# taz.de -- Krawalle in Frankreich: Die verheimlichten Toten der Pariser Unruhen
       
       > Während der Gewalteskalation in Paris am Samstag starben zwei Menschen,
       > ein dritter hat seinen Tod dementiert. Frankreichs Regierung agiert
       > ratlos.
       
 (IMG) Bild: Ruhige Straße in Paris, Montag
       
       „Hallo zusammen, ich bin nicht tot!“ Mit schwarzem Humor meldete sich
       Antoine unter den Lebenden mit [1][einer Videobotschaft] zurück. Er war am
       letzten Samstag an der Demonstration auf der Place de la République in
       Paris mit seinem weißen Kittel als Sanitäter gut erkennbar und rief auch
       hörbar, er sei ein „Street Medic“. Wie auf Videos zu sehen und zu hören
       ist, wurde er von einem Polizisten geschlagen, zu Boden geworfen und
       weggeschleift, brutal und ohne offensichtlichen Anlass. Viele Netzwerk-User
       mutmaßten, Antoine sei getötet worden. Das stimmte nicht, doch weshalb ein
       Polizeibeamter in dieser Weise auf ihn losging, bleibt offen.
       
       Ungeklärt sind auch die Umstände von zwei tatsächlichen Todesfällen bei den
       [2][Unruhen in Paris am Samstag]. Ein 59-Jähriger starb am Samstagabend auf
       dem zwischen Demonstranten und Ordnungskräften umkämpften Boulevard
       Magenta, anscheinend an Kreislaufversagen. Etwas später erlag ein
       49-Jähriger einem Hirnschlag im Quartier Les Halles, wo es Plünderungen und
       Zusammenstöße gegeben hatte.
       
       In beiden Fällen konnten die Rettungsmannschaften „keine Einwirkung
       Dritter“ konstatieren. Nicht auszuschließen ist es aber, dass Tränengas
       eine Rolle gespielt haben könnte. Die Behörden gaben zunächst weder
       Bestätigungen noch Dementis, was zur Folge hatte, dass erst recht
       dramatische Gerüchte in Umlauf gebracht wurden. Mit Verspätung wurde nun
       eine gerichtliche Untersuchung bekannt gegeben.
       
       Das illustriert, wie sehr gegenwärtig die Stimmung in Frankreich von
       Anschuldigungen, Alarm und ungeprüften Meldungen angeheizt wird. Und
       niemand weiß, was am Samstag bei der nächsten Runde des Konflikts
       bevorsteht. In der Nähe der Place de la Bastille werden Geschäftsinhaber
       von Vertretern der Stadtbehörden eindringlich gewarnt, sie sollten sich auf
       Plünderungen vorbereiten. In Lyon und Marseille denken Ladenbesitzer
       angeblich an organisierte Selbstverteidigung, da das letzte Mal die Polizei
       nicht in der Lage war, sie zu schützen.
       
       ## Rechter Aufmarsch in Lyon von der Polizei toleriert
       
       Die Idee einer Bürgerwehr geht in die Richtung der Rechten. Am Dienstag
       veranstalteten Rechtsradikale in Lyon unbehelligt von der Polizei einen
       Aufmarsch. Die Perspektive von Straßenkämpfen zwischen Extremisten von
       links und rechts ist für die Staatsführung extrem beunruhigend.
       Innenminister Laurent Nunez, [3][dessen Rücktrittsangebot Präsident
       Emmanuel Macron abgelehnt hatte], verspricht, dieses Mal in Marseille und
       Lyon genügend Ordnungskräfte einzusetzen. Der Regierung war vorgeworfen
       worden, sie habe am 17. Oktober die Risiken und die Zahl der
       Protestierenden total unterschätzt und sei damit mitverantwortlich für die
       Eskalation gewesen.
       
       Justizminister Gérald Darmanin hat am Mittwoch betont, Straftäter würden
       mit größter Härte verurteilt. Wer geplündert und gestohlen habe, müssen mit
       einer Haftstrafe ohne Bewährung rechnen. Und das betreffe auch Jugendliche
       ohne Vorstrafen. Die ersten Verhandlungen und Urteile zeigen, dass die
       Justiz diese Anweisung befolgt. Darmanin wies auch darauf hin, dass laut
       Strafgesetz Plünderungen ähnlich wie Drogenhandel mit bis zu zehn Jahren
       Gefängnis bestraft werden können.
       
       Premierminister Sébastien Lecornu hatte schon zu Beginn der
       Schülerblockaden auf Repression gesetzt. Angesichts der befürchteten
       erneuten Provokationen der „Casseurs“ und „Ultralinken“, die er für die
       Explosion der Gewalt verantwortlich macht, lud er am Mittwoch die
       politischen Parteien und auch die Gewerkschaftsverbände zu Unterredungen
       ein. Er hofft auf eine Einheitsfront der Demokraten gegen die Chaoten.
       Zumindest möchte er mehr Unterstützung für die staatliche Autorität und
       Ordnungspolitik, die bisher von der linken und rechten Opposition scharf
       kritisiert wird.
       
       Staatspräsident Macron hatte am Sonntagabend [4][in einer TV-Ansprache] die
       Nation zu Besonnenheit aufgerufen und Transparenz bei der Untersuchung der
       gewaltsamen Zwischenfälle versprochen. Dann brach er zu einer Reise in die
       arabischen Golfstaaten auf – mitten in der schweren Krise.
       
       21 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/shorts/gSE76eavXCs
 (DIR) [2] /Krawalle-statt-Demos-in-Frankreich/!6222308
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 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=cZyDfuWnEGM
       
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