# taz.de -- Schock in Bayern: Hubert Aiwanger ist tot
       
       > Bayerns stellvertretender Ministerpräsident und Freie-Wähler-Chef Hubert
       > Aiwanger ist unerwartet gestorben. Er wurde nur 55 Jahre alt.
       
 (IMG) Bild: Hinterlässt auch politisch gleich mehrere Lücken: verstorbener Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger
       
       [1][Hubert Aiwanger], Chef der Freien Wähler, war am Mittwoch in Berlin,
       wollte Termine für seine Partei wahrnehmen. Nachmittags hatte er sich
       allerdings bei einem Termin vertreten lassen: Er habe über Unwohlsein
       geklagt und sich in sein Hotel in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße
       zurückgezogen. [2][Am frühen Abend wurde er dann in seinem Hotelzimmer
       leblos aufgefunden]. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte den Tod des
       Politikers. Es sei ein „Todesermittlungsverfahren“ eingeleitet worden, um
       „die konkrete Todesursache und den Hergang des Todes herauszufinden sowie
       ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen“, hieß es.
       
       Der 55-jährige Niederbayer hinterlässt seine Partnerin, die Regensburger
       Landrätin Tanja Schweiger (ebenfalls Freie Wähler), und zwei gemeinsame
       Söhne. Aiwangers Eltern verlieren ihren Sohn.
       
       Auch politisch hinterlässt Aiwanger gleich mehrere Lücken: Er war nicht nur
       bayerischer Vize-Ministerpräsident, Wirtschaftsminister und
       Landtagsabgeordneter, sondern auch Parteichef sowohl auf Landes- als auch
       auf Bundesebene. Übernächste Woche hätte seine Wiederwahl als
       Bundesvorsitzender angestanden.
       
       ## Flugblattaffäre erschütterte bayerische Politik
       
       Während die Freien Wähler in Bayern seit vielen Jahrzehnten auf kommunaler
       Ebene sehr stark sind, ist ihre Etablierung auf Landesebene nahezu allein
       Aiwangers Werk. Er brachte die Partei 2008 in den Landtag, zehn Jahre
       später als Juniorpartner der CSU in die bayerische Staatsregierung.
       [3][Eine CSU-Alleinregierung, früher in Bayern der Normalfall, ist heute
       kaum noch vorstellbar.]
       
       Der streitbare Politiker sorgte für – gelinde gesagt – Unruhe in der
       bayerischen Politik. Vor den vergangenen Landtagswahlen im Jahr 2023 fiel
       er zunächst mit populistischen Tönen auf. So forderte er auf einer von der
       umstrittenen früheren Kabarettistin Monika Gruber organisierten
       Demonstration in Erding, „die schweigende Mehrheit“ müsse sich „die
       Demokratie zurückholen“. Wenig später folgte die Flugblattaffäre. Zu
       Schulzeiten war bei Aiwanger ein besonders ekelerregendes antisemitisches
       Flugblatt gefunden worden, als dessen Urheber er verdächtigt wurde. Laut
       Aiwanger hatte allerdings sein Bruder das Pamphlet verfasst. Mit der Affäre
       brachte er die Staatsregierung damals in die Krise. Seiner Partei schadete
       sie allerdings nicht. Bei den Wahlen 2023 schnitt sie mit 15,8 Prozent
       besonders gut ab.
       
       Wer nun in Partei und Regierung Aiwanger nachfolgen wird, ist völlig offen.
       Auf Landesebene ist die Partei stark auf ihren Chef zugeschnitten. Als
       klarer Nachfolger sticht niemand hervor. Eine entscheidende Rolle in dem
       Personalfindungsprozess dürfte Florian Streibl zukommen, dem Fraktionschef
       der Freien Wähler im bayerischen Landtag.
       
       ## „Idealtypische Verkörperung eines Bayern“
       
       Im Wirtschaftsministerium wird zunächst Staatssekretär Tobias Gotthardt,
       ebenfalls ein Freier Wähler, die Geschäfte übernehmen. Gotthardt erreichte
       die Nachricht von Aiwangers Tod auf einer Dienstreise nach Singapur, die er
       daraufhin abbrach. „Die Nachricht von Huberts plötzlichem Tod trifft mich
       zutiefst, ist für uns alle unbegreifbar“, ließ Gotthardt vermelden. „Bayern
       verliert mit ihm einen Herzensmenschen für die Heimat, einen
       Menschenfreund, der immer und mit aller Kraft für die Menschen im Freistaat
       gewirkt hat. Sein Wirken, aber auch sein Lächeln wird in dieser Welt
       fehlen.“
       
       Auch Streibl äußerte seine Bestürzung und beschrieb Aiwanger als
       „idealtypische Verkörperung eines Bayern: fleißig, bodenständig,
       zuverlässig, klar in der Meinung, verbindlich und als Mensch, Freund und
       Politiker immer für andere da“.
       
       Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder, dessen Verhältnis zu
       Aiwanger man zumindest als schwierig bezeichnen dürfte, meldete sich auf X
       zu Wort: „Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute
       Tragödie. Wir sind alle zutiefst geschockt. Unsere Gedanken sind nun zuerst
       bei seiner Familie und seinen Kindern.“ Und Landtagspräsidentin Ilse Aigner
       (CSU) schrieb auf Instagram: „Sein völlig unerwarteter Tod ist ein schwerer
       Verlust für den Bayerischen Landtag und für die gesamte Politik in Bayern.“
       
       5 Nov 2026
       
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