# taz.de -- Olympische Jugendspiele in Dakar: Traum von der olympischen Rendite
> Erstmals findet mit den Jugendspielen in Dakar ein olympisches Event in
> Afrika statt. Trotz finanzieller Notlage lässt sich Senegal das einiges
> kosten.
(IMG) Bild: Ablenkung von den Alltagssorgen: Manche in Dakar freuen sich auf die Olympischen Jugendspiele
Schwungvoll wirft Pape Mbaye seine Beine abwechselnd nach vorne. Der
Oberkörper wippt im Takt mit, während er in Anzughose, Hemd und offenen
Sandalen die neuen Sportgeräte an der Küstenpromenade [1][von Senegals
Hauptstadt Dakar] ausprobiert. Die Plastiktüte mit frischen Kräutern vom
Markt ist achtsam neben den quietschgelben Geräten abgestellt. „Eine kleine
Runde Sport vor dem Nachhausegehen hat noch niemandem geschadet“, ruft er
gut gelaunt über den Platz. Zwei Teenager, die sich ein paar Geräte weiter
in Klimmzügen ausprobieren, recken ihre Daumen nach oben und stimmen ihm
zu.
Im Hintergrund verteilt ein Bulldozer im letzten Sonnenlicht unermüdlich
Erdhaufen um Erdhaufen. Der brandneue Gerätepark mit Blick auf die Klippen
von Dakar und dem darunterliegenden Atlantik ist eine der neuesten
Fertigstellungen im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen
Jugend-Sommerspiele (JOJ 2026). Es ist die erste olympische Veranstaltung
überhaupt, die auf dem afrikanischen Kontinent stattfindet. Entsprechend
wird die erfolgreiche Austragung nicht nur als Ehrensache für Senegal
gesehen, sondern für ganz Afrika. „Afrika empfängt, Dakar feiert“, lautet
passend der Slogan für die diesjährigen Spiele in der senegalesischen
Hauptstadt.
Ein Ruf als Sportstadt muss sich Dakar jedoch nicht erst erarbeiten. Auch
schon vor dem Rummel um das erste olympische Event in Afrika mit seinen
unzähligen Leuchtreklamen, aufwendig renovierten Stadien und frisch
bepflanzten Blumenbeeten prägen Sportlerinnen und Sportler das Straßenbild.
Immer abends, wenn die Sonne im Atlantik versinkt und die Temperaturen des
Tages abkühlen, füllt sich die Uferpromenade mit Joggern. An den Stränden
üben Ringer die Griffe des traditionellen senegalesischen Wrestlings, „La
Lutte“, dazwischen werden Liegestütze gemacht und Muskeln gestählt.
Freie Flächen verwandeln sich in Fußballplätze, auf denen bis in die
Dämmerung gekickt wird, und sonntags in aller Frühe dominieren Gruppen von
Rennradfahrern die dann ausnahmsweise verkehrsarmen Straßen, [2][während im
Meer Surfer nach den besten Wellen um die Wette paddeln]. Sport gehört in
Dakar ob mit oder ohne die Olympischen Jugend-Sommerspiele zum Alltag. Er
spielt sich unter freiem Himmel ab, am Meer und mitten in der Stadt.
## Letzte Arbeiten unter Hochdruck
Nun bietet sich die Gelegenheit, das auch der Welt zu präsentieren. Nachdem
es zunächst lange still war um die anstehenden Olympischen Spiele, herrscht
wenige Tage vor Beginn dann aber doch Ausnahmezustand in Dakar. Unter
Hochdruck werden die letzten Zebrastreifen auf den Straßen nachgemalt,
letzte Blumenbeete angelegt und Bauarbeiten an den olympischen Anlagen
abgeschlossen. Tag und Nacht seien sie momentan im Einsatz, berichtet eine
Gruppe Arbeiter, die gerade dabei ist, die letzten Teile der fünf
olympischen Ringe an der Uferpromenade anzubringen. Nachts wird die
Installation in buntem Licht erstrahlen, mit Blick auf den Atlantik. Schon
jetzt sind die verschiedenen Installationen der JOJ-2026-Schriftzüge in
Dakar ein beliebter Treffpunkt, um Selfies zu machen.
Ursprünglich sollten die Spiele schon 2022 in Dakar stattfinden, [3][doch
die Coronapandemie zwang damals zu einer Verschiebung]. Mit vier Jahren
Verspätung ist es jetzt so weit: Vom 31. Oktober bis zum 13. November wird
Dakar zur Bühne für den internationalen Nachwuchssport. Rund 2.700 junge
Athletinnen und Athleten zwischen 14 und 17 Jahren aus aller Welt treten
bei den Olympischen Jugendspielen in 25 Sportarten gegeneinander an.
Erstmals stehen dabei auch Skateboarding, die chinesische Kampfkunst Wushu
und Baseball auf dem Programm.
Die Wettkämpfe verteilen sich auf drei Standorte: die senegalesische
Hauptstadt Dakar, die Planstadt Diamniadio vor den Toren der Metropole und
die Küstenstadt Saly, wo sämtliche Strand- und Wassersportarten ausgetragen
werden. Dabei setzen die Spiele auch ein Zeichen für die
Gleichberechtigung. Mit jeweils 1.350 männlichen und weiblichen
Teilnehmenden wird wie auch schon bei vorherigen Spielen die
Geschlechterparität gewahrt. Allerdings gibt es mit 73 Wettbewerben für
Mädchen erstmals genauso viele wie für Jungen. Weitere Premiere ist auch
die Teilnahme eines Flüchtlingsteams an der Jugendolympiade. Die
Mannschaft, die von den Nationalen Olympischen Komitees Kenias und Ugandas
unterstützt wird, umfasst sechs afrikanische Sportlerinnen und Sportler,
die in den Disziplinen Leichtathletik, Judo und Taekwondo antreten.
„Es ist eine Chance, dass die Gäste senegalesische Gastfreundschaft
kennenlernen“, freut sich Pape Mbaye. Der geläufige Ausdruck „Teranga“ in
Senegals Lokalsprache Wolof steht dabei nicht nur für die freundliche
Aufnahme von Gästen, sondern eine Haltung der Großzügigkeit und Solidarität
und die Bereitschaft, zu teilen. Siri Diop sieht das ähnlich. Die Besucher
seien eine Chance, sich der Welt zu präsentieren. Und vielleicht ein Motor
für ausländische Investitionen und Arbeitsplätze. Die junge Frau hat gerade
eine Reihe an Selfies vor den noch nicht ganz fertig aufgebauten
olympischen Ringen an der Promenade geschossen. Doch mit den Spielen selbst
hat sie wenig am Hut. Die Wettkämpfe werde sie sich nicht anschauen. „Keine
Zeit, ich werde arbeiten müssen“, sagt sie.
## „Lieber vernünftige Abwasserkanäle“
Nach den jüngsten Angaben der senegalesischen Statistikbehörde liegt die
Arbeitslosenquote unter den 15- bis 34-Jährigen bei mehr als 27 Prozent.
Ein wesentlicher Grund ist der Mangel an festen
Beschäftigungsmöglichkeiten. Bei denen, die Arbeit haben, reicht das Gehalt
dennoch oft nicht, um ein sorgenfreies Leben zu führen. [4][So stoßen die
Millioneninvestitionen in die Sportinfrastruktur auch auf Kritik.]
„Das Geld sollte lieber in vernünftige Abwasserkanäle gesteckt werden“,
findet Sira Diop. Anfang Oktober hatten sintflutartige Regenfälle
schmerzhaft gezeigt, dass Dakars nur spärlich ausgebaute Abwassersysteme
nicht für Regen vorbereitet sind. Die Überschwemmungen hatten einen enormen
Schaden angerichtet – auch an den gerade erst frisch renovierten Straßen
und Sportstätten – und mehrere Menschen das Leben gekostet.
Doch Senegals Wirtschaftslage ist angespannt. Eine Prüfung der öffentlichen
Finanzen hatte 2024 ein zuvor unbekanntes Haushaltsloch von umgerechnet 13
Milliarden Dollar festgestellt. Seither ist der finanzielle Spielraum der
Regierung stark eingeschränkt. Steuern sind angehoben worden, Preise
gestiegen und die Regierung spart, wo sie nur kann.
Auch das Vertrauen der internationalen Partner in die wirtschaftliche
Stabilität des Landes hat gelitten, noch dazu paralysiert ein Streit
zwischen Präsident Diomaye Faye und dem ehemaligen Premierminister Ousmane
Sonko das Land. Sonkos letzte Drohung, mit seiner Oppositionsmehrheit die
Abstimmung über ein überarbeitetes Budget für dieses Jahr und den
Ausgabenplan für 2027 zu blockieren, hatte dazu geführt, dass Senegals
Dollaranleihen an Wert verloren.
## 139 Millionen Euro für die Infrastruktur
Und dennoch ist Senegal entschlossen, die Spiele so gut wie nur möglich zu
organisieren. Entsprechend zwackte der Haushalt 2026 rund 139 Millionen
Euro für das Infrastrukturprogramm der Olympischen Jugendspiele ab, und
auch die französische Entwicklungsagentur AFD gewährte Senegal ein Darlehen
in Höhe von 80 Millionen Euro, um Sportanlagen zu sanieren und lokale
Sportstätten zu schaffen.
Gleichzeitig wird massiv aufgeräumt. Neue Laternen wurden aufgestellt,
Schlaglöcher geflickt, sogar die Kleinhändler und Bettler sind rund um die
Austragungsorte der Wettkämpfe vertrieben worden, damit das erwünschte Bild
der modernen Metropole nicht beeinträchtigt wird. Besonders stolz ist man
in dieser Hinsicht auf die neu fertiggestellte Zuglinie, die neben einer zu
hundert Prozent elektrischen Buslinie nun das Nahverkehrsangebot der Stadt
erweitert.
Auch Pape Mbaye spürt die Wirtschaftslage. Aber die Kritik an den Spielen
kann er dennoch nicht nachvollziehen. „Meckerer gibt es überall“, sagt er
und nimmt das Gerät für die Klimmzüge unter die Lupe. Für ihn bieten die
Spiele eine nette Ablenkung von den Alltagssorgen. „Und die Investitionen
in Dinge wie diesen Sportpark bleiben uns doch auch nach den Spielen
erhalten“, erklärt er optimistisch. Vielleicht werde er sich auch eine der
Demonstrationssportarten anschauen. Denn neben den offiziellen,
kostenpflichtigen Wettkämpfen sollen zehn weitere Disziplinen, darunter
Surfen, Klettern und Karate, junge Menschen in Senegal und in der Region
gratis für neue Sportarten begeistern. Beim Surfen etwa können
Interessierte selbst aufs Brett steigen und mit senegalesischen Profis
trainieren.
Zugleich bietet sich der lokalen Sportszene die Gelegenheit, sich einem
größeren Publikum zu präsentieren. Mbaye ist überzeugt: Die Spiele werden
nicht nur neue Sportstätten bringen, sondern im besten Fall auch Touristen,
ein gutes Image und einen nachhaltigen Aufschwung.
31 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Helena Kreiensiek
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele
(DIR) Jugend
(DIR) Dakar
(DIR) GNS
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