# taz.de -- Arbeitskampf in der Chip-Industrie: Micron wendet Mikrochip-Engpass ab
> Der US-Hersteller einigt sich mit der Gewerkschaft an seinem
> Produktionsstandort Taiwan. Vor allem der KI-Boom ist abhängig von dort
> gefertigten Chips.
(IMG) Bild: Das neu eröffnete Werk „Micron Advanced Assembly and Test Taiwan 2“ (AATT2) in Taichung, Taiwan
rtr | Eine drohende Verschärfung der globalen Chip-Knappheit ist vorerst
abgewendet: Der US-Hersteller Micron hat sich mit einer wichtigen
Gewerkschaft in [1][Taiwan] geeinigt. Beide Seiten haben am Mittwoch eine
Vereinbarung für den bedeutenden Standort Taichung erzielt. Sie zogen sich
daraufhin aus einem für Donnerstag angesetzten Schlichtungsverfahren
zurück, wie sie in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Über die Inhalte
des Abkommens wurde zunächst nichts bekannt.
Jede Störung der Produktion bei Micron in Taiwan hätte die ohnehin
angespannten globalen Lieferketten für Speicherchips beeinträchtigen
können. Der Konzern mit Sitz in Idaho ist der drittgrößte
Speicherchip-Hersteller der Welt. Taiwan ist ein zentraler
Produktionsstandort, an dem das Unternehmen mit rund 15.000 Mitarbeitern
unter anderem DRAM- und HBM-Chips für Server für künstliche Intelligenz
(KI) herstellt. Der KI-Boom hat die Nachfrage nach den Produkten von
Chipherstellern wie Micron, Samsung Electronics und SK Hynix zuletzt stark
angetrieben. Dies führte jedoch auch zu Forderungen der Belegschaft nach
einer stärkeren Beteiligung an den Gewinnen.
Besonders die in Taiwan gefertigten HBM-Chips (High-Bandwidth Memory) sind
für den KI-Boom von [2][entscheidender Bedeutung]. Diese
hochleistungsfähigen Speicherbausteine ermöglichen die schnelle
Verarbeitung der gewaltigen Datenmengen, die für das Training und den
Betrieb von KI-Modellen erforderlich sind. Micron ist neben SK Hynix und
Samsung einer der weltweit führenden Hersteller dieser technologisch
anspruchsvollen Komponenten.
## Warnstreik an anderem Standort geplant
Die nun erzielte Einigung betrifft die Gewerkschaft in Taichung, dem
größten Micron-Standort in Taiwan. Für Donnerstag ist jedoch weiterhin ein
eintägiger Warnstreik einer anderen Gewerkschaft am Standort Taoyuan
geplant. Dort geht es um Boni und Gewinnbeteiligungen. Ob dieser Streik
nach der Einigung in Taichung nun stattfindet, war unklar. Eine Aussage
der Gewerkschaft aus Taoyuan dazu lag zunächst nicht vor.
Die ungebrochene Nachfrage nach KI-Technologie beschert der taiwanischen
Exportwirtschaft Auftragsrekorde. Die Bestellungen legten im September um
62,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu und erreichten mit 114,21
Milliarden Dollar eine neue Bestmarke, wie das Wirtschaftsministerium in
Taipeh mitteilte. Die Auftragsbücher der taiwanischen Konzerne, zu denen
der [3][weltgrößte Chip-Auftragsfertiger] TSMC gehört, gelten als wichtiger
Frühindikator für die weltweite Nachfrage nach Technologie.
21 Oct 2026
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