# taz.de -- EU-Mission in Libanon: EU will Blauhelme im Libanon ersetzen
       
       > Ende des Jahres ziehen Unifil Soldaten aus Libanon ab. Die EU startet nun
       > eine eigene Mission. Kann sie Libanon stabilisieren?
       
 (IMG) Bild: Ende der Shopping-Mission – Unifil-Soldat*innen in Libanon
       
       Ende des Jahres ist Schluss für eine der ältesten UN-Friedensmissionen.
       Seit 1978 ist der Auftrag der Unifil, die Grenzregion zwischen Israel und
       Libanon zu stabilisieren. Nun planen die Blauhelmsoldaten im Südlibanon
       ihren Abzug. Dann soll Libanons Armee die Kontrolle übernehmen.
       
       Israel und die USA hatten auf das Ende von Unifil gedrängt. Im August 2025
       besiegelte der UN-Sicherheitsrat dieses Ende. Dabei ist der Krieg zwischen
       Israel und Libanon nicht zu Ende: Die Miliz der Hisbollah weigert sich,
       ihre Waffen abzugeben. Israels Militär greift trotz vereinbarter Waffenruhe
       weiter in Libanon an und hat über 55 libanesische Dörfer besetzt.
       
       Die Außenminister der EU-Staaten haben deshalb beschlossen, eine
       Alternative zu den Blauhelmen zu bieten: Sie starten die
       EU-Unterstützungsmission in Libanon, kurz EUSM. Die neue Mission soll
       Libanons Militär und Sicherheitskräfte beraten und ihnen dabei helfen, die
       Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet auszuüben und die Land- und
       Seegrenzen zu sichern. Ziel sei es, für mehr Stabilität im Land zu sorgen,
       [1][so EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas].
       
       Der EU-Einsatz soll 2027 beginnen und zunächst drei Jahre andauern. Geld
       soll auch in „bessere Sicherheitsverwaltung“ gehen – [2][unter anderem in
       die Sicherheits-Governance des Hafens von Beirut]. Dort waren wegen
       Korruption am 4. August 2020 rund 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert,
       die mutmaßlich der Hisbollah gehörten.
       
       ## Deutschland soll sich auch an EU-Einsatz beteiligen
       
       Deutschland beteiligt sich bislang mit rund 300 Soldat*innen an Unifil.
       Sie bewachen vor allem die Seegrenze und melden möglichen Waffenschmuggel
       an libanesische Behörden. Laut EU-Diplomaten soll sich Deutschland auch an
       dem neuen EU-Einsatz beteiligen. Details sind nicht bekannt. Deutschland
       unterstützt bereits die libanesische Marine bei der Ausbildung mit einer
       eigenen Marineschule, unabhängig von Unifil.
       
       Die Idee der EU: Indem staatliche Institutionen gestärkt werden, soll die
       innere Sicherheit gestärkt werden. Nur ein starker Staat kann das Monopol
       auf Waffen durchsetzen und eine Alternative zu klientelistischen Parteien
       bieten. Damit wollen sie auch Libanons Armee dabei unterstützen, die
       Hisbollah zu entwaffnen und deren Waffenschmuggel zu verhindern.
       
       Eine erste Phase mit dem Ziel, die Hisbollah zu entwaffnen, hat die
       libanesische Regierung für den Süden des Landes Anfang des Jahres für
       abgeschlossen erklärt. Die Hisbollah weigert sich jedoch, Waffen im ganzen
       Land abzugeben. Ein Abkommen vom 26. Juni zwischen Israel und Libanon
       regelt einen Waffenstillstand und schreibt die Hisbollah-Entwaffnung vor.
       Die Hisbollah hat dem Deal allerdings nicht zugestimmt. Israel hat über 30
       Dörfer in Libanon dem Erdboden gleichgemacht und die Bevölkerung aus über
       55 Dörfern vertrieben, die es besetzt hält. Israel will die Truppen erst
       abziehen, wenn die [3][Hisbollah] entwaffnet ist.
       
       Die Menschen aus dem Südlibanon sehen in der Hisbollah die einzige
       Verteidigung gegen Israels völkerrechtswidrige Angriffe. Die Armee
       verteidigt die Bürger*innen nicht. Ihre Ausrüstung ist veraltet, gegen
       Israels hochgerüstetes Militär hätte sie keine Chance. Durch die
       Staatspleite sind die Gehälter so geschrumpft, dass Soldaten zusätzlich
       kellnern, Autos reparieren oder Taxi fahren.
       
       ## Kann die EU-Mission erfolgreich sein?
       
       Ob die neue EU-Mission die Waffenlieferungen stoppen kann, ist fraglich.
       Zwar ist durch den Sturz des Regimes von Baschar al-Assad in Syrien ein
       wichtiger Verbündeter der Hisbollah entfallen und Syriens neue Regierung
       stellt sich offiziell gegen den Waffenschmuggel. Doch Waffen kommen weiter
       aus Irak über die Wüste nach Syrien und über die ungesicherte Grenze nach
       Libanon.
       
       Am Montag gab es zumindest eine Erfolgsmeldung der libanesischen Armee: Sie
       hatte im Norden der Bekaa-Ebene, nahe der Grenze mit Syrien, 200 Kilogramm
       Sprengstoff beschlagnahmt. Das Material, darunter TNT und C4, wurde auf
       Säcken mit Eseln über Bergpfade nach Libanon gebracht.
       
       13 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2026/10/12/lebanon-eu-establishes-new-csdp-support-mission-to-strengthen-defence-and-security-institutions/
 (DIR) [2] /Libanesischer-Ex-Praesident-vor-Gericht/!6213630
 (DIR) [3] /Krieg-im-Suedlibanon/!6210556
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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