# taz.de -- Mbappé-Boykott in China: Schluss mit lustig
       
       > Der französische Fußballstar Kylian Mbappé wird wegen einer belanglosen
       > Bemerkung zur Zielscheibe der chinesischen Zensurwut.
       
 (IMG) Bild: War im chinesischen TV nicht zu sehen: Real Madrids Stürmer Mbappé jubelte am Sonntag über seinen Treffer gegen den FC Barcelona
       
       Es war eine beiläufige Aussage aus einem französischen Podcast, die bereits
       sieben Monate zurückliegt. Und dennoch hat sie dem [1][Fußballstar Kylian
       Mbappé] einen Boykott in der Volksrepublik China eingebracht, einem der
       wichtigsten Absatzmärkte für Sponsorendeals weltweit.
       
       Was war passiert? Der 27-jährige Stürmer wurde damals gefragt, welche
       seiner unzähligen Memes – also im Internet kursierende Fotomontagen – er
       besonders gelungen finde. Mbappé musste länger nachdenken. Dann sagte er
       mit einem Grinsen im Gesicht: das mit einem Typen, der wohl ein
       „chinesischer Diktator“ gewesen war.
       
       Gemeint ist ein Foto des Fußballers, dem die Glatze und die ikonische
       Zhongshan-Jacke [2][von Chinas Staatsgründer Mao Zedong] verpasst wurde.
       Ziemlich ulkig sieht das Ganze aus, im Übrigen auch für Nichtfußballfans.
       Und historisch korrekt ist die Bezeichnung „Diktator“ allemal. Doch Pekings
       Parteiführung war dennoch kein bisschen zum Lachen zumute.
       
       Als Mbappés Aussagen – aus bisher ungeklärten Gründen – Ende Oktober
       erstmals im chinesischen Netz kursierten, reagierte die Staatsmacht mit
       einer beispiellosen Boykottkampagne: Die Parteizeitungen prangerten den
       Franzosen auf ihren Titelseiten an, in den sozialen Medien wütete die
       patriotische Internetgemeinde, und das Außenministerium urteilte: Mbappé
       habe „die Gefühle des chinesischen Volks verletzt“.
       
       ## Boykott von Real Madrid im Staatsfernsehen
       
       Die unachtsame Bemerkung dürfte nicht nur den Fußballstar Millionensummen
       kosten: So haben sämtliche chinesische Getränkehersteller, die mit Mbappés
       Konterfei geworben haben, ihre Sponsorenverträge aufgekündigt. Auch das
       Staatsfernsehen teilte mit, sämtliche Spiele von Mbappés Verein Real Madrid
       nicht mehr zu übertragen.
       
       Online reagieren viele Chinesen auch offen rassistisch. „Er sollte
       Baumwolle pflücken gehen und umerzogen werden“, schimpft ein Nutzer auf der
       Online-Plattform Weibo.
       
       Die meisten Chinesen wissen jedoch nicht, welche Aussagen des Fußballers
       ihre Gefühle angeblich verletzt haben sollen. Die entsprechende Passage aus
       dem Podcast-Interview wurde längst im chinesischen Internet zensiert. Und
       wer die chinesischen KI-Chatbots befragte, erhielt nur folgende Replik:
       „Hallo, ich kann diese Frage im Moment nicht beantworten. Lass uns über
       etwas anderes sprechen.“
       
       Fast ebenso absurd wie Chinas Boykottkampagne gegen Mbappé waren die
       unterwürfigen Entschuldigungen. „Ich entschuldige mich bei jedem, den meine
       Worte verärgert haben“, ließ der Franzose mitteilen. Sein Team Real Madrid
       postete: „Unser Verein hegt tiefen Respekt für China, seine Geschichte,
       seine Kultur und seine Bürger sowie für die Millionen chinesischer Fans,
       die Real Madrid mit Zuneigung und Bewunderung begegnen.“ Bislang hat der
       Kotau noch keine Wirkung gezeigt.
       
       Die Angelegenheit zeigt, wie entschlossen die chinesische Staatsführung
       ist, die Meinungsfreiheit auch jenseits der eigenen Landesgrenzen
       einzuschränken: Keine Person des öffentlichen Lebens darf sich das Recht
       herausnehmen, die „roten Linien“ der kommunistischen Partei zu übertreten.
       
       „Der Mao-Revisionismus ist absolut grotesk: Staatsmedien verlangen, dass
       sich Ausländer vor einem Ungeheuer verneigen, das zig Millionen ihrer
       eigenen Vorfahren getötet hat“, [3][kommentiert der britische
       Menschenrechtsaktivist und China-Kritiker Luke de Pulford]: „Dabei hat
       Mbappé lediglich etwas gesagt, das jeder weiß, der sich auch nur
       oberflächlich mit Geschichte beschäftigt hat: Mao war nicht einfach nur ein
       Diktator, sondern der größte Massenmörder des vergangenen Jahrhunderts.“
       Die Journalistin Cheng Lei, die mehrere Jahre in China inhaftiert war,
       [4][meinte]: „Je stärker man an China gebunden ist, desto mehr wird man zu
       dessen Gefangenem.“
       
       Tatsächlich begegnet man als Chinakorrespondent der bereits
       selbstverständlichen Selbstzensur innerhalb der Sportwelt immer wieder. Vor
       wenigen Jahren sagte der Chinavertreter eines deutschen Bundesligaklubs
       stolz während eines privaten Gesprächs, dass er dem muslimischen
       Stürmerstar „Gott sei Dank“ noch ausreden konnte, eine
       Solidaritätsbotschaft mit den Uiguren zu posten. Das Turkvolk im
       westchinesischen Xinjiang wurde damals zu Hunderttausenden in politische
       Umerziehungslager gesteckt.
       
       Die eigentliche Ironie dieser angeblichen Provokation dürfte der
       Parteiführung in Peking entgangen sein: Das sogenannte Mao-Meme von Mbappé
       wurde kreiert, um voller Bewunderung zu unterstreichen, wie mächtig der
       Stürmer geworden ist.
       
       28 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kylian-Mbappe/!t5519032
 (DIR) [2] /Kein-Mao-ohne-Legende/!1268762/
 (DIR) [3] https://x.com/lukedepulford/status/2115146024683802739
 (DIR) [4] https://x.com/ChengLeifreedom/status/2115171691395719517
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Kretschmer
       
       ## TAGS
       
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