# taz.de -- Von Schutzgebiet bis Biotechnologie
       
       > Die UN-Naturschutzkonferenz verhandelt über die gerechte Verteilung von
       > Gewinnen aus Artenreichtum – und einen klugen Umgang mit neuen Methoden
       
       Von Heike Holdinghausen
       
       „Mehr Tempo und mehr politischen Willen“ für den Schutz der globalen
       Biodiversität hat UN-Generalsekretär António Guterres auf der
       UN-Naturschutzkonferenz von der internationalen Gemeinschaft gefordert.
       Subventionen für fossile Energieträger kämen angesichts deren
       klimaschädlicher Wirkung „der Subventionierung unseres Suizids“ gleich,
       sagte er im armenischen Jerewan, wo die UN-Konferenz am Montag begann.
       
       Die internationale Gemeinschaft läuft laut einem von Guterres vorgestellten
       Bericht derzeit in fast allen Punkten der Kunming-Montreal-Vereinbarung
       hinterher. Zu den Zielen gehören der Schutz von Land- und Meeresgebieten,
       der Abbau von Subventionen für naturzerstörende Aktivitäten, der Schutz
       indigener Gruppen sowie finanzielle Zielsetzungen. „Wir müssen ehrlich
       eingestehen, dass wir kollektiv noch nicht auf dem richtigen Weg sind“,
       sagte Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan. Eine zentrale Rolle in
       den Verhandlungen spielen die finanziellen Zusagen der Industrieländer für
       weniger entwickelte Staaten. Dabei dürfte vor allem die EU versuchen, große
       Schwellenländer wie China mehr an der Finanzierung zu beteiligen.
       
       Zudem werden die 196 Mitgliedstaaten darüber verhandeln, wie der
       artenreiche Globale Süden davon profitieren kann, dass Konzerne aus dem
       globalen Norden – etwa der Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelbranche – mit
       Pflanzen, Tieren und Pilzen Geld verdienen. Häufig nutzen sie dabei nicht
       mehr die Lebewesen selbst, sondern digitalisierte Informationen ihres
       Erbguts, sogenannte Digitale Sequenzinformationen (DSI).
       
       „Weil DSI weltweit in Datenbanken verfügbar und oft grenzüberschreitend
       genutzt werden, ist es nicht sinnvoll, jede Nutzung einem Ursprungsland
       zuzuordnen und bilaterale Vereinbarungen abzuschließen“, heißt es dazu aus
       dem deutschen Umweltministerium. Ein gemeinschaftlich genutzter Fonds, der
       Cali-Fonds, solle deshalb den Vorteilsausgleich bündeln. Im kolumbianischen
       Cali hatten Unternehmen vor zwei Jahren in Aussicht gestellt, jährlich 1
       Milliarde US-Dollar in den Fonds einzuzahlen. Mehr als 12.000 Dollar sind
       bislang aber nicht zusammengekommen.
       
       Auch über synthetische Biologie, die DSI sehr speziell nutzt, wird
       verhandelt. Sie verbindet Methoden der Biologie, Informatik und Chemie mit
       ingenieurwissenschaftlichen Methoden. Sie strebt an, Organismen oder
       biologische Bestandteile zu entwerfen, zu bauen oder zu verändern. So
       versuchen Wissenschaftler:innen etwa, Korallen zu entwickeln, die mit
       extrem rasch steigenden Meerestemperaturen umgehen können, oder
       trockentolerante Pflanzen. Viel Aufmerksamkeit erfährt der Versuch,
       ausgestorbene Arten wiederzubeleben – etwa den vor langer Zeit
       verschwundenen amerikanischen Schattenwolf.
       
       In Jerewan wird nun über einen Aktionsplan zur synthetischen Biologie
       verhandelt. Er soll vor allem sicherstellen, dass die Länder des Globalen
       Südens in die Lage versetzt werden, die Chancen und Risiken des Ansatzes zu
       erkennen, zu bewerten – und angemessen mit ihnen umgehen zu können.
       
       [1][meinung + diskussion]
       
       20 Oct 2026
       
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