# taz.de -- Freie Wähler nach Aiwanger: Gesicht gesucht
> Die Freien Wähler brauchen einen Nachfolger für den verstorbenen Hubert
> Aiwanger. Und noch einen. Und noch einen … Keine leichte Sache.
(IMG) Bild: Fraktionschef Florian Streibl hier mit Hubert Aiwanger im April diesen Jahres
Und jetzt? [1][Nach dem ersten Schock] stellt sich in Bayern die Frage, wie
es ohne Hubert Aiwanger weitergeht. Eine Frage, die natürlich vor allem die
Freien Wähler selbst beschäftigt. Während Ministerpräsident Markus Söder
(CSU) [2][Trauerbeflaggung an staatlichen Dienstgebäuden angeordnet] hat
und im Prinz-Carl-Palais ein Kondolenzbuch auslegen lässt und die
Staatsanwaltschaft in Berlin ein mögliches Fremdverschulden beim Tod des
stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten und Freie-Wähler-Chefs
ausschließt, muss dessen Partei Zukunftspläne für die Zeit danach schmieden
– etwas, wovon sie bis Mittwochabend noch getrost annehmen konnte, dass es
in sehr weiter Ferne liege.
Aiwanger war am Mittwoch völlig unerwartet während eines Berlin-Aufenthalts
gestorben. In der Hauptstadt wollte er unter anderem ein neues Parteibüro
eröffnen. Wegen Unwohlseins hatte er sich bei dem Termin kurzfristig
vertreten lassen. Am frühen Abend wurde er in seinem Hotelzimmer leblos
aufgefunden.
Aiwanger war nicht nur bayerischer Vize-Ministerpräsident,
Wirtschaftsminister und Landtagsabgeordneter, sondern auch Chef der Freien
Wähler sowohl auf bayerischer als auch auf Bundesebene. Beim Parteitag am
14. November in Geiselwind wollte sich Aiwanger als Bundesvorsitzender
bestätigen lassen. Der Parteitag wurde nun verschoben. Dabei ist die
Neubesetzung dieses Amtes keine die wohl leichteste Übung für die Freien
Wähler.
## Eigentlich drei Parteien
Wobei man eigentlich von drei verschiedenen Parteien spricht, wenn man von
den Freien Wählern spricht. Da sind zum einen die Freien Wähler auf der
kommunalen Ebene. Sie sind eine über Jahrzehnte gewachsene politische
Kraft, die ihre Starke aus Persönlichkeiten vor Ort zieht. Auf dem Land
stellen sie in Bayern zahlreiche Landräte, Bürgermeister, Gemeinderäte. Bei
den jüngsten Kommunalwahlen im März schnitten sie besonders gut ab – im
Gegensatz zur CSU, die vor allem in den Stichwahlen viele Landratsämter und
Rathäuser verlor. An der Stärke der Freien Wähler auf kommunaler Ebene
dürfte sich kaum etwas ändern.
Daneben gibt es noch die Freien Wähler auf Bundesebene – eine
Splitterpartei, die in der Bundespolitik eine zu vernachlässigende Größe
ist. Dann aber ist da noch die Landespartei – gewissermaßen das Lebenswerk
Aiwangers. Mit 37 Abgeordneten sitzt sie im Bayerischen Landtag, mit vier
Ministern und einem Staatssekretär im Kabinett. Für sie wiegt Aiwangers Tod
politisch am schwersten.
Aiwanger war der starke Mann der Freien Wähler im Landtag, seit 2018 auch
in der Staatsregierung. Im Wirtschaftsministerium wird erst mal
Staatssekretär Tobias Gotthardt die Geschäfte übernehmen. Am Wochenende
wollen sich die Vorstände der Bundes- und der Landespartei sowie die
Landtagsfraktion zusammensetzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
## Schwierige Suche nach Schwergewichten
Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, wer Aiwanger in welcher Position
nachfolgt. Gotthardt wäre zwar fachlich gesehen eine naheliegende Lösung
für die Neubesetzung des Wirtschaftsministeriums, gilt aber nicht als
besonderes Schwergewicht der Partei. Wobei sich die Frage stellt, wer das
neben Aiwanger überhaupt tut.
Zumindest Fraktionschef Florian Streibl könnte man dies zuschreiben. Er
dürfte in jedem Fall eine wichtige Rolle bei der Suche nach Nachfolgern
spielen. Ob er selbst an einem Wechsel in die Regierung oder dem
Parteivorsitz interessiert ist, ist nicht bekannt. Als besonders ehrgeizig
gilt der 37-jährige Digitalminister Fabian Mehring, dem nachgesagt wird,
sich jedes Amt zuzutrauen. Zur ersten Reihe der Freien Wähler gehören auch
Kultusministerin Anna Stolz und Umweltminister Thorsten Glauber. Bekannte
Gesichter der Partei sind zudem Stolz’ Vorgänger Michael Piazolo und
[3][der stellvertretende Landtagspräsident Alexander Hold]. Ersterem fehlt
allerdings als Städter und Professor die in der Partei so wichtige
Bierzelttauglichkeit, Zweiterer engagiert sich gerade wieder verstärkt
außerhalb der Politik – als Fernsehrichter auf Sat1.
Streibl beschrieb Aiwanger am Donnerstag nicht nur als
„Ausnahme-Politiker“, sondern auch als „das Gesicht der Freien Wähler“.
Anwärter, die Aiwanger in dieser entscheidenden Funktion nachfolgen
könnten, hat die Partei derzeit freilich nicht.
5 Nov 2026
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