# taz.de -- Urteil gegen Sektenführer in Kenia: Mord in 191 Fällen
       
       > Jahrelang konnte Paul Mackenzie unbehelligt Eltern dazu zwingen, ihre
       > Kinder verhungern zu lassen. Jetzt wurde er mit seinen Mitstreitern
       > verurteilt.
       
 (IMG) Bild: Eltern sollten ihre Kinder dem Hungertod zuführen, um ins Paradies zu kommen: Sektenchef Paul Mackenzie bei der Urteilsverkündung
       
       Die Affäre schockierte ganz Kenia, der Prozess wurde zum Medienereignis. Am
       Montag wurde [1][Paul Mackenzie, Führer der christlichen Sekte „Good News
       International“], in der kenianischen Küstenstadt Mombasa zusammen mit 28
       Mitangeklagten des 191-fachen Mordes schuldig gesprochen. 190 der Mordopfer
       sind Kinder.
       
       Mackenzies Sekte hatte im Waldgebiet Shakabola nahe der Stadt Malindi über
       Jahre hinweg Kinder systematisch zu Tode hungern lassen. Auf diese Weise
       kämen sie zu Jesus, machte er ihren Eltern weis. Seine Kirche hatte der
       ehemalige Taxifahrer im Jahr 2003 gegründet und 2010 offiziell registrieren
       lassen. 2019 wurde sie auf eine Farm im Wald verlegt und blühte dort auf,
       von der Außenwelt abgeschottet und mit einer eigenen Miliz.
       
       Die Covid-19-Pandemie ab 2020 schien Warnungen vor einem drohenden
       Untergang der Menschheit recht zu geben. Wer dem Sektenversprechen nach
       einem garantierten Weg ins Paradies folgte, musste all seinen Besitz
       übergeben, alle seine Papiere verbrennen und sich von der Gesellschaft
       komplett isolieren. Nur indem man sich selbst und vor allem den eigenen
       Kindern noch zu Lebzeiten die extremsten Zwänge auferlege, garantiere man
       ihnen ein gutes Nachleben, predigte Mackenzie.
       
       „Verhungern wurde der Weg in den Himmel“, sagte Richterin Diana Mochache
       bei der Urteilsverkündung am Montag, die neun Stunden dauerte. „Eltern
       sahen ihren Kindern beim Sterben zu, als eine spirituelle Belohnung.“ Die
       Eltern selbst aßen weiter. Die Kinder sollten als Erste ins Paradies
       kommen, dann sollten nacheinander Jugendliche, Frauen und Männer
       verhungern, bis nur noch Mackenzies Familie übrig wäre, die als letzte
       nachkäme, so jedenfalls das Versprechen.
       
       So weit kam es nicht. Im März 2023 erstatteten geflohene Überlebende
       Anzeige. Zunächst geschah nichts, erst eine Auseinandersetzung mit
       Sektenmitgliedern auf einem Markt [2][führte schließlich die Polizei auf
       die Spur der Sekte] und ihrer Massengräber im Wald. Die Sekte wurde
       geschlossen, ihre Führung in einem Terrorismustrakt inhaftiert, 92
       Überlebende wurden in Sicherheit gebracht. 429 Tote wurden bis Juli
       geborgen, in 191 Fällen wurde Mordanklage erhoben.
       
       Bei den Ermittlern meldeten sich zahlreiche Menschen, denen die Flucht aus
       der Sekte gelungen war. Über 120 Zeugen sagten vor Gericht aus. Einer war
       Paul Mackenzies eigener Sohn Dan Mackenzie, heute 24 Jahre alt, der
       [3][über seine Erlebnisse bei der Sekte als Zwölfjähriger berichtete]. Als
       er einmal nicht zum Gottesdienst wollte, wurde er nackt ausgezogen und drei
       Stunden lang verprügelt; danach musste er eine Woche lang fasten. Daraufhin
       floh er und schlug sich in Malindi als Motorradtaxifahrer durch; fünf
       jüngere Geschwister ließ er zurück – sie gehören zu den Geretteten.
       
       Nur bei 76 der Toten wurde Verhungern als Todesursache festgestellt. Manche
       [4][verdursteten unter Plastikplanen]. Einzelne wurden erschlagen, erwürgt
       oder erstickt, stellten Forensiker fest und begründeten damit die
       Erweiterung der Anklage auf direkte Gewalteinwirkung. Die Verurteilten
       müssen nun mit lebenslanger Haft rechnen, das Strafmaß wird am 6. November
       gesprochen.
       
       Warum die Sekte jahrelang unbehelligt agieren konnte, bleibt weiter
       umstritten. Ein [5][Untersuchungsbericht der kenianischen
       Menschenrechtskommission] vom März 2024 weist darauf hin, dass Mackenzie
       schon 2017 wegen Radikalisierung und Kindesentführung festgenommen wurde.
       Aber er kam frei und machte weiter. Als eine geflohene Sektenanhängerin im
       November 2022 auf sozialen Medien Alarm schlug, wurde sie wegen Beleidigung
       angezeigt – gegen Mackenzie wurde nichts unternommen.
       
       Wie viele Menschenleben die Sekte tatsächlich auf dem Gewissen hat, bleibt
       offen. Zusätzlich zu den 429 identifizierten Toten bewahrt die Behörde 443
       nichtidentifizierte Leichen oder Überreste auf, zu denen sich keine
       Hinterbliebenen gemeldet haben. Im Dezember sollen sie in einem Massengrab
       beigesetzt werden.
       
       20 Oct 2026
       
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 (DIR) [5] https://www.knchr.org/Articles/ArtMID/2432/ArticleID/1191/KNCHRs-MONITORING-FINDINGS-OF-THE-SHAKAHOLA-TRADEGY-
       
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