# taz.de -- Tipps fürs anonyme Surfen: Anleitung zum Ausbruch
       
       > Wollen Sie nicht, dass der Staat Ihre Spur im Internet verfolgen kann?
       > Dann folgen Sie dem Beispiel von Kusine Sarah und der Rheumaliga.
       
 (IMG) Bild: Jüngst vergeblich demnonstriert. Nun heißt es: Hilf Dir selbst!
       
       Alle Bürgerinnen und Bürger sollen ab 1. 1. 2008 semitotal überwacht
       werden. Kusine Sarah möchte nicht warten, "bis die Revolution gekommen
       ist", sondern sich schon heute vor den ungerechtfertigten
       Überwachungsangriffen des ehemaligen Rechtsstaats schützen. Sie möchte
       unbeobachtet mit ihrer Tante Frieda kommunizieren.
       
       Tante Frieda sammelt in ihrem Blog immer die besten Back- und Kochrezepte.
       Sarah hat Zwiebelsuppe geplant und nutzt stilgerecht das Tor-Netzwerk (Tor
       heißt "The Onion Router" - der Zwiebelrouter). Die Verbindung von Sarahs
       Rechner wird über drei weitere zufällig ausgewählte Tor-Server im Internet
       geroutet, bis sie Tante Friedas Blog erreicht. Weder der Provider noch
       Tante Frieda noch die Kripo bekommen nun mit, dass und was Sarah im Netz
       abruft.
       
       Sarah hat sich die Software beim FoeBuD kostenlos heruntergeladen [1].
       Tante Frieda machte es sich einfacher und kaufte dort den PrivacyDongle
       [2], auf dem die Software bereits installiert ist. Friedas Mutter hat im
       "Computerkurs für Senioren" noch JAP kennengelernt, ein deutsches
       Forschungsprojekt zur Anonymisierung von Webzugriffen, das so ähnlich wie
       Torpark funktioniert, aber deutschen Ermittlern ermöglichen muss, auf
       Anfrage die Daten bestimmter Surfer unter Umgehung der Anonymisierung zu
       speichern [3].
       
       Wenn auch Telefonate in den großen Überwachungspool fließen, muss man
       ausweichen. Sarah, Frieda, ihre Mutter und mittlerweile die gesamte
       Rheumaliga telefonieren mittels ihrer Laptops, an die sie Kopfhörer mit
       Mikrofon angeschlossen haben. Skype heißt die bekannteste Software dafür
       [4].
       
       Telefonverbindungen via Skype lassen sich, wie jede normale
       Internetverbindung auch, ebenfalls über das Tornetzwerk umleiten und
       verschleiern. Das geht auch unterwegs: aus dem anonymen Internetcafé heraus
       oder wenn sich in der Nachbarschaft ein offenes Wlan findet.
       
       Und offene Wlans wird es immer mehr geben [5]: Denn warum sollte man im
       Flatrate-und Überwachungszeitalter so asozial sein und sein Wlan zumachen?
       
       Einfacher mit dem Handy zu telefonieren geht auch: Bei jedem
       Dienstagstreffen der Damen gibt's das große Rotieren der SIM-Karten. Und
       alle paar Wochen werden die Karten, die nur noch geringe Restwerte drauf
       haben, an Bedürftige verschenkt. Neue Karten werden ausschließlich auf dem
       Flohmarkt gekauft. Anonym, versteht sich. Auch weitere Quellen gibt's:
       Friedas Tochter ist Pilotin und bringt immer neue SIM-Karten aus China mit.
       
       Wichtig ist eine gute Firewall-Lösung [6]. Das hält einem nicht nur
       Blödmänner, die unser offenes Wlan nutzen, weg von unseren Rechnern,
       sondern auch den einen oder anderen Bundestrojaner. Sandra, die Fridas
       Mutter und den Rest der Rheumaliga in die vielfältigen Möglichkeiten der
       Computerkommunikation einführt, hat diesem Thema besonders viel Raum
       gegeben. Dieses Wissen kann Sarah nun auch in ihrer Firma nutzen.
       
       Und nachdem dem Praktikanten in Sarahs Firma der Laptop gestohlen worden
       ist, wird peinlich darauf geachtet, dass die Festplatten aller ihrer
       Rechner verschlüsselt sind. Kursleiterin Sandra empfahl dafür die Software
       Truecrypt [7].
       
       Alle aber sind sich darin einig, dass eine Demokratie und Leben in Freiheit
       schöner wären. Deshalb arbeiten sie politisch, spenden an den FoeBuD e. V.
       [8] und mobilisieren mit bei den Aktionen des Bündnisses gegen die
       Vorratsdatenspeicherung [9].
       
       Unser Autor padeluun ist Mitgründer des FoeBuD e.V. Der FoeBuD ist
       Organisator und Jurymitglied der BigBrotherAwards und Bündnispartner der
       ersten Stunde im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. padeluun tritt
       ausschließlich unter seinem Pseudonym auf.
       
       11 Nov 2007
       
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 (DIR) Schwerpunkt Überwachung
       
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