotes Plastikmietklo in eine Galerie gestellt, hat
       Toilettensitz, Kleiderhaken, Verriegelung und Toilettenpapierhalter an die
       Wände genagelt und das Ganze „Ecce Homo“ genannt. In den Deichtorhallen in
       Hamburg hat er das Projekt jetzt noch mal höher gehängt: Mehr als hundert
       Plastik-Toilettenhäuschen hat er in Reihen aufgestellt, an die Wand
       gestellt und von der Decke hängen lassen. Und deren Innereien abermals an
       den Wänden arrangiert.
       
       Mehr als Wiederkäuen geht eben nicht: Mittendrin ist eine der Fallen
       versteckt, mit denen er in den 1980ern bekannt wurde. Eine Mäusefalle mit
       Speck drin: Wer da anbeißt hat wieder ein Verdauungsproblem. MATT
       
       „Andreas Slominski. Das Ü des Türhüters“: Sa, 14. Mai, bis So, 21. August,
       Hamburg, Deichtorhallen/Haus für aktuelle Kunst
       
       14 May 2016
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Robert Matthies
       
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