# taz.de -- Surfsport in Senegal: Leben mit und vom Meer
       
       > Die Olympischen Jugendspiele in Dakar bieten auch Begegnungssport.
       > Afrikas Surfer wollen bekannter werden – und auf Plastikmüll aufmerksam
       > machen.
       
 (IMG) Bild: Wie es sich anfühlt, wenn die Welle bricht, kann man in Dakar derzeit virtuell und analog erleben
       
       Das Wasser spritzt zu allen Seiten, als Cherif Fall eine 360-Grad-Drehung
       mit seinem Surfbrett hinlegt. Trotz der verhältnismäßig kleinen Wellen an
       diesem Tag liefern die rund 22 Surfer aus acht afrikanischen Ländern eine
       gute Show ab. Kommentator René Laraise jubelt ins Mikrofon und feuert an.
       Cherif Fall ist als mehrfacher Senegal- und Afrika-Meister einer der besten
       Surfer des Kontinents.
       
       In Dakar sind am Samstag [1][die Olympischen Jugend-Sommerspiele (JOJ) 2026
       eröffnet worden]. Mit riesigem Aufgebot von mehr als 1.000 Darstellern,
       einer Lichtshow, Nebelmaschinen und zahlreichen Star-Gästen wurde das erste
       olympische Event auf dem Kontinent unter dem donnernden Applaus von
       tausenden Zuschauern gebührend eröffnet. Die Inszenierung rückte das reiche
       kulturelle Erbe Afrikas in den Mittelpunkt und damit auch die historische
       Premiere, dass erstmals eine olympische Veranstaltung auf dem afrikanischen
       Kontinent ausgetragen wird. Die Zuschauer im 50.000 Plätze fassenden
       Abdoulaye-Wade-Stadion in Senegal wurden dabei von drei Generationen einer
       symbolischen Familie durch die Zeremonie geführt.
       
       Während „Mutter Alkebulan“ die Werte und Traditionen der Vorfahren
       verkörperte, stand ihr Sohn Keb für das heutige Afrika. Die dritte
       Generation, das junge Mädchen Sitoé, symbolisierte die Zukunft des
       Kontinents, und damit auch den Geist der Olympischen Jugendspiele. Für
       Deutschland trugen die Judoka Jolina Reinhard und der Beach Volleyballer
       Filo Wuest während der Eröffnungsparade die Flagge.
       
       Insgesamt 2.655 junge Sportler aus 205 Delegationen werden bis zum 13.
       November in den senegalesischen Städten Dakar, Saly und Diamniadio in 25
       Wettkampf-Sportarten gegeneinander antreten. Darüber hinaus finden noch
       zehn weitere sogenannte Begegnungssportarten statt, darunter Kajak, Golf,
       moderner Fünfkampf, Sportklettern und Surfen. Die Sportarten außerhalb der
       Wettkampf-Wertung sollen vor allem der lokalen Bevölkerung und
       Interessierten die Möglichkeit geben, die Sportarten kennenzulernen, mit
       Athleten in Kontakt zu kommen und selbst auszuprobieren.
       
       ## Leidenschaft statt Bestzeiten
       
       Über drei Tage verteilt organisiert der Senegalesische Surfverband daher
       Aktivitäten entlang der Strände von Dakar. Dabei geht es nicht um perfekte
       Bedingungen oder Bestzeiten, sondern darum, die Leidenschaft für den Sport
       zu teilen. Es werden Tricks vorgeführt, Fähigkeiten auf dem Brett
       ausprobiert und kleine Wettkampfsituationen nachgestellt.
       
       Mit dabei sind unter anderem Surferinnen und Surfer aus Liberia, Ghana,
       Angola, Mosambik und Marokko. „[2][Afrikas Surfszene] ist insgesamt noch
       ziemlich unbekannt“, sagt Surfcoach Philip Banini aus Liberia. „Wir haben
       fantastische Wellen, aber nur wenige Leute wissen davon“. Die Demonstration
       soll deshalb auch die vielen Surfspots und Möglichkeiten auf dem Kontinent
       bekannter machen.
       
       ## Meer ist bedroht
       
       Doch wer von und mit dem Meer lebt, weiß auch, wie bedroht dieses ist.
       Einer, der sich in Senegal seit Jahren für den Schutz der Meere einsetzt,
       ist Babacar Thiaw. Der passionierte Surfer störte sich schon früh an dem
       [3][Plastikmüll, der zwischen den Wellen trieb], in denen er selbst
       regelmäßig unterwegs war. Statt sich damit abzufinden, begann er, Menschen
       für das Problem zu sensibilisieren. Als einer der Ersten machte er aus dem
       Familienrestaurant am Strand von Virage ein Zero-Waste-Restaurant. Seit gut
       zehn Jahren ist Plastik dort tabu.
       
       Inzwischen hat Thiaw die Surfrider Foundation Senegal gegründet und
       organisiert regelmäßig Strandreinigungen. Das Bewusstsein für
       Umweltverschmutzung sei noch wenig ausgeprägt: „Für Menschen, die
       tagtäglich ums Überleben kämpfen, hat das Thema keine Priorität“, sagt
       Thiaw. Dabei ist die Verschmutzung der Küsten insbesondere vor den Toren
       der Millionenstadt Dakar ein drängendes Thema. Die Olympischen Jugendspiele
       wollen die Surfer daher auch nutzen, um darauf aufmerksam zu machen.
       
       Am Place du Souvenir Africain, entlang der Küstenpromenade von Dakar, wo
       sonst Skater ihre Runden drehen, sind dieser Tage etliche Infostände zu den
       Begegnungssportarten aufgebaut worden. Beim Surfen können Besucher eine
       3-D-Brille aufsetzen, virtuell in eine Welle eintauchen, die Bewegungen auf
       dem Brett nachahmen und erleben, wie es ist, wenn eine Welle über ihnen
       bricht. Dass dabei auch die Schönheit und Schutzbedürftigkeit des Meeres
       vermittelt werden, versteht sich fast von selbst.
       
       2 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helena Kreiensiek
       
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