# taz.de -- Abschied vom linken Dreamteam: Geoman schweigt für immer
> Ab 1. Januar 2016 hat die taz eine neue Druckerei. Der legendäre „Henke
> Pressedruck“, mit dem die taz seit 1989 zusammenarbeitet, schließt.
(IMG) Bild: Hat ab 31. Dezember 2015 ausgedient: Die Geoman-Druckmaschine – 17 Meter hoch, 36 Meter lang, abertausende tazzen wurden von ihr in über zwei Jahrzehnten gedruckt.
Ab Januar hat die taz eine neue Druckerei. Das klingt erst einmal
unspektakulär, markiert tatsächlich aber eine Zeitenwende. Mehr als 25
Jahre lang wurde die Berlin-Ausgabe der taz, die in fast ganz
Ostdeutschland erscheint, bei Henke Pressedruck in Berlin gedruckt.
Henke, zunächst noch im Kollektiv arbeitender Betrieb des Autodidakten Rolf
Henke, und die der publizistischen Gegenkultur verpflichtete taz: Ein
Dreamteam der linksalternativen Szene war das. Zuletzt aber gehörte die taz
zu Henkes letzten Kunden. Das Stadtmagazin Zitty, das Rostocker Tageblatt,
das Anzeigenblatt Zweite Hand – alle weg. Im Zuge der Digitalisierung
brechen die Auflagen gedruckter Publikationen – auch die der taz – stark
ein. Die Folge: Kleine und mittlere Druckereibetriebe gehen reihenweise
ein, während wenige Großbetriebe die verbliebenen Druckaufträge unter sich
aufteilen.
Für Henke in Hohenschönhausen lohnt sich das Drucken nicht mehr: Zum
Jahresende schließt der Betrieb, für den zuletzt noch 20 Mitarbeiter tätig
waren. Am 30. 12. 2015 läuft die letzte taz vom Band. Dann gehört die
tapfere „Geoman“, dieses 17 Meter hohe und 36 Meter lange Maschinenungetüm
mit seinen begehbaren Etagen, Rollenträgern und Falzwerken, das seit zwei
Jahrzehnten tazzen am laufenden Band ausspuckt, endgültig zum alten Eisen.
## Bloß keine eigenen Produktionsmittel
Für den Unternehmer Rolf Henke geht das Leben trotzdem weiter: Seine zweite
Druckerei in Köln, die vor allem Magazine druckt, floriert. Und privat hat
sich Henke längst neuen Visionen zugewandt: Er betreibt einen Biohof in der
Uckermark und hat dort einen Bodenfonds für ökologische Landwirtschaft
gegründet. Zeitungsdruck – offensichtlich kein Markt der Zukunft.
Und die taz? Spontane Überlegungen, die Druckmaschine zu kaufen und in den
Keller des neuen taz-Hauses zu stellen, hatten nur eine kurze
Halbwertszeit. Nicht nur weil der Platz im neuen Domizil bereits restlos
verplant ist. Sondern auch, weil man sich bereits zu taz-Gründerzeiten
dagegen entschieden hatte, sich den Besitz eigener Produktionsmittel
aufzuhalsen. So will man es auch künftig halten.
Die taz suchte also nach einer neuen Druckerei in Berlin, die das kleine
taz-Format produzieren kann. Doch überraschenderweise gibt es in Berlin
keinen Betrieb mehr, dessen Maschinen das Berliner Format können. Berlin,
die Stadt, in der ihr ureigenes Zeitungsformat nicht mehr gedruckt wird.
Was also tun?
Auf größerem Format drucken und die Ränder abschneiden? Nein, das wäre
ökologischer und auch produktionstechnischer Wahnsinn. Die ganze Zeitung
neu konzipieren, mit neuem Format? Zu viel Aufwand und zu groß die Gefahr,
dass dabei LeserInnen dauerhaft verprellt werden. Die Verbindung zwischen
Zeitung und LeserInnen hat eine spezielle haptische Komponente, die nicht
unterschätzt werden darf.
Nun wird gut zwei Autobahnstunden von Berlin entfernt gedruckt, in
Wittenburg bei Schwerin. Für die Arbeit der Redaktion, besonders für die
Kollegen im Berlinressort, bedeutet dieser Wechsel einen gravierenden
Einschnitt. Denn der Redaktionsschluss verschiebt sich durch die neue
Fernbeziehung nach vorne. Wir werden also alle ein wenig umdenken müssen,
unsere Arbeit anders organisieren. Aber für Meinung, Analyse, Hintergrund
wird auch im neuen Jahr genug Zeit sein. Versprochen!
[1][NINA APIN] war Redakteurin der taz Berlin und ist ab Januar 2016 neue
Leiterin im Meinungsressort der taz.
28 Dec 2015
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(DIR) Nina Apin
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