# taz.de -- KI bei Literaturpreisvergabe: Maschinengeschriebenes
> Wieder ein Literaturpreis und wieder ein durch KI generiertes Werk.
> Diesmal betrifft es den Gewinner des diesjährigen Caine Prize for African
> Writing.
(IMG) Bild: Buchhandlung in Harare: Der Gewinner des diesjährigen Caine Prize for African Writing soll die Geschichte mit KI verfasst haben
Jetzt ist schon wieder was passiert. Bei einem durch einen Literaturpreis
gekürten Werk wurde die Nutzung von KI festgestellt. Dabei handelt es sich
in diesem Fall um die Kurzgeschichte, die beim Caine Prize for African
Writing ausgezeichnet wurde. „The Blue Fighter“ von Simbarashe Steyn
Kundizeza soll fast vollständig mithilfe künstlicher Intelligenz generiert
worden sein, wie [1][The Atlantic schreibt.]
Zur Feststellung wurde hierbei das Erkennungstool Pangram genutzt, das wohl
sehr genau arbeitet: Laut dem Unternehmen kennzeichnet das Tool menschliche
Texte nur in etwa einem von 24.000 Fällen fälschlich als KI; auch externe
Forschung findet falsch-positive Ergebnisse äußerst selten.
Bewiesen ist damit allerdings noch nichts. Der Caine Prize hat eine
Untersuchung eingeleitet, bei der unter anderem frühere Entwürfe geprüft
werden könnten. Die Kuratoriumsvorsitzende Ellah Wakatama lehnt
KI-Detektoren als Beweismittel ab und verlangt einen Nachweis, der „nicht
von einer Maschine“ stammt. Kundizezas Agentur versichert, die Geschichte
sei sein eigenes Werk, nannte Atlantic bis zur Veröffentlichung aber keine
Belege.
Für den Verdacht spricht, dass Pangram alle 25 früheren Gewinnergeschichten
und Kundizezas früheren Text „The Whistleblower“ als menschlich geschrieben
einstuft. Atlantic-Autor Vauhini Vara erkennt zudem typische KI-Merkmale:
„Nicht x, sondern y“-Konstruktionen (Sätze, die erst etwas verneinen und
dann die eigentliche Aussage dagegensetzen, etwa „Das war kein Zufall,
sondern Absicht“), eine Flut von Metaphern und Stereotype über das Leben in
Afrika. Allerdings ist unabhängige Forschung zur Treffsicherheit bei
Autor:innen unterschiedlicher Herkunft noch begrenzt.
Es ist außerdem nicht der erste Fall: Schon beim Commonwealth Prize und
beim Prix Goncourt gab es in diesem Jahr ähnliche Vorwürfe. Ist der
Literaturbetrieb also in der Krise? Zumindest zeigt sich, dass das
Vertrauen erschüttert ist. Laut Vara sollte die Kunstwelt ihre Abneigung
gegenüber KI überwinden, sich Wissen darüber aneignen und Detektoren
zumindest ergänzend einsetzen. (soze)
16 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.theatlantic.com/books/2026/10/caine-prize-winning-short-story-seems-be-ai/688967/?taid=6acba7f6a2e9090001ef1628&utm_campaign=the-atlantic&utm_content=edit-promo&utm_medium=social&utm_source=twitter
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Literaturbetrieb
(DIR) Kurzgeschichte
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Debatte um Thélyson Orélien: Um Integrität geht es nur am Rande
Die Rechte mischt mit: In der französischen Debatte um KI-Vorwürfe gegen
den Schriftsteller Thélyson Orélien wird auch um die kulturelle Hegemonie
gekämpft.
(DIR) Loewe Verlag ohne KI: KI hat keine Fantasie
Der Loewe Verlag kennzeichnet seine Kinderbücher mit dem Hinweis, diese
seien ohne KI entstanden. Das ist richtig, aber keine generelle Absage an
KI.
(DIR) Comic „Gamma … visions“: Die KI-Apokalypse
Mit „Gamma … visions“ schließt Jens Harder sein vierbändiges Epos über
Mensch und Evolution ab. Er zeichnet düstere Zukunftsvisionen in
Türkisblau.