# taz.de -- Ausnahmezustand in El Salvador: Zehntausende Gefangene könnten freikommen
> El Salvadors autoritär regierender Präsident Nayib Bukele deutet an, rund
> die Hälfte der wegen Bandenkriminalität Inhaftierten freilassen zu
> wollen.
(IMG) Bild: Hochsicherheitsgefängnis Terrorism Confinement Center (Cecot) in San Salvador im Januar 2026
afp/dpa | El Salvadors Präsident Nayib Bukele hat die Freilassung eines
großen Teils der Gefangenen in Aussicht gestellt, die im Kampf gegen
Bandenkriminalität festgenommen wurden. Laut dem Nachrichtenportal
[1][Diario El Salvador] kündigte Bukele einen Plan an, von dem rund 50
Prozent der Häftlinge in dem zentralamerikanischen Land profitieren
könnten. Dazu solle eine Kommission jeden Fall prüfen.
Nach Angaben des Staatschefs könnten Gefangene entlassen werden, die
weniger schwerwiegende Straftaten begangen und mit den Behörden
zusammengearbeitet haben. Die betreffenden Häftlinge kämen unter Auflagen
frei und würden überwacht.
Der konservative Bukele regiert seit 2019 und ist für sein hartes Vorgehen
gegen die Kriminalität und seinen [2][autoritären Kurs] bekannt. Im März
2022 rief er nach einer Serie besonders brutaler Bandenmorde den
[3][Ausnahmezustand aus, den er seitdem immer wieder verlängerte]. Seitdem
dürfen Polizei und Militär Menschen ohne Haftbefehl und ohne Begründung
festnehmen.
Laut Regierung wurden seither etwa 93.000 Menschen inhaftiert. Laut der
Organisation Socorro Jurídico sind davon mindestens 30.000 Menschen
unschuldig. Der Ausnahmezustand soll laut Bukele weitergelten, bis „alle
Terroristen festgenommen wurden“. Er verglich das Vorgehen mit einer
Chemotherapie, die das „Krebsgeschwür“ der als Maras bezeichneten Banden
bekämpfen soll.
## Bisher 8.000 Gefangene als unschuldig entlassen
Seit Beginn dieses Vorgehens der Behörden sank die Kriminalität auf ein
Rekordtief. Nichtregierungsorganisationen sowie eine Expertengruppe der
Vereinten Nationen kritisieren aber, dass das rücksichtslose Vorgehen der
Strafverfolgungsbehörden zu [4][Menschenrechtsverstößen] führe.
Alle Häftlinge seien schuldig und verdienten es, im Gefängnis zu sitzen,
unterstrich Bukele. Doch angesichts der „besonderen Bedingungen“, die das
Land durchlebt habe, könne man bei einer großen Zahl von Gefangenen eine
Ausnahme machen. In El Salvador sei die Zusammenarbeit mit Banden nicht
ungewöhnlich gewesen. Wäre man gegen alle Schuldigen vorgegangen, hätte man
20 Prozent der Bevölkerung inhaftieren müssen, so Bukele. Laut Weltbank
leben in El Salvador rund 6,4 Millionen Menschen.
Bukele reagierte mit seinen Äußerungen auf die Frage einer Journalistin zu
Äußerungen, die der Präsidentenbruder Ibrajim Bukele im April in
Onlinenetzwerken über eine „unabhängige Kommission“ zur Überprüfung von
Haftstrafen gemacht hatte. „Wir haben absolut nicht vor, irgendjemanden im
Gefängnis zu behalten, der nicht schuldig ist“, sagte der Staatschef dazu.
Laut offiziellen Angaben wurden bislang rund 8.000 Häftlinge freigelassen,
die sich als unschuldig erwiesen hatten.
15 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://diarioelsalvador.com/depais/presidente-bukele-dice-analizan-plan-para-liberar-a-miles-de-capturados-en-el-regimen/864609
(DIR) [2] /Kampf-gegen-Bandenkriminalitaet/!6046177
(DIR) [3] /Menschenrechtler-aus-El-Savador/!6114818
(DIR) [4] /Kriminalitaetsbekaempfung-in-El-Salvador/!5921998
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