# taz.de -- Anarchistische Demo in Athen: Hunderte gedenken Kyriakos Xymitiris’
       
       > Vor dem griechischen Parlament haben am Samstag Unterstützer:innen
       > an den 2024 bei einer Explosion getöteten Anarchisten erinnert. Und die
       > Freilassung zwei seiner Mitstreiterinnen gefordert.
       
 (IMG) Bild: „In unseren Kämpfen stets dabei“: Anarchist:innen in Athen gedenken Kyriakos Xymitiris’
       
       Auf dem Athener Syntagmaplatz direkt vor dem heutigen Parlament ist es
       überraschend ruhig. Trotz der knapp 250 Anarchist:innen, die sich dem
       Aufruf zum Gedenken an den verstorbenen Anarchisten Kyriakos Xymitiris
       angeschlossen haben. Der 37-Jährige wurde am 31. 10. 2024 bei einer
       Explosion in einer Wohnung im Stadtteil Ampelokipi getötet.
       
       „Kyriakos lebt! Freiheit für Marianna und Dimitra!“, schallt es dann über
       den von der Polizei abgeriegelten Platz. In den Wochen nach Xymitiris’ Tod
       war es zu einer Reihe von Festnahmen gekommen, unter anderem des bekannten
       griechischen Anarchisten Nikos Romanos, einem engen Freund des [1][2008 von
       einem Polizisten ermordeten Alexandros Grigoropoulos]. Dessen Todestag ist
       seither zentrales Datum für den Protest gegen Polizeigewalt und staatliche
       Repression. Romanos und zwei weitere Angeklagte wurden im April 2026 nach
       17 Monaten Untersuchungshaft freigesprochen – zwei weitere Anarchistinnen
       aber wurden zu langen Haftstrafen verurteilt, Dimitra Z. zu 8 Jahren und
       Marianna M. zu 19 Jahren.
       
       Marianna M., Xymitiris’ Partnerin, die sich bei der Explosion 2024
       ebenfalls in der Wohnung befand, wurde dabei schwer verletzt und nach
       zweiwöchigem Aufenthalt auf der Intensivstation in ein Athener
       Frauengefängnis gebracht. Ihr wird, genau wie Dimitra Z. vorgeworfen, einer
       terroristischen Organisation anzugehören, explosives Material hergestellt,
       besessen und verwendet zu haben sowie weiterer Waffenbesitz. Der Anklage
       zufolge sollen die Angeklagten M. und Z. zusammen mit Xymitiris Angriffe
       auf staatliche Einrichtungen geplant haben. Z. soll dafür gesorgt haben,
       dass das Paar die Wohnung nutzen konnte. Ein konkretes mutmaßliches
       Angriffsziel hat die Anklage allerdings nicht genannt.
       
       Das Urteil ist noch nicht endgültig, die beiden Angeklagten sind in
       Berufung gegangen, befinden sich aber seit dem ersten Urteil im
       Frauengefängnis Theben, eine Stunde nördlich von Athen. Die
       haftaufschiebende Wirkung der Berufung wurde trotz des Gesundheitszustands
       von Marianna M. infolge der Explosion abgelehnt. Die Urteile und hohen
       Strafmaße sind in der griechischen Öffentlichkeit umstritten.
       Unterstützer:innen wähnten eine politische Motivation der
       Verurteilungen, die auf der Verfolgung von Ideen, nicht auf haltbaren
       Beweisen fußten.
       
       Xymitiris war in der linken Szene, besonders der großen autonomen, kein
       Unbekannter. Er ist über Jahre bei Solidaritätsinitiativen für Gefangene,
       in der antiimperialistischen und internationalistischen Bewegung, bei
       palästinasolidarischen Demonstrationen, bei Hausbesetzungen oder bei
       [2][Aktionen zur Verteidigung des Athener Viertels Exarchia] aktiv gewesen.
       
       ## Revolutionäre Tradition
       
       Dass er einen Angriff auf ein staatliches Gebäude mit Sprengstoff geplant
       habe, bei dessen Herstellung er getötet wurde, wird nicht bestritten.
       Vielmehr wird es in eine revolutionäre Tradition gestellt: „Dieser Frieden
       des blutgetränkten Mittelmeers, gefüllt mit den Leichen von Migrantinnen
       und Migranten, die im Namen der ‚Festung Europa‘ von der Küstenwache
       erschossen werden; der rassistischen Pogrome und des globalen Aufstiegs der
       extremen Rechten; der imperialistischen Kriege und Völkermorde“ solle
       bekämpft werden, heißt es im Demoaufruf. Für seine Unterstützer:innen
       hat Xymitiris die „tief verankerte Tradition des Kampfes gegen Staat und
       Kapital mit allen Mitteln“ fortgeführt.
       
       Die Anarchist:innen auf dem Syntagmaplatz haben sich am Samstag jedoch
       mit bloßem Gedenken begnügt. Etwa eine halbe Stunde lang standen sie der
       gepanzerten und schon mit aufgesetzten Gasmasken gerüsteten
       Bereitschaftspolizei gegenüber, die sie am Marschieren hinderte, während
       zwischen ihnen Sightseeing-Busse vorbeifuhren. Dann beendeten die
       Teilnehmenden die Demo friedlich. Der [3][eigens engagierte Fotograf wurde
       jedoch von der Polizei vorübergehend festgenommen], weshalb der Artikel nur
       mit einem Handyfoto bebildert ist.
       
       31 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Portraet-Alexandros-Grigoropoulos/!5171362
 (DIR) [2] /Raeumung-von-Fluechtlingsbauten/!6190309
 (DIR) [3] /Abhoerskandal-in-Griechenland/!6174665
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Marco Fründt
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Athen
 (DIR) Griechenland
 (DIR) Demo
 (DIR) Anarchisten
 (DIR) Autonome Szene
 (DIR) Polizei
 (DIR) GNS
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Griechenland: Prozess gegen Seenotretter beginnt
       
       Die griechische Justiz wirft den Aktivisten Tommy Olsen und Panayote
       Dimitras die Gründung einer kriminellen Vereinigung vor. Amnesty
       International ist entsetzt.
       
 (DIR) Attentat in Griechenland: Politiker-Mutter stirbt nach Brandanschlag
       
       Drei aufeinanderfolgende Anschläge erschüttern die griechische Stadt
       Thessaloniki. Polizei und konservative Regierung vermuten
       Vergeltungsaktionen für Räumungen.
       
 (DIR) 140 Tage Hungerstreik: Wem gehört Athen?
       
       Aristos Chantzis riskierte sein Leben – für den Erhalt des autonomen
       Wohnprojekts Prosfygika. Ist in Griechenland noch Platz für alternative
       Lebenskonzepte?