# taz.de -- Neuer Zürich-„Tatort“: Ein ungleiches Duo
       
       > Der Zürich-„Tatort“ ist ein schönes Beispiel für zwei Kumpels mit und
       > ohne Behinderung. Dann verzettelt er sich aber leider in zu vielen
       > Geschichten.
       
 (IMG) Bild: Ein gegensätzliches Duo: Jacob Göldi (Benjamin Raue) und Simon Bärfuss (Ronald Zehrfeld, re.)
       
       Es gibt einen Moment im „Tatort“ diese Woche, der könnte der Anfang sein
       von einer Geschichte mit Potenzial.
       
       Zwei Männer, ein Motorrad, eine Mission: Jacob, ein Wäschereimitarbeiter
       mit Down-Syndrom (Benjamin Raue) geht zusammen mit Simon, einem
       Ex-Rockerchef ohne Down-Syndrom (Ronald Zehrfeld) auf Böse-Buben-Jagd. Sie
       suchen nach Simons Tochter, die entführt worden ist.
       
       Das ist ein Duo, das man, soweit ich weiß, noch nicht gesehen hat. Die
       Chemie stimmt auch zwischen den beiden: Zehrfeld gibt den abgehalfterten
       Kriminellen mit Herz aus Gold, Raue dagegen den scheinbar unschuldigen
       Sidekick, der schnell ausrastet.
       
       Krimifans werden sich jetzt ausmalen, was daraus für eine schöne
       Kumpeldynamik erwachsen könnte. Ich liebe ja [1][ungleiche-aber-kompatible
       Duos] und finde, viele mögliche Kombis sind noch gar nicht probiert worden.
       Ich kann’s kaum erwarten, mehr Duos aus Menschen [2][mit und ohne
       Behinderung] im Krimi zu sehen.
       
       ## Viele Plots auf einmal
       
       Nur: Als die beiden aufs Motorrad steigen, ist der Film schon halb vorbei.
       Der Zürich-„Tatort“ hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, ein gutes
       halbes Dutzend Geschichten auf einmal zu erzählen, und jede davon so wenig
       wie möglich.
       
       Die Kommissarinnen Grandjean (Anna Pieri Zürcher) und Ott (Carol Schuler)
       haben erstens einen Mord zu klären, nämlich den an der Besitzerin der
       Wäscherei. Unter Verdacht steht der besagte Ex-Rockerchef, grade frisch aus
       dem Knast gekommen. Der wiederum hat eine Nebenhandlung, nämlich dass er
       seiner Tochter ab sofort ein guter Vater sein will. Die Tochter, wie
       gesagt, wird entführt.
       
       Ebenfalls verdächtigt wird Jacob, der mit dem Verlust seines Jobs zu
       kämpfen hat. Und er hat eine Nebenhandlung in seiner Wohngruppe, nämlich
       Beziehungsprobleme mit seiner Mitbewohnerin.
       
       Kommissarin Grandjean kriegt ebenfalls einen Subplot: Dass sie einen Mann
       mit Down-Syndrom als Mörder verdächtigen muss, macht ihr Gewissensbisse.
       
       Zugegeben, in diesem zotteligen Büschel Erzählfäden ist am Ende ein jeder
       mit dem anderen verknüpft. Schön ist auch, dass hier mit dem Ensemble eines
       inklusiven Theaters gearbeitet wurde.
       
       Leider bekommt keiner der Plots genug Zeit, emotional hängenzubleiben,
       geschweige denn Spannung zu erzeugen. Selbst die Motorradkumpel sind nur
       wenige Minuten im Bild. Kann man aber schauen – vielleicht als Inspiration
       für ein gutes halbes Dutzend passable Krimis.
       
       8 Nov 2026
       
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