# taz.de -- Rekorde in der Bundesliga: Deutsche Torfabrik
       
       > In der Bundesliga feiert man Tore über Tore. Doch auch andernorts
       > passiert Erstaunliches. Sind die Defensiverfechter mit ihrem Latein am
       > Ende?
       
 (IMG) Bild: Mit freundlicher Unterstützung von Manuel Neuer: Augsburg schießt den ersten Treffer eines torreichen Bundesligasamstags
       
       Was ist denn gerade in dieser Liga los? 8,4 Sekunden hat es am Samstag nach
       Angaben eines Datendienstleisters (vielen Dank dafür!) nur gedauert, bis in
       der Bundesliga der erste Torjubel zu vernehmen war. Und es folgten dem
       Rekordtor in Augsburg an diesem Tag noch 24 weitere Treffer. Mehr als vier
       pro Partie im Schnitt. Allein acht Teams haben zu dem frühen Zeitpunkt der
       Saison schon eine zweistellige Trefferzahl vorzuweisen.
       
       Bei diesem starken Torfeuerwerk und Torregen kann es einem abwechselnd heiß
       und kalt werden. Nur wie ist all das einzuordnen? Klassischerweise bewegen
       sich die Torerklärungsversuche zwischen den Polen Vermögen und Unvermögen.
       Der schnellste Treffer der Bundesligageschichte war eindeutig letzterem
       zuzuordnen. Manuel Neuer patzte. Andere Treffer sahen freilich durchaus
       gekonnt aus. Doch diese Betrachtungsweise ist zu trivial, macht den Anstieg
       der Zahlen nicht nachvollziehbar.
       
       Will man es rational versuchen, könnte man auf das veränderte Regelwerk zu
       dieser Saison hinweisen, das Spielverzögerungen minimiert. Die Behandlung
       eines verletzten Spielers, die von Trainern gern mal zu einer
       korrigierenden Taktikbesprechung fürs kompaktere Verteidigen am Seitenrand
       genutzt wurde, hat neuerdings eine einminütige Unterzahl zur Folge. Seither
       verletzten sich die Spieler nicht mehr so schwer.
       
       Das müsste jedoch alle Vereine gleichermaßen betreffen. Das Verrückte ist
       allerdings, dass einerseits etwa die vom Defensivordnungsfanatiker Urs
       Fischer trainierten Mainzer zu einem wilden Haufen geworden sind, der Tore
       in Massen kassiert und erzielt. Selbst das Augsburger Bollwerk hat sich zu
       einer Torfabrik gewandelt. Andererseits: Union Berlin, das sich vor der
       Saison mit neuem Coach auf Offensivfußball eingeschworen hat, wird zum
       Ligasonderling und benötigt schon einen abgefälschten Schuss, um Aufsteiger
       Elversberg zu bezwingen.
       
       Apropos Torfabrik. So heißt der Spielball der Bundesliga wieder, der in
       diesem Jahr sein Comeback feierte. Das Haus Adidas dichtet ihm
       Eigenschaften an, die zu mehr Toren führen sollen, und könnte sich nun
       bestätigt fühlen. Nebenbei bemerkt: Der Name verstärkt den Eindruck, dass
       in der Bundesliga Fußballtore vornehmlich produziert und nicht erspielt
       werden.
       
       Aber auch diese Spur führt nicht weiter, wenn man über die deutsche Liga
       hinausblickt. In Italien, dem Land des Catenaccio, hat es in dieser Saison
       im Unterschied zur Bundesliga nicht ein torloses Remis gegeben. Selbst die
       größten Defensivverfechter scheinen mit ihrem Latein am Ende zu sein.
       
       11 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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