# taz.de -- Übernahme von Tap: Lufthansa steigt auch in Portugal ein
       
       > Europas größte Airline wächst weiter: Lufthansa soll Anteile der
       > portugiesischen Tap übernehmen. Pilotengewerkschaft warnt vor
       > „unethischen Praktiken“.
       
 (IMG) Bild: Vor allem die Tap-Verbindungen nach Brasilien und Afrika sind für die Lufthansa sehr interessant
       
       Die Lufthansa schließt ihre Einkaufstour mit der Teilübernahme der
       portugiesischen Airline Tap vorerst ab. Europas größter Luftverkehrskonzern
       habe das Bieterrennen um die Teilprivatisierung der Tap gewonnen, sagte der
       portugiesische Regierungschef Luis Montenegro am Mittwoch. Portugal wolle
       44,9 Prozent der Airline mit 9.400 Mitarbeiter*innen für 1,2
       Milliarden Euro an die Lufthansa verkaufen. 5 Prozent der Anteile gehen an
       die Mitarbeiter. Vorerst behält das Land, das die Tap im Jahr 2020 im Zuge
       der Coronapandemie gerettet und verstaatlicht hatte, die Mehrheit der
       Anteile.
       
       Die Lufthansa setzte sich mit einem 16 Prozent höheren Angebot gegen Air
       France-KLM durch. Der Lufthansa-Konkurrent hatte im Sommer bei der
       skandinavischen SAS den Zuschlag für eine Mehrheit erhalten. Lufthansa
       hatte gleichzeitig [1][41 Prozent an der Italienischen Ita Airways]
       übernommen und plant bereits, im kommenden Jahr auf 90 Prozent
       aufzustocken. Die Übernahmen binden Kapital beim MDax-Konzern, weshalb
       Branchenbeobachter derzeit nicht mit weiteren Zukäufen der Lufthansa
       rechnen.
       
       Durch den Deal könnte den Wettbewerb auf einzelnen Strecken abnehmen, was
       teurere Tickets zur Folge haben könnte. Bereits beim Einstieg der Lufthansa
       Group bei Ita Airways hatte die EU-Kommission vor steigenden Preisen durch
       weniger Wettbewerb gewarnt und die Übernahme nur unter Auflagen genehmigt.
       Es entstand der nach Umsatz viertgrößte Luftverkehrskonzern der Welt. Die
       Lufthansa Group beförderte im vergangenen Jahr mit über 800 Flugzeugen etwa
       135 Millionen Fluggäste und erzielte einen Umsatz von fast 40 Milliarden
       Euro.
       
       Die Lufthansa hatte in den vergangenen Jahren bereits die einstigen
       Staatsairlines der Schweiz, Österreichs und Belgiens aufgekauft. Nationale
       Eigenheiten wurden dabei weitgehend erhalten, aber Buchungs-, Vertriebs-
       und Tarifsysteme sowie das Vielfliegerprogramm Miles and More
       vereinheitlicht, über die Airline-Gruppe Star Alliance wurden weltweite
       Flüge angeboten und die Frachträume der Passagierflieger durch Lufthansa
       Cargo vermarktet.
       
       ## Brasilien-Geschäft interessant für Lufthansa
       
       Die Lufthansa will vor allem das Geschäft von Tap nach und in Brasilien
       ausbauen. Der Flughafen Lissabon soll als Drehkreuz gestärkt, die Präsenz
       in Porto ausgeweitet werden. Laut dem Vertrag will die Lufthansa die Flotte
       der Tap von derzeit 101 auf 117 Maschinen im Jahr 2035 vergrößern und eine
       Wartungsanlage in Portugal mit rund 700 Arbeitsplätzen bauen.
       
       Auch die Tap-Verbindungen ins portugiesischsprachige Afrika und in die USA
       sind für die Lufthansa interessant. Im ⁠ersten Halbjahr 2026 beförderte die
       Airline 8,2 Millionen Passagiere, so viele wie nie zuvor. Zwar flog die Tap
       2025 das vierte Jahr in Folge einen Gewinn ein. Allerdings rutschte das
       Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 wegen hoher Kerosinpreise in ein Minus
       von 99,2 Millionen Euro.
       
       Die portugiesische [2][Pilotengewerkschaft] „Sindicato dos Pilotos da
       Aviação Civil (Spac) hatte sich gegen die Lufthansa ausgesprochen. Das
       deutsche Unternehmen pflege „unethische gewerkschaftsfeindliche Praktiken“.
       Würden diese bei Tap eingeführt, gefährde das „den sozialen Frieden am
       Arbeitsplatz und die Effizienz des Drehkreuzes in Lissabon ernsthaft“,
       warnte Spac und verwies auf anhaltende Arbeitskonflikte bei der Lufthansa
       sowie die Kündigung der Vereinbarung über die Freistellung von
       Gewerkschaftsmitgliedern. Tatsächlich hat die Lufthansa zuletzt den
       [3][Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen bis 2030] angekündigt.
       
       Der Zuschlag in Lissabon bedeutet noch nicht den Abschluss des Verkaufs.
       Die wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die EU-Kommission könnte nach
       Einschätzung der portugiesischen Regierung 18 bis 24 Monate dauern. Der
       Abschluss des Geschäfts wird deshalb erst 2028 erwartet.
       
       14 Oct 2026
       
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