# taz.de -- Bremer Klinikbetreiber schließt Standort: Schrumpfkur wird teuer
> Der kommunale Krankenhauskonzern Geno steckt in der Krise: 560 Stellen
> und zwei Standorte fallen weg. Ein Kredit der Stadt verhindert die
> Insolvenz.
(IMG) Bild: Schieflage: Die Tage des Klinikums Links der Weser sind gezählt
Die Bremer Krankenhausgesellschaft Gesundheit Nord (Geno) ist in der
Existenz bedroht. Das Land wird wohl mit einem Hilfskredit von 293
Millionen Euro einspringen – so sieht es ein Senatsbeschluss von Dienstag
vor. Es geht, so die linke Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard, dabei vor
allem darum, Zeit zu gewinnen, um „einschneidende Maßnahmen“ umsetzen zu
können. Nur dank des Kredits könne man „den kommunalen Klinikverbund vor
einer unmittelbar bevorstehenden Insolvenz“ schützen und so die
Gesundheitsversorgung für Patient*innen absichern.
Eine Insolvenz zu verhindern ist den politisch Verantwortlichen wichtig:
Nur so kann man ausschließen, dass die Geno privatisiert wird – bei einem
kommunalen Träger kann die Stadt weiter Einfluss auf die
Gesundheitsversorgung nehmen und dafür sorgen, dass auch solche Leistungen
angeboten werden, [1][die sich üblicherweise nicht lohnen, zum Beispiel die
Kinderheilkunde.]
Ohne tiefe Einschnitte wird aber auch der jetzt verfolgte Sanierungsplan
nicht funktionieren: Einen eigenen Vorschlag zum Sparen hatte die Geno
schon Ende vergangener Woche in den Raum gestellt. Nach einer
Aufsichtsratssitzung am Freitag informierte die Geschäftsführung ihre
Mitarbeitenden in einem Brief über die Lage – und wurde konkret: Rund 500
Vollzeitstellen müssten abgebaut werden, hieß es. Und: Standorte weiter
reduziert werden.
## Klinikum-Ost wird reiner Psychiatriestandort
Mittlerweile wird in einer Pressemitteilung des Senats sogar von 560
wegfallenden Vollzeitstellen gesprochen. Im gesamten Konzern gibt es 6.800
Stellen, verteilt auf 8.000 Mitarbeitende. Laut Unternehmenssprecherin
sollen die Stellen quer durch den gesamten Klinikverbund und alle
Berufsgruppen gestrichen werden. „Die normale Fluktuation wird nicht
ausreichen, um diese Zahl in angemessener Zeit zu erreichen“, schreibt die
Geno. Es wird also Entlassungen geben.
Und die geplanten Standortschließungen? Vier Krankenhäuser betreibt die
Geno in der Stadt; schon seit Juli 2023 ist [2][die Schließung des
Klinikums Links der Weser beschlossene Sache]. Die wesentlichen Abteilungen
ziehen bis Ende 2027 ins Klinikum Bremen-Mitte um. Nun soll nach den neuen
Plänen auch noch das Klinikum Bremen-Ost radikal geschrumpft werden: Nur
noch die Forensik und die Psychiatrie sollen dort verbleiben, alle
Abteilungen zu somatischen Krankheiten würden wegfallen. Übrig bliebe das
Klinikum Bremen-Mitte als Maximalversorger und das Klinikum Bremen-Nord als
Regionalversorger.
Die Schließung von Krankenhäusern und die Konzentration auf weniger
Standorte ist politisch gewollt und ein Kern der Gesundheitsreform von
Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). In vielen Parteien gibt es
grundsätzliche Zustimmung, in Bremen etwa hat auch die oppositionelle CDU
sich im Prinzip für eine solche Strategie ausgesprochen.
Die jetzt geplanten Kürzungen sind aber nicht im Sinne der Befürworter:
„Wenn man das qualitativ gut konzentriert, muss das für die Versorgung der
Menschen nicht schlechter sein“, sagt Ralph Saxe, gesundheitspolitischer
Sprecher der mitregierenden Grünen. „Aber hier ist es eine Operation am
offenen Herzen. Das ist alles überhastet.“
Eigentlich sollte nach Strukturreformen beim kommunalen Bremer
Klinikverbund alles besser werden, der Geschäftsplan sah 2026 erstmals seit
langem Schwarze Zahlen vor. Schon im September wurde öffentlich: Das wird
nichts, erwartet werde nun für das laufende Jahr ein Defizit von 18
Millionen Euro. Die Kosten seien gestiegen, weil Material und Personal
teurer wurden, die Erlöse seien gesunken: Viele Behandlungen im Krankenhaus
werden inzwischen nur noch ambulant vorgenommen. Als sogenannte Hybrid-DRGs
werden sie dann von den Krankenkassen sehr viel schlechter vergütet.
## Schuld sei der Bund, meinen Klinikverbund und Koalition
Die eigentliche Schuld an der existenzbedrohenden Krise gibt die Geno aber
dem [3][viel gescholtenen GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz], das die
Bundesregierung in diesem Sommer verabschiedet hat: Allein dadurch, so
erklärte der Krankenhausverbund schon Ende September, käme auf die 13
Krankenhäuser im Land Bremen über die nächsten vier Jahre eine Belastung
von 263 Millionen Euro zu. Die Geno koste das Gesetz jedes Jahr 40
Millionen Euro, heißt es im Brief an die Mitarbeiter*innen.
Die rot-grün-rote Regierungskoalition übernimmt die Gründe der Geno für die
Krise weitgehend, auch die Kritik am GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Die
Bremer CDU weist den Vorwurf zurück: „Es gehört sich nicht, die
Verantwortung der Bundesregierung zuzuschieben“, so die
Fraktionsvorsitzende Wiebke Winter. Seit Jahrzehnten würden immer wieder
Millionenbeträge für die Geno bereitgestellt und Sanierungspläne
angekündigt. Eine nachhaltige Sanierung sei aber ausgeblieben.
Zur Wahrheit gehört, dass die Kürzungen, die nun kommen sollen, schon lange
im Raum stehen. Die Pläne zur Schließung [4][aller somatischen Abteilungen
im Klinikum Ost] klingen radikal – wirklich neu sind sie nicht. Denn schon
lange bevor es den Beschluss gab, das Klinikum Links der Weser zu
schließen, stand das Klinikum in Bremen-Ost auf der Umbauliste.
Nur so, hieß es 2015 von der Koalition, könne der Klinikverbund auf lange
Sicht finanziell stabil werden. Doch die Beschlüsse wurden nicht umgesetzt,
sie scheiterten am Widerstand vor Ort. Stattdessen wurde in den Jahren seit
2015 noch ein dreistelliger Millionenbetrag in die Sanierung des Standorts
gepumpt: Unter anderem die Intensivstation wurde komplett neu gebaut;
zuletzt gab es auch Pläne, die Innere Medizin zu vergrößern – obwohl
eigentlich schon länger feststeht, dass die Geno insgesamt zu viele Betten
vorhält.
Der 293-Millionen-Euro-Kredit, den das Land jetzt für die Notrettung zur
Verfügung stellt, bedient viele Kosten, die bei besserer Planung gar nicht
entstanden wären. Die Geno selbst hatte ein Defizit von 20 Millionen Euro
in diesem und 40 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren angekündigt.
Doch die Summe, die das Land zur Verfügung stellt, um die Insolvenz
abzuwenden, muss höher sein: Abfindungen sind zu zahlen. Und schließlich
soll der Kredit auch ausreichen, um seine eigenen Zinsen zu bedienen.
Dabei hat das Land selbst gerade schwer zu knapsen. Der Stabilitätsrat
hatte schon im Sommer die Bremer Haushaltsplanung als nicht auskömmlich
gerügt. „Bei allem Verständnis für Wünsche: Wir müssen weiterhin
Prioritäten auf das Wesentliche setzen“, hatte Finanzsenator Björn Fecker
noch am Montag gesagt. Das Wesentliche, das ist nun auch die Rettung der
Geno durch Schrumpfung.
28 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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